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Neun Floor-Titel, aber kein Durchbruch auf der großen Bühne: Warum Chris Dobey bei TV-Turnieren immer wieder scheitert

PDC
durch Nic Gayer
Chris Dobey (1)
Vergangene Woche hat Chris Dobey Players Championship 32 gewonnen. Im Finale setzte er sich mit 8:4 gegen Tommy Morris durch und sicherte sich damit bereits seinen dritten Players-Championship-Titel des Jahres 2026. Bemerkenswert: Es ist das dritte Jahr in Folge, in dem Dobey dieses Kunststück gelingt.
Seit 2024 stand der Engländer bei insgesamt 13 Floor-Turnieren im Finale und holte dabei neun Titel. Doch diese beeindruckende Siegermentalität konnte der Mann aus Newcastle bislang nicht auf die großen Bühnen übertragen. Noch nie gewann Dobey ein Turnier auf der European Tour. Bei TV-Turnieren war sein bestes Ergebnis der vergangenen drei Jahre der Halbfinaleinzug bei der Darts-WM. Unser englischer Kollege Ben James hat sich in einer ausführlichen Analyse mit dieser auffälligen Diskrepanz beschäftigt und untersucht, warum Dobey auf dem Floor regelmäßig triumphiert, auf den großen Bühnen aber weiterhin hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Bislang nur ein Major-Triumph

Zwar waren die 100.000 Pfund Preisgeld, die er für sein WM-Halbfinale 2025 erhielt, die zweithöchste Summe seiner bisherigen Karriere. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Dobey bislang nur einen einzigen TV-Titel gewonnen hat: das Masters 2023, das mittlerweile fast vier Jahre zurückliegt.
Wie lässt sich diese Diskrepanz erklären? Der aktuelle Weltranglisten-16. gehört gemessen am erspielten Preisgeld zu den fünf erfolgreichsten Spielern bei Floor-Turnieren, während er auf der großen Bühne regelmäßig hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Liegt es lediglich an vergebenen Matchdarts und der fehlenden Präzision in entscheidenden Momenten? Oder steckt mehr dahinter? Hat Dobey womöglich ein grundsätzliches Problem mit großen Bühnen und bedeutenden Titeln? Fühlt er sich in der Rolle des Außenseiters, der abseits des Rampenlichts agiert, wohler als in jener des Favoriten, auf dem bei großen TV-Partien alle Augen ruhen?

