Für
Dave Chisnall bedeuten die ersten Wochen des Jahres 2026 weniger einen klassischen Neuanfang als vielmehr eine gezielte Neuausrichtung. Nach einer Saison 2025, die seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde, ist für den Engländer klar: Es geht nicht darum, sich als Spieler neu zu erfinden, sondern darum, bewährte Standards wiederherzustellen.
Die jüngste Ruhephase im Turnierkalender brachte ihm dabei eine seltene Portion Normalität. „Es gibt aktuell nicht viel zu berichten, das sind wohl die ruhigsten Wochen der Dart-Saison“,
schreibt Chisnall in seiner neuesten Kolumne für Kwiff. Er beschreibt eine Zeit zwischen Vorbereitung, Training und Familienalltag – fernab des sonst so dichten Tourbetriebs.
Zwischen Familienzeit und Leistungsanspruch
„Es war eine Mischung aus Training, mich für die neue Saison bereitmachen und ein Stück weit Hausmann sein“, ergänzt „Chizzy“. Diese Auszeit empfand er nicht als Unterbrechung, sondern als wertvolle Phase. „Es war gut, mal etwas zu Hause zu sein und Zeit mit der Familie zu verbringen, aber jetzt ist es an der Zeit, wieder auf Tour zu gehen und hoffentlich ein paar Pfund mitzunehmen.“
Sich an Elite-Standards messen
Statt abstrakt über Form oder Gefühl zu sprechen, knüpft Chisnall sein Selbstvertrauen an einen ganz konkreten Bezugspunkt. Mit Blick auf das
Winmau World Masters nennt er eine Viertelfinalniederlage gegen Michael van Gerwen als Maßstab für das Niveau, das er wieder erreichen will.
„Das Turnier war historisch gut zu mir, und ich hätte mich wohl besser schlagen müssen, als ich 2024 im Viertelfinale gegen Michael verloren habe“, erklärt Chisnall. „Mein Spiel erreicht wieder dieses Niveau.“
Diese Aussage ist bezeichnend. Chisnall reklamiert keine Dominanz und erklärt sich nicht vorschnell wieder zum Titelanwärter. Stattdessen definiert er klar, welches Leistungslevel für ihn weiterhin realistisch ist – und rahmt 2026 als die Saison, in der er genau das wieder unter Beweis stellen will.
Dieses Selbstvertrauen ist auch mit Blick auf seine Ausgangslage nachvollziehbar. Chisnall ist weiterhin gesetzt, regelmäßig auf den großen Bühnen präsent und fest im Kreis der führenden Profis verankert. Was zuletzt fehlte, war eine Portion Momentum und Chisnalls ganz eigene Art der Weltklasse, die ihn in früheren Jahren fast automatisch tief in Turniere getragen hatte.
Ein selten schwaches Jahr
Nach eigener Einschätzung stach die vergangene Saison aus den falschen Gründen hervor. Chisnall hat seine Karriere lange auf Konstanz auf der Pro Tour und European Tour aufgebaut – selbst dann, wenn ganz große Titel ausblieben. Dass 2025 komplett ohne Silberware endete, war daher auffällig.
„Auf dem Kaminsims standen in jener Saison ein paar Trophäen, und ich hoffe, 2026 wieder etwas Silberware zu holen“, schreibt er. „Es war ungewöhnlich, im letzten Jahr nicht wenigstens ein Pro-Tour- oder Euro-Tour-Event einzusacken, aber das sollte ich diesmal korrigieren.“
Die Antwort darauf sucht Chisnall nicht in radikalen Umbrüchen, sondern in vertrauten Abläufen. Frühzeitige Chancen spielen dabei eine zentrale Rolle, insbesondere die Players-Championship-Turniere im Februar.
„Ich habe die sechs Players Championship-Events im Februar bereits auf dem Zettel“, erklärt er. Austragungsorte wie Hildesheim, Wigan und Leicester nennt er dabei explizit – und merkt an, dass die deutsche Station „ein Austragungsort ist, der mir in der Vergangenheit sehr gut gelegen hat“.
Routine, Wiederholung und Realismus
Mit zunehmender Erfahrung blickt Chisnall immer pragmatischer auf eine Saison. Reisen, Logistik und Rhythmus sind entscheidende Faktoren, vor allem in dieser Phase seiner Karriere. „Diese Turniere sind perfekt für mich, weil ich einfach den Zug nehmen kann und mich nicht mit Flügen, Hotels und dergleichen herumplagen muss“, sagt er und unterstreicht seine klare Vorliebe für Routine statt Unruhe.
Gleichzeitig spricht Chisnall offen über die zentrale Herausforderung, die seine Laufbahn seit Jahren begleitet. „Wenn ich die Form, die ich am heimischen Practice Board zeige, auf die Bühne übertragen kann, bekommen die anderen Probleme“, erklärt er – schränkt aber sofort ein: „Aber das ist ein großes Wenn.“
Diese Ehrlichkeit erklärt vielleicht besser als alles andere seine bemerkenswerte Langlebigkeit an der Spitze des Sports. Chisnall weiß, dass starkes Training allein nichts garantiert, zumal er zuletzt „seit über einem Monat keine Wettkampfdarts gespielt“ hat.
Mit dem Neustart der Tour schärft sich nun der Fokus. „Nächste Woche sollte Spaß machen, es wird schön sein, wieder unterwegs zu sein und viele vertraute Gesichter zu sehen“, sagt er, bevor er seine Haltung gewohnt direkt zusammenfasst: „Jetzt geht’s wieder los. Wie Roy Keane sagen würde – das ist mein Job!“
Für
Dave Chisnall geht es 2026 nicht darum, seine Zugehörigkeit zur Weltspitze zu beweisen. Es geht darum zu zeigen, dass das enttäuschende Jahr 2025 ein Ausreißer war – und dass sein Platz in der Darts-Elite weiterhin in greifbarer Nähe liegt.