Josh Rock erlebt einen holprigen Start in seine erste Premier-League-Saison. Der Nordire, aktuell die Nummer neun der Weltrangliste, kassierte bei seinem Heimspiel in Belfast am vergangenen Donnerstag seine vierte 6:2-Niederlage in Serie. Trotz eines Moments absoluter Klasse gelang es Rock erneut nicht, konstant Druck aufzubauen.
Der ehemalige Profi und TV-Experte Wayne Mardle bewertete Rocks Auftritt differenziert. Für ihn überdeckt ein magischer Moment nicht die strukturellen Probleme im Spiel des 23-Jährigen.
Unterlag bei seinem Heimspiel in Belfast trotz 9-Darter mit 2:6 gegen Gian van Veen: Josh Rock
„So wie er kurz davor gespielt hat, sagte ich noch: Er findet keine Ruhe in seinem Spiel. Ich weiß nicht, was passiert ist. Er bekommt nicht zwei Darts hintereinander hin, geschweige denn drei. Wo sind die hohen Scores geblieben? Ich sagte: ‚Alles geht schief‘, und dann macht er plötzlich das“, analysiert Mardle den Moment des 9-Darters.
Der Experte beschrieb, wie Rock aus dem Nichts brillierte – in einer Phase, in der zuvor kaum etwas funktionierte. „Er wird selbst nicht wissen, wo das herkam. Großartig für ihn, dass er irgendwie seine Ruhe wiederfand. Viele Profis sagen: Wenn du zwei 180er wirfst, entspannst du dich – das stimmt nicht. Schon gar nicht so, wie er sich gefühlt haben muss, denn bis zu diesem Leg hatte er noch keine 180 geworfen.“
Den mentalen Kraftakt in diesem einen Moment erkannte Mardle ausdrücklich an. „Dann die Ruhe zurückzufinden und das zu tun, was er tat, das war unglaublich. Er muss und will viel besser spielen als das. Es war ein prachtvolles Leg Darts.“
Doch der Experte blieb kritisch und verwies auf die nackten Zahlen: „Ich schaue über diesen einen Moment hinaus. Er muss Matches und Leistungen aneinanderreihen. Familie und Freunde werden staunen, aber das war die vierte 6:2-Niederlage in Folge. Das ist enorm. Das sind Abreibungen.“
Mardle ist überzeugt, dass deutlich mehr Potenzial in Rock steckt. „Ich habe einfach das Gefühl, dass aus Josh Rock noch so viel mehr herauszuholen ist. Darauf muss er sich fokussieren.“
„Ein Traum, der wahr wird“
Rock selbst zog vor allem Positives aus seinem perfekten Leg – und das ausgerechnet vor heimischer Kulisse. Die Niederlage stellte er klar in den Hintergrund.
„Mein Körper ist komplett im Overdrive. Ich stehe hier buchstäblich zitternd. Das ist wirklich ein wahr gewordener Traum. Ich habe immer gesagt: Wenn ich jemals die Premier League Darts spielen darf, will ich in Belfast einen 9-Darter werfen.“
Über die vierte klare Pleite in Serie sprach er bemerkenswert nüchtern: „Anscheinend bin ich derzeit sehr konstant darin, mit 6:2 zu verlieren“, witzelte er. „Aber einen 9-Darter vor meinem eigenen Publikum zu werfen, ist in meinen Augen eine enorme, enorme Leistung.“
In der Tabelle steht Rock nach vier Spieltagen ohne Punkt auf Rang acht. Bereits in dieser Woche wartet in Cardiff der nächste Härtetest. Am fünften Spieltag trifft er im Viertelfinale auf Luke Littler – ausgerechnet auf den alles dominierenden Weltmeister.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.