„Wenn ein Amateur nicht regelmäßig einen Average von 90 spielt, hat es eigentlich wenig Sinn, überhaupt mitzumachen“ – Paul Nicholson sieht kaum Chancen auf £501.000 gegen Luke Littler

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 01 August 2026 um 8:30
Luke Littler in Aktion.
Mit „Beat Luke Littler“ wagt Netflix den Einstieg in die Dartswelt – und das mit einem spektakulären Konzept. Am Freitag, den 30. Oktober, erhalten 20 Amateurspieler die Chance, den amtierenden Weltmeister herauszufordern. Wer Luke Littler tatsächlich besiegt, darf sich über ein Preisgeld von 501.000 Pfund freuen.
Das Format sorgt bereits Monate vor der Premiere für großes Interesse. Erstmals bringt Netflix ein großes Darts-Event auf die Bildschirme und setzt dabei auf ein außergewöhnliches Duell zwischen dem besten Spieler der Welt und ambitionierten Amateuren.

20 Herausforderer kämpfen um das Duell mit Luke Littler

Für das Event kann sich grundsätzlich jeder anmelden. Bewerber, die die erste Auswahl überstehen, werden anschließend zu regionalen Qualifikationsturnieren in London und Manchester eingeladen.
Luke Littler jubelt.
Luke Littler stellt sich im neuen Netflix-Format „Beat Luke Littler“ 20 Amateurspielern – auf den Sieger wartet ein Preisgeld von 501.000 Pfund.
Wie das endgültige Turnierformat aussehen wird, haben die Veranstalter bislang noch nicht bekannt gegeben. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass sich 20 Amateurspieler in kurzen Matches mit Littler messen werden.

Paul Nicholson hofft auf ein Duell ohne Handicap

Der frühere PDC-Profi und heutige Darts-Experte Paul Nicholson beschäftigt vor allem eine Frage: Werden die Organisatoren ein Handicap einführen, um die Chancen der Herausforderer zu erhöhen?
„Ich weiß nicht, ob es eine Sonderregel geben wird, etwa ein Handicap basierend auf dem Niveau des Gegners, bei dem Luke Littler beispielsweise in einem einzelnen Leg bei 1001 Punkten starten müsste“, schrieb Nicholson in seiner Kolumne für Sporting Life.
Eine solche Regelung würde er allerdings nur ungern sehen. „Bei 501.000 Pfund Preisgeld wird es jedenfalls nicht zu einfach gemacht. Gleichzeitig unterschätzen viele, wie gut die besten Amateure des Landes sind. Da laufen großartige Spieler herum, die aus unterschiedlichen Gründen nie Profis geworden sind. Ist das Format nicht zu lang, werden sie wirklich daran glauben, eine Chance zu haben.“
Aus Nicholsons Sicht hätte ein Erfolg gegen den Weltmeister deutlich mehr Gewicht, wenn er ohne künstliche Hilfsmittel zustande käme.
„Ich hoffe wirklich, dass es kein Handicap gibt und etwa best of three gespielt wird. Stell dir vor, ein Herausforderer gewinnt das erste Leg und merkt, dass er nur noch ein Leg von 501.000 Pfund entfernt ist. Das sorgt für enorme Spannung und macht das Spektakel nur noch größer.“

„Du musst einen 12-Darter spielen können“

Nicholson weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, einen der ganz Großen des Sports zu bezwingen. Während seiner aktiven Karriere gelang ihm ein Sieg gegen Phil Taylor auf dem Höhepunkt dessen Dominanz. Dennoch hält er die Aufgabe, Luke Littler zu schlagen, für enorm.
„Wenn Littler sich gut vorbereitet und diese Herausforderung ernst nimmt, müssen seine Gegner mindestens gut genug sein, um einen 12-Darter zu produzieren. Während des gesamten World Matchplay spielte er 107 Legs, und davon dauerten nur acht länger als fünfzehn Darts. Es war kein einziges Leg dabei, in der er zwanzig oder mehr Darts brauchte. Das zeigt, wie gut man sein muss, um ihm überhaupt ein Leg abzunehmen.“
Selbst ein eigenes Anwurfleg garantiere gegen Littler noch lange keinen Erfolg.
„Wenn du dein Anwurfleg halten willst, musst du also blitzschnell checken. Willst du Littler sogar breaken, muss das meist innerhalb von drei oder vier Aufnahmen passieren. Natürlich ist zwischendurch mal ein schwächeres Leg dabei. Im Finale des World Matchplay war das auch so. Aber in 27 Legs, unter enormem Druck, spielte er eigentlich nur ein einziges schwaches Leg.“
Nach Ansicht des Australiers unterschätzen viele Beobachter noch immer das außergewöhnliche Niveau des Weltmeisters.
„Was wir als gutes Darts betrachten, ist für ihn eigentlich normal. Er agiert schlicht auf einem anderen Level. Selbst wenn er bei 1001 Punkten starten müsste, würde er das vermutlich mühelos in dreißig Darts ausmachen. Daran hätten die meisten Kneipenspieler schon ab 501 ihre Mühe.“
Daher hat Nicholson auch einen klaren Rat für alle, die mit einer Teilnahme liebäugeln.
„Wenn ein Amateur nicht regelmäßig einen Average von 90 spielt, hat es eigentlich wenig Sinn, überhaupt mitzumachen. Das letzte Mal, als Littler ein Ranking-Major verlor, spielte er selbst immer noch einen Average von 97. Das war für ihn schon ein schlechter Tag. Wann hat er zuletzt gegen jemanden verloren, der im mittleren Achtzigerbereich averaged? Das passiert so gut wie nie. Du musst an deinem besten Tag in Richtung eines Averages von 95 kommen.“

Nicholson: „Die Chancen sind minimal“

Trotz des hohen Unterhaltungswerts erwartet Nicholson nicht, dass einer der Herausforderer den Weltmeister tatsächlich bezwingen wird.
„Wenn man bedenkt, dass Dirk van Duijvenbode beim World Matchplay etwa 25 zu 1 stand, um gegen Littler zu gewinnen, sollte ein Amateur meiner Meinung nach mindestens 100 zu 1 bekommen. Selbst wenn es best of three oder best of five wird.“
Lediglich bei einem Format über ein einziges Leg räumt er den Herausforderern etwas bessere Chancen ein.
„Wenn es nur ein Leg ist, würde ich die Quoten vielleicht auf 50 zu 1 setzen. Ich bin vor allem gespannt auf das Niveau der Spieler, die sich letztlich qualifizieren. Aber sofern es nicht ein einzelnes Leg mit einem besonderen Handicap wird, erwarte ich ehrlich gesagt nicht, dass jemand Luke Littler schlagen wird.“
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