„Du fühlst dich wie ein kleiner Junge“ – Dirk van Duijvenbode über die besondere Aura von Michael van Gerwen

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 22 Juli 2026 um 00:15
Dirk van Duijvenbode (3)
Dirk van Duijvenbode hat beim World Matchplay 2026 für einen der emotionalsten Momente des Turniers gesorgt. Der Niederländer rang im Achtelfinale Landsmann Michael van Gerwen nach Verlängerung mit 14:12 nieder und zog damit zum zweiten Mal in seiner Karriere ins Viertelfinale von Blackpool ein.
Nach der Partie sprach van Duijvenbode offen über seine Nervosität, die besondere Aura seines Gegners und darüber, warum sich ein Match gegen Michael van Gerwen für einen Niederländer anders anfühlt als jedes andere.

„Bei 8:4 wurde ich plötzlich nervös“

„Am Ende bist du einfach nur glücklich“, sagte van Duijvenbode im Gespräch mit den Medien, darunter auch Dartsnews.de. „Ich habe vorher noch herumgealbert, aber innerlich habe ich gezittert. Am Ende zählt nur, dass du die Ziellinie erreichst – und genau das macht diesen Sieg so besonders.“
Dirk van Duijvenbode jubelt.
Dirk van Duijvenbode jubelt nach seinem dramatischen 14:12-Erfolg gegen Michael van Gerwen, der ihn zum zweiten Mal ins Viertelfinale des World Matchplay führt.
Obwohl van Duijvenbode über weite Strecken die bessere Partie spielte, musste er im Schlussabschnitt noch einmal hart kämpfen. Dass ihn die Nerven zeitweise im Stich ließen, gab er unumwunden zu.
„Letztes Jahr habe ich beim World Grand Prix auch gegen Michael gewonnen. Damals hatte ich dieses Gefühl nicht – zumindest nicht so stark. Diesmal hat es mich einfach erwischt. Beim Stand von 8:4 wurde ich plötzlich nervös. Dann stand es 8:6 und ich habe mir gesagt: ,Reiß dich zusammen.‘ Dann stand es 8:7, danach 9:7 und 10:7. Ich habe mich immer wieder gesammelt und wurde trotzdem erneut nervös.“
Trotzdem brachte der Niederländer den Sieg über die Ziellinie – und erklärte anschließend, weshalb sich Duelle gegen van Gerwen für ihn besonders anfühlen.
„Du fühlst dich wie ein kleiner Junge, wenn Michael plötzlich so viele Triple trifft und das Publikum komplett hinter ihm steht. Dann fühlst du dich wirklich klein. Zum Glück konnte ich das noch einmal drehen.“

Der schwierige Weg ohne Setzplatz

Van Duijvenbode machte anschließend deutlich, wie groß aus seiner Sicht der Unterschied zwischen gesetzten und ungesetzten Spielern bei großen TV-Turnieren ist.
„Wenn wir ehrlich sind: Bist du nicht in der Top-16 gesetzt, entscheidet die Auslosung oft darüber, wie schwer dein Weg ins Viertelfinale wird. Ich hatte diese Woche definitiv keine leichte Auslosung.“
Der Grund sei offensichtlich.
„Als gesetzter Spieler musst du meistens einen Top-16-Spieler schlagen, um das Viertelfinale zu erreichen. Wenn du nicht gesetzt bist, musst du in der Regel gleich zwei ausschalten. Das kann die Nummer eins der Welt sein oder die Nummer 16 – einfach jeder. Deshalb ist es deutlich schwieriger.“
Dass ihm der Viertelfinaleinzug ausgerechnet beim zweithöchstdotierten Turnier des Jahres gelang, freute ihn deshalb umso mehr.

Keine Änderung der Marschroute

Nach seinem Auftaktsieg hatte van Duijvenbode erklärt, dass für ihn ein Viertelfinale bereits ein gutes Ergebnis sei. Auf die Frage, ob der Erfolg gegen van Gerwen daran etwas ändere, blieb er seiner Linie treu.
„Ich bin ein Mann meines Wortes – also nein“, sagte er. „Beim letzten Mal habe ich gegen Danny Noppert gespielt, der kaum Emotionen zeigt. Jetzt treffe ich auf Gary Anderson. Er spielt in einem großartigen Tempo. Deshalb wird dieses Viertelfinale ganz anders als mein letztes.“

Nun wartet Gary Anderson im Matchplay-Viertelfinale auf Dirk van Duijvenbode.