Der Floor-Spezialist

Auch 2026 setzt Dobey seine beeindruckende Form bei den Floor-Turnieren fort. Mit drei Titeln und einer starken Siegquote von 68 Prozent überzeugt der Engländer insbesondere durch sein herausragendes Scoring. Sein Average über die ersten neun Darts liegt bei bemerkenswerten 108,27 Punkten.
Der Mann aus Newcastle sicherte sich die Titel bei den Players-Championship-Turnieren 3, 9 und 32. Wie bereits seit 2023 ist Dobey für seine Position in der Weltrangliste in hohem Maße auf die Players Championship angewiesen. Ganze 38,1 Prozent seines relevanten Preisgeldes stammen aus diesen Turnieren. Bei Spielern in seiner unmittelbaren Ranglistenumgebung, etwa Gary Anderson, fällt dieser Anteil deutlich geringer aus. Andersons entsprechender Anteil beträgt nur etwas mehr als ein Drittel des Wertes von Dobey.
Der Schlüssel zu Dobeys Erfolgen auf der Players-Championship-Tour ist seine bemerkenswerte Konstanz. 2024 erzielte er bei diesen Turnieren einen durchschnittlichen Average von 98,11 Punkten, 2025 waren es 97,98 Punkte und 2026 liegt der Wert bei 98,99 Punkten. Die Differenz zwischen seinem besten und schwächsten Jahresdurchschnitt beträgt damit gerade einmal 1,01 Punkte – ein äußerst geringer Wert.
Chris Dobey in Aktion.
Chris Dobey gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Spielern auf der Players-Championship-Tour. Auf den großen TV-Bühnen wartet „Hollywood“ dagegen weiterhin auf seinen nächsten Titel.
Dobey fühlt sich in der ruhigen, abgeschirmten Atmosphäre der Players-Championship-Turniere offensichtlich ausgesprochen wohl. Ohne Fernsehkameras, große Zuschauermassen und ständige öffentliche Beobachtung kann er sein Spiel nahezu ungestört entfalten.
Seine Siegquote bei Players-Championship-Turnieren liegt um 7,9 Prozentpunkte über seiner gesamten Jahresbilanz. Auch diese Zahl verdeutlicht, dass Dobey bei diesen Veranstaltungen offenbar ein anderer Spieler ist.
Allerdings bieten die Bedingungen bei Players-Championship- und anderen Floor-Turnieren Spielern wie Dobey erhebliche Vorteile. Absolute Topstars wie Luke Littler nehmen nur selten daran teil. Das bedeutet, dass Dobey in nahezu jedem Raum des Veranstaltungsortes, den er betritt, zu den besten Dartspielern gehört. Dieses Wissen stärkt sein Selbstvertrauen.
Auf den großen Bühnen lässt sich diese Sicherheit jedoch nicht ohne Weiteres übertragen. Trifft Dobey dort auf einen Spieler aus der absoluten Weltspitze, kann die Erwartung einer möglichen Niederlage sein Spiel beeinflussen. Die prognostizierte Ausgangslage wird dann womöglich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung und bestimmt mit, welches Leistungsniveau er tatsächlich erreicht.
Das zeigt sich auch an der Deutlichkeit seiner Finalsiege und der Qualität seiner Gegner. Bei Players Championship 3 fertigte er einen unter seinen Möglichkeiten spielenden Stephen Bunting mit 8:1 ab. Bei Players Championship 9 bezwang er die damalige Nummer 38 der Welt, Justin Hood, mit 8:4. Im Finale von Players Championship 32 setzte er sich ebenfalls mit 8:4 gegen den Weltranglisten-90. Tommy Morris durch.
Keine dieser Begegnungen war wirklich knapp. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Dobey in diesem Umfeld genau weiß, dass er seinen Gegnern spielerisch überlegen ist.
Auf der unberechenbaren großen Bühne sieht die Situation dagegen völlig anders aus. Nach zwei Premier-League-Teilnahmen, bei denen er jeweils deutlich unterlegen war, und angesichts seiner schwankenden Leistungen bei TV-Turnieren scheint selbst Dobey nicht immer zu wissen, welche Version seiner selbst an einem bestimmten Abend ans Oche treten wird.
Konstanz allein bringt einen Spieler schließlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Wenn sie immer wieder unter nahezu identischen Bedingungen entsteht, könnte Dobeys Beständigkeit vor allem das Ergebnis dieser vertrauten Umgebung und eines tief verankerten, über lange Zeit aufgebauten Selbstvertrauens sein.
Genau diese Sicherheit lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres auf andere Situationen übertragen. Weder auf die heiße, stickige Bühne der Winter Gardens in Blackpool noch auf eine Partie gegen Rob Cross in London, in der beim Stand von 4:4 plötzlich jeder einzelne Dart entscheidend werden kann.

