„Hat eine enorme Rolle in meiner Entwicklung gespielt“ – Jimmy van Schie sieht die WDF als perfekte Lehrschule auf dem Weg zum Wechsel zur PDC

PDC
Samstag, 17 Januar 2026 um 20:30
Jimmy van Schie
Jimmy van Schie hat bei der PDC Q-School 2026 endlich seine Tour Card erobert. Der Niederländer blickt in einem Interview mit Tungsten Tales auf eine emotionale Woche zurück, die ihm nach Jahren des Kampfes den langersehnten Profi-Status einbringt.​
Der 32-Jährige aus Breda dominierte das Qualifikationsturnier in Kalkar und sicherte sich mit 12 Punkten den ersten Platz in der Order of Merit. Im Kontrast zu vor einem Jahr stand diesmal ein selbstbewusster Spieler am Start, der genau wusste, wie er seinen Plan umsetzt.​

Vertrauen macht den Unterschied

Jimmy van Schie fühlte sich von Anfang an stark. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte er erleichtert nach dem Sieg. „Natürlich freue ich mich riesig über diese Karte. Und ich bin vor allem gespannt, was dieses Jahr bringt.“
Jimmy van Schie hält die Lakeside-Trophäe in den Händen.
Van Schie wurde im Dezember WDF-Weltmeister.
Alles lief nach Plan. Am ersten Tag qualifizierte er sich direkt für die Finalphase und hielt dort konstant sein hohes Niveau. Diese schnelle Progression brachte ihm die nötige Ruhe in einem Turnier, das für seine zermürbenden langen Tage bekannt ist. „Ehrlich gesagt wollte ich es so schnell wie möglich erledigen“, erklärt van Schie. „Man will nicht in die Situation kommen, es knapp zu verpassen. Nach harten Monaten kamen die Ruhetage gerade recht.“
Vor einem Jahr lähmte der Druck den Niederländer. Damals erwarteten alle den Durchbruch, doch das fehlende Selbstvertrauen brach ihm das Genick. „Letztes Jahr spürte ich enormen Druck“, erinnert er sich. „Jeder rechnete mit der Tour Card, aber innerlich fehlte das Vertrauen. Ich spielte gut, doch an den Schlüsselmomenten geriet ich in Panik.“
Dieses Jahr änderte sich alles durch seine Erfolge bei der WDF. Er gewann die World Masters und die Weltmeisterschaft auf der Lakeside. „Die Titel machten mich viel weniger nervös“, betont van Schie. „Ich ging ruhig, entspannt und fokussiert rein. Das war der große Unterschied.“​​
Auch in der Finalphase hagelte es Rückschläge. Am ersten Tag unterlag er Damian Mol, obwohl er mit 12- und 13-Dartern stark startete. Mols perfekte Finishes bestraften jede Chance. Einen Tag später führte van Schie 5:1 gegen Alexander Merkx, entspannte sich jedoch zu früh. Merkx kämpfte zurück und gewann. Trotzdem blieb der Niederländer gelassen. „Ich spielte nicht schlecht. Ich wusste, ich habe das Level, um diese Spieler zu schlagen.“​

Drucktag mit Meisterleistungen

Am dritten Tag wurde es richtig hart. Van Schie ahnte eine knifflige Auslosung. „Ich musste gegen Benjamin Pratnemer, danach vielleicht Jurjen van der Velde oder wieder Merkx“, berichtet er. „Da dachte ich: Komm schon, Jimmy, das packst du.“
Das Duell mit Pratnemer geriet zum Thriller. Pratnemer checkte ein 147-Finish, um 5:4 zu führen. „Ich schaute aufs Board und dachte: Meinst du das ernst?“, lacht van Schie. Doch er konterte mit einem 12- und 14-Darter und drehte das Match.
Besonders am letzten Tag wusste van Schie bereits: Mit elf Punkten vor dem Finale hatte er die Tour Card sicher. Neun Punkte reichten schon fast, zehn machten es fast unmöglich zu scheitern. „Ich wollte das letzte Spiel gewinnen, um ein Statement zu setzen“, sagt er. „Aber ich wusste im Hinterkopf: Es ist durch.“ Er verlor das Finale, feierte aber trotzdem. „Viele fragen, ob es sich seltsam anfühlte. Für mich nicht. Ich zeige jeden Tag Konstanz. Danach wollte ich einfach nach Hause und feiern.“​
„Ich habe es verdient!“, rief van Schie afterwards – pure Erleichterung nach Jahren des Auf und Ab. Nun starten zwei Jahre auf der PDC Pro Tour. „In einer Traumwelt erreiche ich alle Ziele“, plant er. „Aber ich setze kleine Schritte. Erstmal ein Euro Tour-Turnier qualifizieren. Früher verpasste ich das knapp, jetzt habe ich mehr Chancen.“ Über die Pro Tours hofft er auf einen WM-Platz. „Am Jahresende bei der WM stehen – das wäre fantastisch.“​

Neues Kapitel als Profi

Van Schie rückt die PDC in den Vordergrund. „Ich habe alles gespielt: Challenge Tour, WDF, MODUS, lokale Turniere“, erklärt er. „Jetzt fokussiere ich mich auf die Pro Tour, spiele aber weiter Ligen, um viel zu werfen.“
Er verabschiedet sich nüchtern von der WDF. „Ich habe sie durchgespielt“, sagt der Weltmeister. „World Masters, WM gewonnen. Nur die Dutch Open fehlt. Bei MODUS holte ich Spezialwochen und Champions-League-Finales. Schade, aber die PDC ist jetzt Priorität.“​
Trotzdem preist er den WDF-Weg. „Er spielte eine enorme Rolle in meiner Entwicklung“, betont van Schie. Sein Manager überzeugte ihn früh davon. „Er sagte: Das gibt Bühnenerfahrung und Selbstvertrauen.“ Die erste Romania Open gewann er gleich. „Ich war nervös, aber hungrig. Das war der Schlüssel.“
Seine Erfolge beweisen: Der WDF-Pfad funktioniert. „Viele Spieler kehren bei Tour-Card-Verlust zurück. Das hält dich scharf und fördert Weiterentwicklung.“

Bereit für die Großen

Selbstvertrauen prägt van Schie immer. Auf der PDC trifft er auf Stars mit mehr Erfahrung. „Ich gewann schon Pro Tour-Matches gegen Große“, sagt er selbstsicher. „Ich spiele besser unter Druck. Hier werde ich das spüren.“​
Gegen wen er am liebsten antritt? „Luke Littler, Luke Humphries oder Michael van Gerwen“, antwortet er prompt. „Auf solche Duelle freue ich mich riesig.“
Zur niederländischen Szene bleibt er respektvoll. Gian van Veen macht Fortschritte, doch „Michael van Gerwen bleibt der GOAT. Der Respekt ist da.“
Ein Highlight der Woche: Die Begegnung mit Benito van de Pas in der Oranjebar. „Er wirft wieder ordentlich. Sein Hunger ist zurück – er ist ein Top-Spieler. Ich hoffe, er kommt stark zurück.“
Mit der Tour Card beginnt van Schie ein neues Abenteuer. Der WDF-Champion stürmt die PDC und will die Szene aufmischen. Seine Konstanz und sein neues Vertrauen machen ihn zur ernstzunehmenden Kraft. Der Niederländer zielt auf große Turniere und träumt vom Ally Pally. Fans dürfen gespannt sein, wie weit „The Dutch Sequoia“ kommt.
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