Cameron Menzies sorgte am Montagabend beim World Matchplay in Blackpool für die Sensation des Abends. Mit einem sagenhaften 170-Finish besiegelte er ein 10:7 gegen Luke Humphries und zog damit ins Achtelfinale ein, wo ihn nun Ross Smith erwartet.
Nach dem Spiel sprach Menzies mit mehreren Medienvertretern, darunter auch DartsNews, und gab offen zu, dass er selbst kaum an den Sieg geglaubt hatte. Er habe im Vorfeld gehofft, eine Überraschung schaffen zu können, hätte diesen Ausgang aber niemals für möglich gehalten.
Menzies nutzte seine Chancen konsequent
„Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll", sagte Menzies nach der Partie. „In meinem Herzen habe ich geglaubt, dass ich vielleicht eine Überraschung schaffen kann, aber dafür müsste ich überragend spielen." Ganz so hoch wollte er seine eigene Leistung dann aber doch nicht hängen. „Ich würde nicht sagen, dass ich überragend gespielt habe, aber ich war richtig gut", erklärte er weiter.
Für Cameron Menzies war es der größte Sieg seiner Karriere.
Der Schotte betonte, dass er sich vor dem Duell ein klares Ziel gesetzt hatte: Jede Chance nutzen, die Humphries ihm bietet. Genau das gelang ihm eindrucksvoll. „Ich habe vor dem Spiel gesagt – und das sage ich jedes Jahr –, um Luke zu schlagen, muss ich jede Chance nutzen, die er mir gibt, und er hat mir viele Chancen gegeben. Ich habe viel rausgenommen." Menzies räumte zudem ein, dass ihm im Laufe der Partie auch das ein oder andere Leg gelang, das er auf dem Papier eigentlich nicht hätte gewinnen dürfen.
Für den Weltranglisten-Außenseiter bedeutet der Erfolg mehr als nur einen weiteren Auftritt in der zweiten Runde. „Vieles ist gefallen, und ich würde zugeben, dass ich ein paar Legs geklaut habe, aber das macht diesen Abend zum besten Moment meiner Karriere. Das war auf einer Stufe mit dem Auftritt mit Gary beim World Cup." Menzies bezog sich dabei auf seinen gemeinsamen Auftritt mit Gary Anderson beim World Cup of Darts, einen der bislang größten Erfolge seiner Laufbahn.
Auch seinen Gegner würdigte Menzies nach dem Spiel mit großem Respekt. Humphries habe die Niederlage als echter Sportsmann hingenommen. „Er war ein Gentleman in der Niederlage, ein großartiger Kerl. Ehrlich gesagt, ein Botschafter für den Dartsport. Für mich ist das mein größtes Ergebnis im TV, und er hat es großartig aufgenommen. Ich habe nichts als Liebe und Respekt für ihn."
Ein schwieriger Start ins Jahr ging dem Erfolg voraus
Auf die Frage, ob dieser Sieg zu seinen besten zähle, antwortete Menzies, dass er sich nicht einmal sicher gewesen sei, sich überhaupt für das Turnier zu qualifizieren – geschweige denn gegen einen Spieler wie Humphries zu gewinnen. „Es gehört dazu, weil ich nicht dachte, dass ich mich dafür qualifizieren würde. Ich hatte hier ein paar gute Wochen, aber der Start ins Jahr war furchtbar."
Sein Jahresaverage von 92 täusche über die tatsächliche Form zu Jahresbeginn hinweg, erklärte Menzies. Erst die vergangenen Monate hätten den Wert nach oben gezogen. „Ich habe einen Jahresaverage von 92, aber der ist nur wegen der letzten paar Monate gestiegen. Ich hatte einen wirklich schwachen Start ins Jahr. Ich bin durch viel gegangen." Mittlerweile fühle er sich sowohl mental als auch körperlich deutlich besser aufgestellt. „Die Emotionen fallen nicht einfach ab, aber mental und körperlich bin ich in einer besseren Verfassung. Ich habe wieder Spaß am Darts."
