„Für mich ist es eine Mischung aus Sport und Entertainment“ – Michael van Gerwen äußert sich zur Olympia-Debatte um Darts

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 02 März 2026 um 11:00
Michael van Gerwen (2)
In einer Sportart, in der Selbstvertrauen, Chuzpe und Humor zusammengehören, zeigte ein lockeres „British Test“-Interview mit Michael van Gerwen und Stephen Bunting genau das, was Darts so besonders macht: Sticheleien, Selbstironie und überraschend ernsthafte Einblicke in Kultur, Sport und Identität.
Was als spielerischer Test begann – kann van Gerwen als „echter Brite“ durchgehen? – entwickelte sich schnell zu einem unterhaltsamen Kulturduell zwischen dem dreifachen Weltmeister aus Vlijmen und dem stets gut gelaunten Engländer aus St Helens.

Frühstück, Flughafen-Pint und Sonnencreme

Auf die Frage nach typisch britischer Kultur musste van Gerwen nicht lange überlegen. „Ein englisches Frühstück, hundert Prozent“, stellte er im Video von SportsJOE klar. Doch er beließ es nicht dabei. Besonders faszinierte ihn ein Phänomen, das er regelmäßig beobachtet: der Flughafen-Pint.
„Wenn du dich morgens auf einem englischen Flughafen umschaust, egal wie spät es ist: Sie sitzen an einem großen Glas Bier“, witzelte er. „Das ist doch etwas anders als in den Niederlanden.“
Bunting widersprach nicht. Viele Briten starten ihren Urlaub gerne früh – inklusive Bier um fünf oder sechs Uhr morgens. Van Gerwen legte nach: „Sie cremen sich nie mit Sonnencreme ein.“ Bunting lachte und räumte ein, dass an diesem Klischee durchaus etwas dran sei.
Stephen Bunting ballt die Faust nach dem Sieg am vierten Spieltag der Premier League Darts
Steht derzeit auf Rang sechs der PDC-Weltrangliste: Stephen Bunting

Der ultimative Test: Eine Tasse Tee

Kein Symbol steht so sehr für Großbritannien wie Tee. Also musste van Gerwen unter den wachsamen Augen von Bunting eine „echte britische Tasse Tee“ zubereiten.
Die erste Frage: Welche Marke? Bunting bevorzugt Yorkshire Tea. Van Gerwen schloss sich sofort an. „Wenn du Yorkshire Tea sagst, nehme ich Yorkshire Tea“, erklärte er diplomatisch.
Dann ging es ins Detail. Ein Teebeutel oder zwei? Milch zuerst oder nach dem Ziehen? Van Gerwen wählte zwei Beutel. „Sonst dauert es mir zu lange, bis er stark genug ist“, erklärte er. Tempo statt Feinschliff.
Bunting, der normalerweise zuerst Milch in die Tasse gibt, beobachtete amüsiert. Sein Fazit: eine solide Tasse Tee, „aber es hätte etwas mehr Milch sein dürfen“. Van Gerwen trinkt seinen Tee lieber etwas kühler und sofort genießbar, während Bunting ihn möglichst heiß bevorzugt.

Walk-ons, Stolz und Publikumsurteile

Im zweiten Teil des Tests sollte Van Gerwen einschätzen, wie britische Fans bestimmte Fragen beantwortet hatten.
Halten die Briten ihre Küche für die beste der Welt? Van Gerwen lachte sofort: „Das können sie nicht ernst meinen.“ 73 Prozent sahen das ähnlich, 27 Prozent widersprachen. „Sie lieben einfach ihr Land“, kommentierte er.
Beim Thema Walk-on zeigte sich der Niederländer selbstkritisch. Wer hat den besseren Song – er oder Bunting? „Die Briten werden Stephen wählen“, prognostizierte Van Gerwen. Er behielt recht: 61 Prozent entschieden sich für Bunting.
Bunting betritt die Bühne zu „Titanium“ – ein Song, den das Publikum laut mitsingt. Van Gerwen erkannte den Effekt an: „Die Briten mögen Lieder, die sie mitsingen können. Das hilft enorm.“
Für beide ist der Walk-on weit mehr als Musik. „Es gibt dir einen Schub ab dem Moment, in dem du die Bühne betrittst“, erklärte Bunting. „Die Fans zahlen viel Geld. Dann musst du ihnen auch etwas zurückgeben.“
Zur Sprache kamen auch andere ikonische Walk-ons. Bunting lobte unter anderem Luke Littler, dessen Song inzwischen sogar sein Sohn mitsingt, sowie Luke Humphries und Nathan Aspinall. Van Gerwen erinnerte an Raymond van Barneveld mit „Eye of the Tiger“ und an Phil Taylor, dessen „The Power“ samt Lichteffekten ganze Hallen elektrisierte.

Tee oder Bier – und Olympia?

Eine weitere Frage: Würden Briten eher auf Tee oder Bier verzichten? Beide tippten auf Tee – und lagen richtig. 60 Prozent würden eher auf Tee verzichten als auf die Pint. Van Gerwen zeigte sich überrascht, dass der Wert nicht noch höher lag.
Eine Randnotiz sorgte für Staunen: „Ich habe in meinem Leben noch nie Bier getrunken“, gab der Niederländer offen zu.
Ernster wurde es beim Thema Olympia. Sollte Darts olympisch werden? 55 Prozent der Briten lehnen das ab. Van Gerwen antwortete differenziert: „Man fragt mich oft, ob Darts überhaupt ein Sport ist. Für mich ist es eine Mischung aus Sport und Entertainment. Was andere darüber denken, interessiert mich ehrlich gesagt nicht so.“
Bunting sieht aktuell ebenfalls keine unmittelbare Verbindung zu den Olympischen Spielen, schließt die Zukunft aber nicht aus: „Der Sport wächst enorm. Wer weiß, was die Zukunft bringt.“
Van Gerwen setzte noch einen drauf: „Bekomme ich dann bessere Privilegien? Vielleicht bessere Teetassen?“ scherzte er.
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