Der Traum vom ersten Titel auf der European Tour platzte im Finale, doch dieses Wochenende in Polen wird
Gian van Veen nie vergessen. Der junge Niederländer zauberte im Endspiel der Poland Darts Open gegen
Luke Littler einen Neundarter auf die Bühne – ein Moment für die Ewigkeit. Am Ende stand dennoch „nur“ Platz zwei.
Van Veen legte im Finale
Poland Darts Open einen Start hin, der selbst für erfahrene Profis außergewöhnlich bleibt. Gleich zu Beginn spielte er das erste perfekte Leg seiner Karriere auf einer TV-Bühne. Zwei 180er ebneten den Weg, mit einem 141-Finish über Triple 20, Triple 19 und Doppel 12 vollendete er das Kunststück. Die Halle tobte. Das Publikum feierte den 22-Jährigen frenetisch, während sein Gegner fair gratulierte.
„Der Neundarter hat mich den Sieg gekostet“
Doch ausgerechnet dieser magische Moment brachte
Van Veen aus dem Rhythmus. „Ich wünschte, ich hätte die Doppel 12 verfehlt“, sagte er später mit einem schiefen Lächeln. Die Freude über das perfekte Leg war riesig – vielleicht zu riesig. In den folgenden Legs verlor er den Faden.
Gian van Veen neben Luke Littler auf dem Podium der Poland Darts Open
„Natürlich freue ich mich über den Neundarter. Aber jeder hat gesehen, dass ich in den zwei oder drei Legs danach nicht gut war“, erklärte er offen. Die Emotionen überwältigten ihn. „Ich war so begeistert von diesem Moment – meinem ersten Neundarter auf der Bühne. Wahrscheinlich hat mich das am Ende den Sieg gekostet.“
Van Veen beschrieb eindrücklich, was in ihm vorging: Das Publikum rastet aus, der Gegner klatscht ab, und du selbst versuchst zu begreifen, was gerade passiert ist. Genau in dieser Phase braucht es sofort wieder volle Konzentration. „Das ist mir nicht gut genug gelungen“, analysierte er selbstkritisch.
Littler hingegen blieb unbeeindruckt. Die aktuelle Nummer eins der Welt erhöhte nach dem perfekten Leg sogar noch das Niveau. Van Veen zollte ihm großen Respekt: „Alle Credits an Luke. Er hat selbst gesagt, dass ihn der Neundarter zusätzlich motiviert hat. So liest er ein Match. Deshalb steht er auch ganz oben.“
Erneute Finalniederlage
Für Van Veen bedeutete die Niederlage die nächste Enttäuschung in einem Endspiel. Mehrfach erreichte er zuletzt Finals, doch der ganz große Coup fehlt weiterhin. „Natürlich bin ich extrem enttäuscht. Ich habe es langsam satt, Finals zu verlieren“, gab er ehrlich zu. Gleichzeitig zeigte er Reife: „Das gehört dazu. Solche Erfahrungen machen dich stärker.“
Trotz des verpassten Titels überwiegt der Stolz. Van Veen spielte ein starkes Turnier, bezwang mehrere Topspieler und unterstrich seinen Anspruch auf die Weltspitze. „Wenn man es richtig einordnet, darf ich auch glücklich sein, wieder ein Finale erreicht zu haben. Es war ein großartiges Wochenende. Ich habe wichtige Schritte nach vorn gemacht.“
Die European Tour macht bereits Mitte März wieder Station – dann steigt in Göttingen die European Darts Trophy. Für Gian van Veen bietet sich dort die nächste Chance, aus Finalfrust endlich Titeljubel zu machen.