„Er sagte: ‚Guter Anfang, aber das Ende ist Unsinn‘“ – So veränderte Michael Smith den viel diskutierten 180er-Call von Franz Engerer

PDC
Montag, 02 März 2026 um 15:30
Franz Engerer
Franz Engerer, Schiedsrichter im Auftrag von PDC Europe, ist inzwischen seit einigen Saisons auf der European Tour im Einsatz. Sein Weg auf die große Bühne begann jedoch bemerkenswerterweise mit einem einfachen Video. Im Gespräch mit Tungsten Tales blickt der Deutsche auf seinen Einstieg in die Dartswelt zurück, die Entwicklung seines inzwischen viel diskutierten 180-Calls und seine Ambitionen in Richtung der großen TV-Turniere.

Vom Casting zur European Tour

„Es ist drei oder vier Jahre her, dass ich ein Casting von PDC Europe und Sport1 gewonnen habe“, erzählt Engerer. Der deutsche Sportsender organisierte zusammen mit PDC Europe eine Suche nach neuen Schiedsrichtertalenten für Darts.
Die Aufgabe war ebenso simpel wie nervenaufreibend: Schicke ein Video ein, in dem du eine 180 und einige andere Scores ansagst. „Ich musste ein Video einschicken, in dem ich 180 rief und auch spezifische Calls wie 140 und 60. Am Ende wählten sie drei Gewinner aus.“
Diese drei durften sich anschließend bei verschiedenen Exhibitions in Deutschland beweisen. „Dort sammelten wir Erfahrung, gemeinsam mit Spielern und Organisation. Und letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich es auf der European Tour versuchen wolle.“ Das gefiel offenbar beiden Seiten. „Ich habe es gemacht, es lief ziemlich gut – und jetzt stehe ich hier.“
Auffällig ist, dass Engerer vor seinem Casting kaum Erfahrung als Offizieller hatte. „Eigentlich nicht so viel“, gibt er ehrlich zu. „Ich war eher ein Spieler, um ehrlich zu sein. Aber das bin ich nicht mehr.“ Sein eigenes Niveau? „Nicht so gut. Ich warf im Schnitt zwischen 40 und 50. Also nicht wirklich besonders“, lächelt er.
Dennoch erwies sich sein Hintergrund als Dartspieler als wertvoll. „Ich habe enorm viel Darts geschaut, weil ich es einfach liebe. Das tue ich immer noch. Dadurch kennt man die Wege und weiß, wie das Spiel funktioniert. Und man muss natürlich gut rechnen können.“ Diese Rechenfertigkeit ist essenziell für einen Schiedsrichter auf diesem Niveau, wo Kombinationen und Finishes blitzschnell verarbeitet werden müssen.
Wer Engerer hört, erkennt ihn sofort. Sein 180-Call hat sich in kurzer Zeit einen eigenen Ruf erarbeitet. In den sozialen Medien wird darüber diskutiert, Spieler haben eine Meinung und Fans reagieren zahlreich. Doch so klang er nicht von Anfang an. „Die erste 180, die ich im Casting-Video ausrief, war überhaupt nicht so gesungen“, erklärt er. „Es war eher einfach: ‚One hundred and eighty!‘“
Franz Engerer blickt vom Bühnenrand ins Publikum
Franz Engerer ist zu einem der festen Gesichter der PDC European Tour geworden.

Kritik von Spielern „Er wird damit leben müssen“

Die Veränderung kam auch durch Feedback von Spielern. Vor allem Michael Smith gab ihm einen bemerkenswert ehrlichen Rat. „Er sagte zu mir: ‚Guter Anfang, aber das Ende ergibt gar keinen Sinn.‘“
Engerer musste lachen, nahm die Bemerkung aber ernst. „Also habe ich das Ende angepasst. Und ich denke, es ist jetzt viel besser.“ Sein aktueller Call ist melodischer und prägnanter. Nicht jeder ist Fan, doch Engerer bleibt gelassen. „Ich habe auch Hater“, sagt er mit einem Schulterzucken. „Aber das passt zu mir. Ich will es so machen.“
Nicht jeder Spieler ist begeistert. Nathan Aspinall ließ einmal durchblicken, kein großer Freund von Engerers spezifischem 180-Call zu sein. „Als ich das zum ersten Mal hörte, fand ich es schon seltsam“, räumt der Deutsche ein. „Aber ich komme gut mit Nathan klar. Er meint es nicht böse.“
Darüber hinaus ordnet er die Kritik ein. „Meiner Meinung nach ist er der einzige Spieler, der wirklich etwas dazu gesagt hat. Aber ich werde es nicht mehr ändern. Er wird damit leben müssen.“

Schritt für Schritt zu größeren Bühnen

Obwohl die Euro Tour derzeit sein fester Arbeitsbereich ist, blickt Engerer vorsichtig nach vorn. Träumt er von den großen TV-Turnieren? „Ich würde nicht Nein sagen“, lächelt er. „Aber ich mache es Schritt für Schritt.“
Ein logisches erstes Ziel ist für ihn das Saisonfinale in Dortmund: die European Championship. „Das wäre perfekt.“ Und darüber hinaus? Da blitzt doch ein Funkeln in seinen Augen auf. „Natürlich ist es ein Traum von mir, irgendwann bei der WM zu stehen.“
Das bedeutet jedoch nicht, dass er mit einem schnellen Wechsel auf den britischen PDC-Zirkus rechnet. Als Schiedsrichter George Noble seinen Abschied ankündigte, entstanden Spekulationen über die Nachfolge.
„Nicht wirklich“, sagt Engerer, als er gefragt wird, ob er auf Events im Vereinigten Königreich gehofft habe. „Es ist getrennt. Ich arbeite für PDC Europe, nicht für die PDC im Vereinigten Königreich. Das ist etwas anderes.“ Außerdem wusste er seit Monaten, wer Noble nachfolgen würde. „Ich wusste, dass Owen ihn ersetzen würde. Das ist für mich völlig in Ordnung.“
Neben seiner Tätigkeit für die PDC Europe studiert Engerer weiterhin in Deutschland. „Ich muss erst mein Studium abschließen. Danach kann ich vielleicht noch mehr für PDC Europe machen.“ Sein Studienfach? Wirtschaft. Hilft das beim schnellen Kopfrechnen auf der Bühne? „Nicht wirklich, ehrlich gesagt“, lacht er.
Dennoch sieht er seine Zukunft klar im Darts. Als er gefragt wird, ob er langfristig lieber Schiedsrichter bleibt, statt Ökonom zu werden, fällt seine Antwort entschieden aus: „Auf jeden Fall. Ich will das mein ganzes Leben lang machen.“
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