Zwei unterschiedliche Spieler: Floor vs. Bühne

JahrPlayers-Championship-Bilanz (Siege-Niederlagen)Players-Championship-SaisonaverageTV-Bilanz (ohne Premier League)TV-Saisonaverage
202471-2498,118-894,29
202567-2197,9813-1093,65
202689-2898,992-693,15
Auch bei den Turnieren der European Tour fehlen regelmäßig zahlreiche Spieler aus der absoluten Weltspitze. Die durchschnittliche Weltranglistenposition der Teilnehmer liegt jenseits von Platz 40. Eigentlich müsste man deshalb erwarten, dass Dobey dort ähnlich erfolgreich ist wie bei den Players-Championship-Turnieren. Schließlich sollte er mit einem vergleichbaren Selbstvertrauen antreten können.
Doch Dobey hat noch nie ein Turnier auf der European Tour gewonnen. In diesem Jahr hat er sogar mehr Partien verloren als gewonnen: Zwölf Siegen stehen 14 Niederlagen gegenüber. Bereits 2025 fiel seine Bilanz mit zehn Siegen und 13 Niederlagen negativ aus. Diese wiederkehrenden Ergebnisse haben wenig mit jener beeindruckenden Konstanz zu tun, die sich in seinen Averages um die 98 Punkte widerspiegelt. Vielmehr zeichnet sich ein Muster ab: Dobey verliert regelmäßig gegen Spieler, die in der Weltrangliste hinter ihm stehen.
Viele seiner unmittelbaren Konkurrenten haben die European Tour genutzt, um ihre Bühnenpräsenz zu verbessern und Selbstvertrauen vor Publikum aufzubauen. Dadurch gelang ihnen anschließend auch der Übergang zu erfolgreichen Auftritten bei den großen TV-Turnieren.
Das aktuell wohl beste Beispiel dafür ist Ross Smith. „Smudger“ gewann 2026 zunächst zwei Titel auf der European Tour und ließ anschließend zwei TV-Titel folgen. Dank dieser Erfolge steht Smith mittlerweile auf Platz sechs der Weltrangliste.
Es gibt keinen Grund, warum Dobey eine ähnliche Entwicklung nicht ebenfalls gelingen sollte. Schließlich zeigen seine Statistiken, dass es ihm keineswegs an spielerischer Qualität mangelt. Obwohl er 2025 auf der European Tour 13 Partien verlor, erzielte er mit 99,08 Punkten den höchsten Saisonaverage aller Spieler über das gesamte Jahr hinweg.
Dobey spielt also Darts auf höchstem Niveau. Doch neben unglücklichen Niederlagen verliert er in entscheidenden Situationen viel zu häufig die Ruhe. Allein 2026 musste er fünf Niederlagen in Entscheidungslegs hinnehmen.
Die European Tour wird auf großen Bühnen ausgetragen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Dobey hat auf der Bühne Probleme und verliert in entscheidenden Momenten die Nerven.
Allerdings ist diese Erkenntnis in der Dartswelt längst bekannt. Als alleinige Erklärung greift sie zu kurz, insbesondere angesichts seines herausragenden Masters-Triumphs 2023 und seiner starken Ergebnisse bei großen TV-Turnieren in jener Phase.
Deshalb stellt sich eine andere Frage: Was könnte die anhaltende Durststrecke auf den großen Bühnen seit 2025 ausgelöst haben?