Trotz der Euphorie bremste Menzies die Erwartungen für die kommende Runde gegen Ross Smith bewusst. Er verwies darauf, dass auf der ProTour praktisch jeder jeden schlagen könne. „Die Sache ist: Wenn du die PDC verfolgst, wenn du die ProTours schaust – als Nächstes habe ich Ross. Ich weiß, dass Ross ein großartiger Spieler ist. Sein Spiel gegen Kevin Doets war ein Top-Match." Menzies verwies zugleich auf seine eigene Bilanz auf der Tour. „Aber wenn du auf die ProTours schaust: Ich habe drei ProTours gewonnen. Wir alle können diese Spiele gewinnen. Normalerweise im TV allerdings treten die Topgesetzten auf und liefern ab, aber ich habe nichts zu verlieren. Man hat erwartet, dass ich dieses Spiel verliere, also ist jetzt jede Partie ein Bonus."
Emotionen bleiben Teil von Menzies' Spiel
Der Schotte sprach im Anschluss offen über seine Emotionalität auf der Bühne. Er wisse selbst nicht immer genau, wie er sich in bestimmten Momenten fühlen solle, gestand Menzies, und auch das Adrenalin spiele dabei eine große Rolle. „Ich wünschte, ich könnte es dir erklären, denn manchmal bin ich ruhig, halte die Emotionen unten, und manchmal werde ich vom Moment mitgerissen. An mir persönlich ändert sich nichts, es ist nur Adrenalin."
Seine Führung im Spiel habe ihn möglicherweise sogar nervöser gemacht als ein Rückstand es getan hätte. „Vielleicht war ich, weil ich vorne lag, nervöser. Wenn ich hinten wäre und ein großes Finish rausnehme oder was auch immer, würde ich nicht mehr Emotion zeigen." Er beschrieb seinen Zustand während der Partie als nervös, aber auf positive Weise. „Ich war richtig nervös, aber auf gute Art. Seite an mir mag ich nicht, aber so bin ich nun mal."
Menzies machte deutlich, dass er sich diese emotionale Seite an sich selbst manchmal wünschte anders, sie aber letztlich zu seinem Erfolg gehöre. „Leider würde ich das gerne ändern. Ich wäre gerne eher der lässige Typ, aber wenn ich das wäre, stünde ich nicht da, wo ich bin. Ich zeige gerne ein bisschen Emotion, versuche sie aber auch im Zaum zu halten, weil ich manchmal doch etwas zu sehr weitermache." Böse Absicht stecke dabei aber nie dahinter, betonte er. „Aber da steckt nie Böswilligkeit dahinter. Leistung wie diese, so möchte ich die ganze Zeit sein."
Therapie und Auszeiten halfen ihm nach der Weltmeisterschaft
Nach dem bekannten Vorfall bei der World Darts Championship durchlief Menzies eine Therapie. Diese habe ihm enorm geholfen, ebenso wie eine stabile Beziehung und regelmäßige Auszeiten vom Sport. „Ich habe meine Therapie ziemlich regelmäßig gemacht. In letzter Zeit nicht, aber ich werde mich bald bei Chris melden. Das ist etwas, das ich nie gemacht hätte. Ich habe über das Geschehene gesprochen, und ich sage dir, es hat mir enorm geholfen, denn ich bin kein guter Flieger, in diesem und jenem nicht der Beste, also habe ich schon etwas Angst und so weiter."
Solche Gespräche hätten ihm spürbar geholfen, sagte Menzies, der sich inzwischen auch mit seinem Alter auseinandersetzt. „Solche Dinge haben enorm geholfen. Ich fühle mich besser. Ich werde älter. Ich denke immer, ich bin 26, aber das bin ich nicht mehr." Der schwache Start ins Jahr hänge auch mit fehlenden Pausen zusammen, erklärte er. Erst ein dreiwöchiger Urlaub habe die Wende gebracht. „Im Moment bin ich in einer guten Lebenssituation, und deshalb war ich zu Jahresbeginn wirklich schwach. Ich habe drei Wochen Pause gemacht, bin in den Urlaub gefahren, und das Erste, woran ich mich erinnere, war, wieder auf die Tour zu gehen."
Er verwies zudem auf seinen Manager Gary, der sich generell mehr Ruhephasen gönne. „Ich werde älter, und ich sitze lange genug mit Gary zusammen, um mir Urlaube zu gönnen. Er nimmt sich viel mehr Zeit als ich. Es sind nur Kleinigkeiten. Du musst begreifen, dass das dein Job ist, aber du musst dir auch ein bisschen Zeit nehmen, wenn das Sinn ergibt. Ich habe das öfter gemacht und es hat geholfen."
