„Nicht wie ein großer Meister ausgeschieden“ – Vincent van der Voort sieht großen Unterschied zwischen Luke Humphries und Luke Littler

PDC
Donnerstag, 30 Juli 2026 um 13:30
Luke Littler Luke Humphries
Luke Humphries bleibt die klare Nummer zwei der Weltrangliste, doch Vincent van der Voort sieht einen entscheidenden Unterschied zu Luke Littler. Der Niederländer und Ex-Profi bescheinigt Humphries zwar das nötige Niveau, um mit dem Weltmeister mitzuhalten – allerdings fehle ihm dessen Konstanz in den entscheidenden Momenten. Genau diese fehlende Stabilität sichert Littler nach Ansicht von Van der Voort derzeit die unangefochtene Spitzenposition im Dartssport.
In der Podcast-Reihe „Darts Draait Door“ analysierte Van der Voort das enttäuschende World Matchplay von Humphries. Der frühere Weltmeister scheiterte bereits zum zweiten Mal in Folge in der ersten Runde und enttäuschte in Blackpool erneut auf der großen Bühne. Van der Voort brachte es auf den Punkt: „Wieder ein sehr enttäuschendes Turnier. Erste Runde verloren. Nicht wie ein großer Champion ausgeschieden.“

Die Doppel-Schwäche als Knackpunkt

Die Moderatoren der Sendung fragten, ob die kräftezehrende Premier-League-Kampagne ihren Tribut gefordert habe. Van der Voort widersprach dieser Theorie deutlich: „Nein, das denke ich nicht. Danach gibt es eine ziemlich lange Phase. Er hat zwischendurch nicht allzu viel gespielt. In Amerika hat er noch sehr gut performt.“ Das eigentliche Problem verortet der Niederländer an anderer Stelle: „Man sieht doch wieder diese Anfälligkeit, die er hat, während Littler einfach nicht anfällig ist.“
Besonders in den entscheidenden Phasen von Partien tritt dieser Unterschied laut Van der Voort offen zutage: „Dann sieht man doch wieder, dass ihn die Doppel im Stich lassen. Dann wird er unsicher und hat nicht noch einmal diesen Gang, um zu zeigen: bis hierhin und nicht weiter.“ Humphries verfüge zwar über eine exzellente Scoring-Power, gerade das Auschecken bringe ihn jedoch immer wieder ins Straucheln: „Scorend ist es im Allgemeinen einfach sehr gut. Aber dann eben dieses entscheidende Doppel.“
Auch die Favoritenrolle verwandelt Humphries nicht automatisch in Siege. Die Moderatoren erinnerten an die verlorenen Finals gegen Mike De Decker beim World Grand Prix und gegen Gian van Veen bei der EM. In beiden Fällen ging Humphries als Favorit ins Match, ohne den Erfolg einfahren zu können. Van der Voort erkennt darin ein klares Muster: „Oft geht es dann doch auf diesen entscheidenden Doppeln schief.“ Zudem fehle Humphries ein zusätzlicher Gang für kritische Situationen: „Es steckt ein bisschen in seinem Spiel fest. Entweder es läuft oder es läuft nicht. Und er macht dasselbe weiter, bis er hofft, seinen Gegner zu brechen.“

Littlers explosive Serien fehlen Humphries

Im Vergleich zu Littler fehlt Humphries laut Van der Voort jene Fähigkeit, Matches durch eine Serie explosiver Legs binnen weniger Minuten zu drehen: „So eine Reihe von 11-Dartern, 11-Dartern und 12-Dartern sieht man bei ihm nicht sehr oft.“ Stattdessen setzt Humphries seine Gegner vor allem durch konstant hohes Scoring unter Druck: „Er wirft einfach durchgehend sehr gut. Damit baut er so viel Druck auf, dass sein Gegner am Ende bricht.“
Vergibt Humphries jedoch ein wichtiges Doppel, kippt auch seine Körpersprache spürbar: „Dann wird es bei ihm wieder sehr negativ. Dann versteht er es nicht und man sieht, dass er negativ wird.“ Van der Voort betont zugleich, dass Humphries in der Vergangenheit bereits hart an diesem Punkt gearbeitet hat: „Er hat da schon etwas getan. Eine Zeit lang war es auch viel weniger. Aber damals lief es auch wie verrückt.“
Trotz dieser Schwächen bleibt Humphries für Van der Voort der Spieler, der Littler am nächsten kommt: „Wenn er drin ist, ist er derzeit auch der Einzige, der mit Littler Schritt halten kann.“ Der entscheidende Unterschied liege jedoch in der Rückfallquote: „Sein Einbruch ist viel größer als der von Littler.“ Auf die Frage, ob Littler nur leicht oder deutlich besser sei, antwortete Van der Voort ohne Zögern: „Er ist wirklich viel besser, sonst wärst du näher dran.“

Van Veen gehört zur Weltspitze

Neben Humphries' Auftritt sprach Van der Voort auch über die positive Entwicklung des niederländischen Darts. Mit zwei Halbfinalisten erlebte die Niederlande ein starkes World Matchplay: „Natürlich großartig. Letztes Jahr hatten wir niemanden in den Halbfinals, da ist es schön, dass du jetzt wieder zwei hast.“ Bemerkenswert findet er zudem, dass stets wechselnde Spieler die niederländischen Farben auf der großen Bühne vertreten: „Es sind auch jedes Mal andere.“
Besonders Gian van Veen hebt Van der Voort hervor. Auf die Frage, ob die Niederlande aktuell überhaupt einen Spieler in der absoluten Weltspitze stellen, antwortet er ohne zu zögern: „Van Veen hat ein WM-Finale gespielt und jetzt das Halbfinale beim World Matchplay erreicht. In den ganz großen Momenten steht er also da. Dann gehörst du einfach zur Weltspitze.“
Zum Abschluss äußerte sich Van der Voort auch kritisch zum Turnierformat. Er lobte zwar die starken Auftritte der Niederländer und einige packende Paarungen, stellte jedoch erneut das lange Legs-Format des World Matchplay infrage: „Ich denke, wir haben ein schönes Turnier gesehen. Als Niederländer konnten wir lange unsere Spieler genießen. Auch die rein niederländischen Duelle waren großartig.“ Ein wiederkehrendes Problem sieht er dennoch: „Die Schlussfolgerung bei diesem Turnier ist eigentlich immer dieselbe: Das Format ist eigentlich zu lang, um es wirklich spannend zu halten.“
Vor allem im Schlussabschnitt des Turniers habe die Spannung gefehlt – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: „Das hat auch mit dem irrsinnigen Niveau von Littler zu tun.“ Die gesamte Dartswelt drehe sich derzeit um den erst neunzehnjährigen Engländer, was sich auch in der TV-Programmgestaltung zeige: „Der ganze Tag dreht sich um Littler. Die PDC, das Fernsehen, die Sponsoren, alles wird auf ihn ausgerichtet. Auf das Wunderkind. So ist es nun einmal.“
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