Luke Littler hat einmal mehr bewiesen, warum viele ihn als Jahrhunderttalent des Dartsports sehen. In Saudi-Arabien krönte sich der 19-jährige Engländer zum ersten Champion der
Saudi Arabia Darts Masters – und schrieb damit Geschichte. Der Sieg war mehr als nur ein weiterer Pokal in seiner stetig wachsenden Sammlung: Er war eine Antwort auf die seltene
Enttäuschung der Woche zuvor in Bahrain.
„Letzte Woche lief es einfach nicht so, wie ich wollte“,
sagte Littler offen nach seinem Triumph. „Ich hatte dort kaum trainiert, und dann bekommst du auch das Ergebnis.“ Das Aus im Viertelfinale wirkte wie ein Weckruf. Littler reagierte wie ein echter Champion – mit Fokus, Training und mentaler Stärke. „Ich habe in den vergangenen Tagen viel trainiert, und das hat sich ausgezahlt“, erklärte er. „Hier der erste Sieger zu sein, bedeutet mir wirklich sehr viel.“
Die Jagd auf die Winmau World Masters
Kaum hatte Littler den Pokal in den Händen, richtete er den Blick schon wieder nach vorn. Der nächste große Name auf seiner Liste: die Winmau World Masters – einer der großen Titel, der ihm noch fehlt. Noch vor kurzem feierte er seinen 19. Geburtstag und gönnt sich einen kurzen Abstecher nach Dubai. Danach will er direkt wieder in den Trainingsmodus wechseln. „Das ist einer, den ich sehr gerne holen möchte“, betonte er. „Wenn ich aus dem Urlaub zurück bin, geht’s sofort wieder richtig los.“
Luke Littler hat seine erste Trophäe der neuen Saison in Händen
Für Littler, der bekannt für seine Präzision bis ins kleinste Detail ist, spielt auch das Material eine entscheidende Rolle. Er testet regelmäßig neue Setups, um für jedes Event optimal vorbereitet zu sein. Gerade bei den Masters ist das entscheidend, denn das Format unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Turnieren. Im letzten Jahr zeigte Littler starke Auftritte gegen Andy Boulton und
James Wade, bevor ihn
Jonny Clayton stoppte. „So ist das Format – du musst lernen, damit umzugehen“, sagt er pragmatisch. „Aber ich werde bereit sein.“
Rivalität mit Van Gerwen beflügelt Littler
Im Finale von Saudi-Arabien traf Littler auf
Michael van Gerwen – ein Duell, das bereits jetzt Kultcharakter hat. Van Gerwen hatte nur wenige Tage zuvor die Bahrain Darts Masters gewonnen. Dass sich die beiden schon jetzt regelmäßig im Endspiel begegnen, verleiht der Szene eine neue Dynamik. Littler weiß genau, dass der Niederländer trotz leichter Schwankungen weiter zur Weltspitze gehört. „Michael war immer da“, erklärte er. „Und ich denke, er kommt wieder auf sein bestes Niveau. Er spielt derzeit sehr stark.“
Mit Blick auf die anstehende Premier League hofft Littler sogar auf weitere direkte Duelle: „Ich will, dass er in Bestform ist. Ich will diesen Kampf, Woche für Woche.“ Diese Aussage spiegelt perfekt wider, was Littler antreibt. Er sucht nicht die leichten Siege, sondern die größten Herausforderungen – ein Zeichen echter Größe.
Littlers Rivalitäten mit Van Gerwen, Humphries und Van Veen prägen seine Entwicklung auf und neben der Bühne. Er will sich mit den Besten messen, denn genau dort sieht er seine Motivation. Die Liste der Gegner mag sich ändern – der Ehrgeiz bleibt.
Neunzehn Jahre alt – und doch schon ein Routinier
Beeindruckend ist, wie selbstverständlich Littler sich in einer Sportart durchsetzt, die lange Zeit von erfahrenen Routiniers geprägt war. Am Tag seines 19. Geburtstags wirkt er reifer als viele Spieler, die doppelt so alt sind. Auf die Frage, ob er sich noch als „junger Junge“ sehe, reagierte er mit einem Schmunzeln: „Diese Erfahrung hilft enorm. Ich werde älter, spiele mehr Matches auf der Bühne – und werde einfach besser.“
Privat bleibt Littler dennoch ein typischer Teenager. „Normalerweise Xbox spielen und chillen“, beschreibt er lachend seine ideale Geburtstagsfeier. In diesem Jahr fällt sie etwas außergewöhnlicher aus – ein kurzer Trip nach Dubai. „Drei Nächte weg, einfach genießen“, sagt er. Geschenke? „Keine Ahnung, das sehe ich, wenn ich zurück bin.“
Ein Moment der Erinnerung begleitet ihn dabei stets: das magnetische Dartboard, das er als Kind geschenkt bekam. „Das war Gold“, sagt Littler. „Wenn ich das nicht bekommen hätte, weiß ich nicht, wo ich heute wäre.“
Auch die Familie steht weiter im Mittelpunkt. Wieder einmal fiel sein Vater im Publikum auf – mit der charakteristischen Beanie-Mütze und Armbändern, die für eine besondere Bedeutung stehen. Sie sollen an ein verstorbenes Kind erinnern und Bewusstsein schaffen. „Es geht um Bewusstseinsbildung“, erklärt Littler. „Wenn es für ihn eine Art Aberglaube ist, ist das okay. Aber es soll vor allem etwas Gutes zeigen.“
Inspiration für die nächste Generation
Einer der berührendsten Momente des Abends hatte nichts mit sportlicher Leistung zu tun. Littler sprach von Josh Billingham, einem zehnjährigen Fan, der nach einer schweren Virusinfektion ein Wandgemälde von ihm malen ließ. „Das ist wirklich ein Meisterwerk“, sagte Littler bewegt. „Wenn jemand so etwas macht, bedeutet das, dass du ihn inspiriert hast – das ist unglaublich.“
Solche Geschichten zeigen, welche Wirkung Littler mittlerweile weltweit hat. Er inspiriert nicht nur junge Spieler, sondern eine gesamte Generation von Darts-Fans. „Es ist nicht nur er, sondern viele andere“, erzählt Littler. „Das ist etwas ganz Besonderes.“ Der bodenständige Star versteht die Verantwortung, die mit seinem schnellen Aufstieg kommt – und nutzt sie, um Positives zu bewirken.
Der Hunger bleibt ungebrochen
Zwei Jahre nach seinem kometenhaften Durchbruch blickt Littler auf eine Bilanz, die jeden erstaunt. Zahlreiche Titel, Rekorde und Meilensteine schmücken seine noch junge Karriere. Doch wer glaubt, er sei satt, täuscht sich. „Ich habe vielleicht sogar über den Erwartungen performt“, gibt er zu. „Aber hier hören wir nicht auf. Wir wollen besser werden.“
Littler genießt das Reisen, den Wettbewerb und die Zeit mit seiner Familie – die drei Konstanten, die ihn antreiben. „Wenn du keinen Spaß mehr daran hast, hat es keinen Sinn“, sagt er. Es sind Worte, die nachklingen, weil sie zeigen, dass Erfolg für ihn kein Ziel, sondern ein Weg ist.
Der Weg eines 19-Jährigen, der Geschichte schreibt – mit Talent, Leidenschaft und einem Hunger, der einfach nicht gestillt werden will.