Auf die Frage, ob er nach dem WM-Vorfall je erwartet hätte, zu einer solchen Leistung fähig zu sein, reagierte Menzies mit Humor, blieb inhaltlich aber ernst. Die Auszeit vor der ProTour habe ihn spürbar erneuert. „Du bist betrunken. Aber es ist auch für mich eine kleine Überraschung. Doch vor zwei Wochen, als ich diese ProTour gewonnen habe, dachte ich nie, dass ich das je wieder schaffen würde, weil ich zu Jahresbeginn schlecht war und mental einfach nicht gut drauf."
Seine Bilanz auf der Tour zu Jahresbeginn sei entsprechend mager ausgefallen. „Ich war immer da, ich habe es versucht, aber ich habe es einfach nicht abgerufen. Ich glaube, in den letzten sieben ProTours habe ich zwei Spiele gewonnen." Ein bewusster Urlaub ohne jeglichen Darts-Bezug habe die Trendwende gebracht. „Ich habe eine Pause vom Darts gemacht und bin endlich in den Urlaub gefahren – ein Urlaub ohne Darts. Ich bin weggeflogen und die Darts blieben zu Hause, und das war das Beste für mich. Das ist etwas, was ich normalerweise nicht mache, weil ich sonst immer bei 100 bin."
Direkt nach der Rückkehr gewann Menzies prompt ein ProTour-Turnier. „Das Erste, was ich getan habe, war, eine ProTour zu gewinnen. Es war eine Auszeit vom Leben, wenn das Sinn ergibt. Etwas, das ich jetzt öfter machen werde." Er betonte, dass es dafür keine langen Reisen brauche. „Es muss nicht eine Woche oder zwei Wochen sein oder was auch immer, es reicht, einfach für ein paar Tage wegzufahren."
Menzies zeigte zudem Verständnis dafür, warum viele Topspieler auf regelmäßige Pausen setzen, insbesondere im dichten Kalender der Premier League. „Ich kann sehen, warum es deine Topspieler machen, gerade in der Premier League und so. Darts ist sehr vollgepackt. Es ist harte Arbeit, besonders wenn es nicht läuft." Der Balanceakt zwischen Turnieren und Privatleben falle ihm dabei nicht immer leicht. „Manchmal ist das Beste, einfach einen Schritt zurückzutreten. Ich verpasse die Hochzeit des Bruders meiner Freundin, weil ich versuche, beides zu schaffen. Ich will die ganze Zeit Darts spielen, aber ich muss auf meine Gesundheit achten – nicht auf die Gesundheit, eher mental. Es ist gut, einfach mal zu entspannen."
Seine Freundin als wichtiger Rückhalt
Neben der sportlichen Form sprach Menzies auch über die Unterstützung durch seine Partnerin, die ihm im Alltag spürbar den Druck nehme. „Nicht nur beim Darts, sondern im Leben allgemein. Sie wohnt in Glasgow, ich in Ayrshire. Manchmal, wenn du aus Leicester heimfährst, sind es fünfeinhalb Stunden im Zug, sie holt mich ab und wir fahren zu ihr."
Kleine Gesten würden im stressigen Turnieralltag viel bedeuten, erklärte er weiter. „Ich weiß, es ist so dumm, aber sie wäscht meine Kleidung oder bestellt Essen. Es sind einfach solche Kleinigkeiten. Dinge sind hart, wenn du viel unterwegs bist, und du kommst nach Hause und manchmal ist alles für dich erledigt. Ich bügle manchmal ihre Sachen, aber das letzte habe ich verbrannt, daher lässt sie mich nicht oft ran."
Gerade nach langen Reisen mache sich diese Unterstützung bemerkbar. „Sie war eine enorme Hilfe. Selbst wenn sie mich irgendwohin zum Darts fährt und so, solche Kleinigkeiten bedeuten viel, weil wir viel reisen. Wir kommen vom Flughafen zurück, sie holt mich ab und dann habe ich den Koffer und denke mir, auf die Wäsche habe ich keine Lust."
Menzies beendete das Gespräch mit einem humorvollen Seitenhieb auf sich selbst. „Sie macht das für mich. Ich weiß, es ist vielleicht ein Klischee als Mann, aber Dinge bedeuten mir viel. Und was passiert dann? Ich kaufe ihr eine Tüte Paprika-Chips."
Mit dem Sieg über Humphries hat sich Menzies nicht nur ein Duell mit Ross Smith gesichert, sondern auch gezeigt, dass er nach einer schwierigen ersten Jahreshälfte den Weg zurück zur Form gefunden hat.
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.