Schottland steht in der Final-Session des
World Cup of Darts in Frankfurt. Nach dem überzeugenden Sieg über die Republik Irland trifft das Duo
Gary Anderson und
Cameron Menzies am heutigen Abend auf England – und präsentierte sich dabei als wohl beeindruckendstes Team des gesamten Turniers.
Ihr Zusammenspiel beim Sieg gegen Irland war ein starker Auftritt. Anderson scherzte, die beiden seien absolute Gegensätze – und genau das funktioniert. Anderson übernimmt die Rolle des Ruhepols, oder des „grumpy old man mit der Meckerfresse", wie er sich selbst beschrieb. Menzies drosselt bei seinem
World-Cup-Debüt seinen sonst hektischen Ansatz, um sich Anderson anzupassen – mit großem Erfolg.
„Du hättest keine zwei größeren Gegensätze finden können, oder? Ich weiß, wie Cammy tickt. Cammy ist mit 100 Meilen pro Stunde unterwegs. Ich bin der grantige alte Kerl mit der Meckerfresse, der einfach so rumtapst", sagte Anderson bei Viaplay. „Er ist ein klasse kleiner Spieler. Zum ersten Mal dieses Trikot an – und er spielt verdammt gut."
Angeln statt Darts: Das Erfolgsgeheimnis eines ungleichen Paares
Menzies betonte, dass die Chemie zwischen ihnen nicht trotz, sondern wegen ihrer Unterschiede funktioniert. Man bekommt bei beiden genau das, was man sieht – und abseits des Oche reden sie kaum über Darts. „Wir reden übers Angeln", warf Anderson ein.
Menzies von Anderson im Zaum gehalten.
Für Menzies ist Andersons Erfahrung dabei ein entscheidender Faktor. Der Routinier nimmt ihm kleine Entscheidungen ab – etwa ob man nach einem guten Leg abklatscht oder die Faust gibt –, die für einen Debütanten im Teamformat durchaus Gewicht haben können. „Gary kennt mich, und er weiß, dass ich das Gegenteil von ihm bin. Er weiß, wie er auf meiner Seite sein muss, und es hat funktioniert."
Anderson seinerseits steht voll hinter seinem Partner. Der Schotte lobt Menzies als konstanten Charakter – einen, den er bereits seit dessen Jugend kennt. „Er war mit 14 Jahren genau derselbe. Er ist nur etwas älter geworden. Aber er spielt mit dem Herzen auf der Zunge. Das ist gut."
Andersons Führungsqualitäten helfen Menzies vor allem dabei, seine bekannte Nervosität in den Griff zu bekommen. Ein einfaches „Kopf hoch, Kumpel" vom erfahrenen Partner reicht offenbar aus, um den jüngeren Spieler zu erden. „Ich dachte, ich wäre richtig nervös – was ich in Maßen auch bin –, aber es ist viel leichter geworden, weil Gary den Stier bei den Hörnern gepackt hat", so Menzies.
Anderson überhäufte seinen Teamkollegen mit Lob – körperliche Nähe inklusive einer Ausnahme. Menzies ist bekennender Umarmer, doch Anderson gehört zu den zwei Personen in der Darts-Welt, bei denen er darauf verzichtet. „Nicht böse gemeint, aber er sagte zu mir: ‚Ich hab dich lieb, alles Gute, aber nimm mich nicht in den Arm.'" Auch James Wade bleibt von Menzies' Umarmungen verschont.
Das schottische Duo wirkt gefestigt, eingespielt und bereit für das Halbfinale. England wartet – doch Schottland hat nicht nur Pfeile, sondern auch eine funktionierende Partnerschaft im Gepäck.