Rob Cross erreichte am Samstag das Achtelfinale der
Slovak Darts Open, äußerte sich nach seinem Sieg jedoch ungewöhnlich selbstkritisch über die eigene Leistung. Der Engländer gewann zwar erneut, blieb nach eigener Einschätzung aber deutlich unter seinem besten Niveau. Trotzdem blickt Cross mit Zuversicht auf das kommende Match gegen den niederländischen Aufsteiger Kevin Doets.
Der Erfolg sicherte ihm nicht nur den Einzug in die nächste Runde, sondern brachte auch wertvolle Ranglistenpunkte. Außerdem schrieb Cross ungewollt Geschichte: Mit seinem Sieg gewann er das 7.000ste Match in der Geschichte der European Tour.
Selbstkritik trotz Sieg
Nach seinem 6:3-Erfolg gegen Gian van Veen stand Cross entspannt vor den Medien und machte sofort klar, dass er mit seiner eigenen Vorstellung nicht zufrieden war. Er räumte ein, dass er sowohl im vorherigen Match als auch in dieser Partie Mühe hatte, sein gewohntes Niveau zu erreichen. „Gestern war ich nicht auf meinem Topniveau, und heute kam ich da auch nicht wirklich nah dran", sagte Cross. „Die Bedingungen sind schwierig. Es ist hier sehr warm und stickig, dadurch fällt es manchmal schwer, sein bestes Darts zu spielen."
Ausreden suchte der Engländer trotzdem nicht. Stattdessen betonte er, wie wichtig ergebnisorientiertes Spiel gerade bei langen Turnieren ist, in denen nicht jede Partie reibungslos läuft. „Manchmal muss man aus einer schwierigen Situation etwas Gutes machen. Am Ende habe ich wieder gewonnen, und darum geht es. Natürlich will man immer großartig spielen, aber manchmal muss man akzeptieren, dass es nicht perfekt läuft, und trotzdem einen Weg finden, das Match über die Ziellinie zu bringen."
Rob Cross trifft in der dritten Runde auf Kevin Doets
Ranglistenpunkte als oberste Priorität
An einem European-Tour-Wochenende zählen für Cross nicht allein hohe Averages oder spektakuläre Finishes. Der erfahrene Engländer weiß genau, wie wichtig konstante Ergebnisse für die Weltrangliste sind. „Letztlich geht es um die Ranglistenpunkte und darum, sicherzustellen, dass man am Sonntag noch im Turnier steht", erklärte er. „Ich bin froh, dass ich morgen wieder spielen darf. Wenn ich mein Spiel etwas besser in den Griff bekomme, habe ich das Gefühl, dass ich ziemlich gut werfe."
Diese Worte zeigen das Vertrauen, das Cross derzeit verspürt. Trotz seiner Kritik an den vergangenen Leistungen wirkt er überzeugt, dass sein eigentliches Niveau höher liegt als das, was er bislang gezeigt hat. Damit bleibt er für die Konkurrenz gefährlich, denn ein Spieler mit seiner Erfahrung braucht oft nur ein gutes Match, um in einem Turnier richtig durchzustarten.
Ein historischer Moment für die European Tour
Nach dem Sieg erhielt Cross noch eine besondere Information: Seine Partie markierte das 7.000ste Match in der Geschichte der PDC European Tour. Der Engländer zeigte sich überrascht, konnte über die Statistik aber schmunzeln. „Ich habe in meinem Leben schon an vielen Dingen teilgenommen", sagte er lächelnd. „Wenn mein Name mit so etwas verbunden wird, freut mich das natürlich."
Die Gelassenheit, mit der Cross derzeit auf der Tour auftritt, fällt auf. Während manche Topspieler großen Wert auf Rekorde und Statistiken legen, konzentriert sich der Weltmeister von 2018 vor allem auf seine Tagesform.
Kevin Doets wartet als nächste Hürde
Im Achtelfinale trifft Cross auf Kevin Doets. Der Niederländer hat sich in den vergangenen Monaten auf internationalen Bühnen deutlich in Szene gesetzt und gilt für viele als einer der Vertreter der starken neuen niederländischen Darts-Generation.