„Wer jetzt schon ans Finale denkt, respektiert Gary nicht“

Auch Fragen zu Luke Humphries, Luke Littler oder einem möglichen Titelgewinn wollte van Duijvenbode nicht gelten lassen. Für ihn zählt ausschließlich das kommende Match gegen Gary Anderson.
„Ihr sprecht über Spieler, auf die ich vielleicht erst eine Runde später treffen würde. Ich konzentriere mich nur auf das nächste Spiel. Ich kann auch schon ans Finale denken und dann gleich in der ersten Runde verlieren – so funktioniere ich nicht.“
Anschließend wurde der Niederländer deutlich.
„Wenn ihr meint, ich sollte mich jetzt schon mit anderen Spielern beschäftigen statt mit Gary, dann ist das respektlos gegenüber Gary. Ich wäre schon glücklich, wenn ich ihn schlagen würde. Er ist ein sehr guter Spieler, deshalb schaue ich überhaupt nicht weiter.“
Als ein Journalist anschließend fragte, ob Anderson angesichts der Titelchance möglicherweise nervös werden könnte, reagierte van Duijvenbode mit Unverständnis.
„Eine ernst gemeinte Frage? Für mich klang das eher wie ein Witz“, sagte er. „Das ist erst mein zweites Viertelfinale überhaupt. Gary hat das Turnier schon gewonnen und steht erst zum zweiten Mal seit 2020 wieder im Viertelfinale. Wer von uns sollte also nervöser sein?“
Zum Abschluss appellierte er an den Fragesteller. „Ihr könnt das besser. Wenn ihr wissen wollt, wie Gary sich fühlt, dann fragt ihn. Ich bin nicht wütend – aber konzentriert euch. Ihr könnt bessere Fragen stellen.“

Dirk van Duijvenbode feiert einen emotionalen Sieg gegen Michael van Gerwen.

Vertrauen in das eigene Spiel

Dass er die entscheidenden Momente dennoch für sich entscheiden konnte, überraschte van Duijvenbode selbst ein wenig.
„Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe“, sagte er über sein starkes 11-Dart-Leg im Tie-Break. „Ich war wirklich nervös. Aber ich vertraue meinem Spiel, weil ich weiß, wie ich trainiere. Wenn ich einmal in meinen Rhythmus komme, kann ich jederzeit zwei oder mehr Triple hintereinander treffen.“
Die beiden 180er in Folge beim Stand von 12:12 bezeichnete er sogar als die vielleicht besten seiner Karriere.
„Im Training gelingt mir das häufiger. Aber in diesem Moment, bei 12:12 und auf Michaels Anwurf, waren das wahrscheinlich die besten beiden 180er, die ich jemals geworfen habe.“

Warum van Gerwen einschüchternd sein kann

Zum Abschluss ging van Duijvenbode noch einmal auf das Gefühl ein, sich gegen van Gerwen „wie ein kleiner Junge“ zu fühlen.
„Es ist eine Kombination aus allem. Du spürst seine Aura. Die war nicht das ganze Spiel über da, aber im Tie-Break war sie plötzlich wieder da. Gleichzeitig spielte er sein bestes Darts und das Publikum stand komplett hinter ihm. Dann fühlst du dich einfach wie ein kleiner Junge.“
Dabei gehe es nicht ausschließlich um van Gerwen selbst.
„Michael ist einer der besten Spieler aller Zeiten. In so einer Situation könnte das genauso Phil Taylor sein – oder Raymond van Barneveld. Ich habe einmal als sehr junger und unerfahrener Spieler gegen Barney bei der Weltmeisterschaft gespielt und überall nur ,Barney Army!‘ gehört. Das kann als Gegner wirklich einschüchternd sein.“
Dennoch gebe es einen Weg, diese Dynamik zu durchbrechen.
„Mit einer starken Aufnahme kannst du das stoppen – und genau das ist mir beim Stand von 12:12 gelungen.“
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