„Jemand sollte ihm einfach das Handy wegnehmen“ – Kritik an der Betreuung von Luke Littler nach Vorfall mit Gian van Veen

PDC
Mittwoch, 08 April 2026 um 21:13
Gian van Veen & Luke Littler
Die Diskussionen rund um den viel beachteten Zwischenfall zwischen Luke Littler und Gian van Veen halten die Dartswelt weiter in Atem. Dabei rückte nicht der sportliche Sieger des Abends in den Fokus, sondern die hitzige Szene zwischen den beiden Youngstern.
Ex-Profi Vincent van der Voort ordnet die Situation klar ein – und kritisiert vor allem die enorme Aufmerksamkeit für einen einzelnen Moment. „Am Ende dreht sich so ein Abend komplett um den Sieger. Das war diesmal nicht der Fall“, erklärt er im Podcast Darts Draait Door. Besonders bitter: Gerwyn Price zeigte eine herausragende Leistung, doch nach dem letzten Pfeil sprach kaum noch jemand darüber.

Ein Vorfall überschattet den gesamten Abend

Für van der Voort zeigt die mediale Wucht vor allem eines: Der Vorfall wurde massiv aufgeblasen. „Plötzlich ging es nur noch darum, was passiert ist und wer welche Meinung dazu hat“, sagt er. Britische Zeitungen griffen das Thema ebenso intensiv auf wie niederländische Medien und Social Media.
Für den Niederländer gehört eine gewisse Spannung jedoch zum Sport dazu. „Es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern auch um Kampf. An so einem Abend darf ruhig etwas passieren“, betont er. Gleichzeitig deutet er an, dass auch die PDC kein großes Problem mit der zusätzlichen Aufmerksamkeit gehabt haben dürfte.

Entscheidender Moment im letzten Leg

Sportlich entstand die Szene in einer hochdramatischen Phase. Beim Stand von 5:5 bot sich van Veen die Chance auf den Sieg, doch er ließ sie liegen. Kurz darauf suchte Littler demonstrativ die Aufmerksamkeit des Publikums.
Van der Voort beschreibt die Situation präzise: Littler verpasste zuvor 134 Punkte knapp, ehe van Veen bei 90 Rest nicht konsequent auf den Matchdart ging. Statt Doppel 15 traf er Single 15 – ein kleiner Fehler mit großer Wirkung.
Als van Veen sich umdrehte, bemerkte er Littlers Geste Richtung Publikum. „So nach dem Motto: Ich bekomme noch eine Chance“, erklärt van der Voort.
Kritisch sieht er vor allem Littlers Reaktion danach: „Er reagiert zu aggressiv und macht die Situation größer, als sie ist.“ Auch der anschließende Handschlag wirkte auf ihn wenig souverän.

Social Media gießt zusätzlich Öl ins Feuer

Während die Szene auf der Bühne noch überschaubar blieb, eskalierte die Debatte im Nachgang – vor allem durch Littlers Verhalten online. Statt die Situation zu entschärfen, setzte er laut van der Voort falsche Signale.
„Wenn er einfach gesagt hätte: ‚Nicht clever‘, wäre alles schnell vorbei gewesen“, meint der Niederländer. Stattdessen präsentierte Littler in den sozialen Medien seine Erfolge – ein Schritt, der bei vielen Fans nicht gut ankam.
Für van der Voort offenbart sich hier ein strukturelles Problem: „Da merkt man, dass ihm die richtigen Leute fehlen, die ihn bremsen. Jemand sollte ihm einfach das Handy wegnehmen.“
Ganz anders bewertet er Gian van Veen. Der Niederländer blieb in Interviews ruhig, analysierte die Situation sachlich und zeigte sich reflektiert. „Solche Momente formen einen Spieler“, sagt van der Voort. „Man muss seine Meinung sagen, aber dabei die Kontrolle behalten.“

Rivalität gehört zum Spitzensport

Trotz der Kritik erkennt van der Voort auch positive Aspekte. Emotionen, Reibung und Rivalität machen den Sport für Fans erst richtig interessant.
„Man will doch sehen, dass es knistert“, erklärt er. Ein gewisses Maß an Provokation gehöre dazu. Als Vergleich nennt er große Fußball-Duelle wie Rangers gegen Celtic oder Ajax gegen Feyenoord – Spiele, die gerade wegen ihrer Intensität faszinieren.

Eine wichtige Lektion für Littler

Im Zentrum der Debatte steht für van der Voort letztlich die Entwicklung von Luke Littler. Der junge Engländer bewegt sich bereits auf höchstem Niveau, steht aber weiterhin am Anfang seiner Karriere.
„Er ist erst 19, spielt aber bei den Erwachsenen – und daran wird er gemessen“, betont er. Gerade in Phasen, in denen nicht alles gelingt, zeigt sich, wie stabil ein Spieler wirklich ist.
Van der Voort warnt vor den möglichen Folgen: Auch Gerwyn Price habe erlebt, wie schnell sich ein Publikum gegen einen Spieler wenden kann. „Daran kannst du zerbrechen, wenn du nicht aufpasst.“
Trotz aller Aufregung rechnet er jedoch nicht mit langfristigen Konsequenzen. Solche Themen verschwinden meist so schnell, wie sie entstehen. Ein klärendes Gespräch zwischen Littler und van Veen hält er für überflüssig. „Das regelt sich von selbst“, sagt van der Voort – und blickt bereits nach vorn auf das, was im Darts wirklich zählen sollte: die Leistung am Board.
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