Cross zeigt großen Respekt vor seinem kommenden Gegner und vor der Entwicklung des niederländischen Darts insgesamt. Aus seiner Sicht befindet sich das Land aktuell in einer hervorragenden Position, was Talentförderung und Leistungen auf höchstem Niveau betrifft. Doets erzielte zuletzt mehrere beeindruckende Ergebnisse und tritt mit viel Selbstvertrauen an die Oche. Cross sieht dennoch genug Gründe für eigenen Optimismus. „Kevin hat im Moment Rückenwind", so der Engländer. „Er spielt fantastisch und strotzt vor Selbstvertrauen. Aber dem steht gegenüber, dass ich viel Erfahrung habe. Ich habe solche Situationen schon oft erlebt."
Genau diese Erfahrung kann in einem hochklassigen Match den entscheidenden Unterschied ausmachen. Während jüngere Spieler manchmal noch lernen müssen, mit dem Druck der entscheidenden Phasen eines Turniers umzugehen, hat Cross in seiner Karriere praktisch alles erlebt – von einem Weltmeistertitel bis zu großen TV-Finals und prestigeträchtigen European-Tour-Siegen.
Erfahrung trifft auf Form
Das Duell zwischen Cross und Doets verspricht eine faszinierende Kraftprobe. Auf der einen Seite steht ein Spieler, der seit Jahren zur Weltspitze gehört und genau weiß, was es braucht, um Turniere zu gewinnen. Auf der anderen Seite ein ambitionierter Niederländer, der sich immer deutlicher auf höchstem Niveau behauptet.
Cross betrachtet die Partie vor allem als neue Herausforderung, die er genauso angehen will wie die vorherigen Runden. „Es wird eigentlich genau dasselbe wie heute", erklärte er. „Ich werde mich vorbereiten, morgen aufstehen und dann sehen, was passiert. Mehr kann man nicht tun."
Diese nüchterne Herangehensweise macht den Engländer seit Jahren erfolgreich. Indem er sich nicht in Erwartungen oder Szenarien verliert, richtet er den Fokus vollständig auf sein eigenes Spiel.
Lob für das Publikum
Trotz seiner kritischen Selbstanalyse wollte Cross vor allem mit einem Kompliment an die Zuschauer abschließen. Der Engländer genoss sichtlich die Atmosphäre in der Halle und betonte, dass Unterhaltung ein zentraler Bestandteil des Profidarts bleibt. „Was für ein großartiges Publikum ihr seid", richtete er sich nach dem Match an die Fans. „Darum geht es am Ende. Es geht um Entertainment und darum, den Menschen einen schönen Abend zu bereiten."
Ein Match muss aus Sicht von Cross nicht immer auf allerhöchstem Niveau stattfinden, um für die Zuschauer wertvoll zu sein. Der Kontakt zu den Fans und das Erlebnis in der Halle machen seiner Meinung nach einen großen Teil des Sports aus. „Ich habe vielleicht nicht mein bestes Match gespielt, aber hier vor diesen Menschen auftreten zu dürfen, das ist es, was wirklich zählt."
Mit diesen Worten beendete Cross seine Analyse. Der Sieg steht, der Platz im Achtelfinale ist gesichert, und seine Erfahrung könnte in den kommenden Runden von großem Wert sein. Gelingt es ihm, sein Niveau noch etwas anzuheben, könnte er sich schnell zu einem der wichtigsten Titelanwärter entwickeln.
Vorerst richtet sich der Blick jedoch vollständig auf das Duell mit Kevin Doets – ein Aufeinandertreffen zwischen Erfahrung und Form, zwischen einem ehemaligen Weltmeister und einem der vielversprechendsten niederländischen Spieler der Gegenwart. Alle Zutaten sind vorhanden für ein Match, das die Zuschauer an den Rand ihrer Sitze bringen kann.