Das Premier-League-Jahr

2025 erhielt Dobey nach seinem enttäuschenden Debüt 2023 eine zweite Chance in der Premier League. Damit bot sich ihm die Gelegenheit, bei einem Wettbewerb, den er von Anfang an geliebt hatte, endlich auch sportlich erfolgreich zu sein.
Bei seiner ersten Teilnahme 2023 hatte Dobey lediglich den siebten Platz belegt. Auch seine spätere Verbesserung auf Rang sechs blieb weit hinter den Ansprüchen zurück, die er noch im Januar an sich selbst gestellt hatte.
Dabei hatte er unmittelbar zuvor bei der Weltmeisterschaft 2025 eindrucksvoll bewiesen, dass er auf die großen Bühnen gehörte. Mit Siegen über Josh Rock und Gerwyn Price kämpfte er sich bis ins Halbfinale vor und verbesserte damit seine Chancen auf eine erneute Nominierung für die Premier League erheblich.
Dobey präsentierte sich damals als gereifter, selbstbewusster Spieler. Im Januar 2025 erklärte er gegenüber BBC Radio Newcastle, dass er sich auf der Premier-League-Bühne durchaus am richtigen Platz fühle.
„Als ich zum ersten Mal dabei war, habe ich es geliebt und hatte das Gefühl, dass ich dorthin gehöre.“
Genau darin könnte allerdings auch das zentrale Problem liegen. Dobey war überzeugt, auf diese Bühne zu gehören, hatte bei seinem Debüt jedoch nur den siebten Platz erreicht und war nie wirklich in die Nähe der besten vier Spieler gekommen. Diese Diskrepanz zwischen dem eigenen Selbstverständnis und den tatsächlichen Ergebnissen könnte ein wichtiger Erklärungsansatz für seine Schwierigkeiten bei TV-Turnieren sein.
Dabei verlief seine Premier-League-Saison 2025 keineswegs katastrophal. Dobey gewann sechs Viertelfinalpartien und sicherte sich in Rotterdam sogar einen Tagessieg. Im dortigen Finale überzeugte er mit einem Average von 101,84 Punkten.
Dennoch entstand über weite Strecken der Saison kaum der Eindruck, dass er tatsächlich noch in den Kampf um die Playoff-Plätze eingreifen könnte.
Im April erklärte Dobey gegenüber Sky Sports trotzdem selbstbewusst:
„Ich glaube, dass ich es immer noch unter die besten vier schaffen kann, wenn ich diese Leistung beibehalte.“
Erneut zeigte sich damit eine deutliche Lücke zwischen seinen öffentlichen Ansprüchen und seinen tatsächlichen Ergebnissen. Eine solche Diskrepanz kann zu einer gefährlichen Entwicklung werden, insbesondere wenn sich die erhofften Erfolge dauerhaft nicht einstellen.
Am Ende verpasste Dobey die Playoffs um sieben Punkte.
Wenn er also fest davon überzeugt war, in die Premier League zu gehören, sich die Playoffs als Ziel gesetzt hatte und glaubte, dieses Ziel erreichen zu können, stellt sich eine entscheidende Frage: Welche Auswirkungen hatte es auf sein Selbstvertrauen, dass er den eigenen Erwartungen letztlich nicht gerecht wurde?

Dobeys Premier-League-Saison 2025

KennzahlWert
Spieltage16
Bilanz10–15
Viertelfinalbilanz6–10
Tagessiege1 (Rotterdam)
Average97,33
Endplatzierung6. Platz, 17 Punkte
Für 2026 nominiert?Nein 
Die Auswirkungen zeigten sich vor allem in seinen Leistungen auf der TV-Bühne. Doch selbst seine Form bei den Floor-Turnieren litt darunter. Während der laufenden Premier-League-Saison von Februar bis Mai 2025 verzeichnete Dobey trotz eines Averages von 98,05 Punkten eine enttäuschende Siegquote von lediglich 54,8 Prozent. In den entsprechenden Monaten außerhalb seiner Premier-League-Teilnahme gewann er dagegen 62,5 Prozent seiner Partien. Das verdeutlicht, wie sehr sein Spiel während dieser vier Monate gelitten hatte. Die langfristigen Auswirkungen sollten sich allerdings erst später vollständig bemerkbar machen.
Diese vier Monate hatten seinem Selbstvertrauen erheblich zugesetzt. Woche für Woche vor einigen der größten Zuschauerkulissen des Dartsports auf Sky Sports anzutreten und dabei rund 60 Prozent seiner Partien zu verlieren, ist ein schwerer Schlag für die mentale Stabilität eines jeden Spielers. Allein diese Erfahrung könnte Dobeys Schwierigkeiten auf der großen Bühne bereits zu einem erheblichen Teil erklären.
Doch damit nicht genug: Für die Premier League 2026 wurde Dobey nicht mehr berücksichtigt. Stattdessen erhielt Stephen Bunting einen Startplatz, obwohl dieser in der vorherigen Saison fünf Punkte weniger gesammelt hatte. Dobey hatte die Premier League 2025 auf dem sechsten Platz abgeschlossen und musste somit gleich mehrere Rückschläge verkraften: hohe Averages ohne die entsprechenden Ergebnisse, die ständige öffentliche Beobachtung und schließlich die Nichtberücksichtigung zugunsten eines Spielers, der in der Tabelle noch hinter ihm gelandet war.
Probleme auf der großen Bühne sind einem Spieler nicht angeboren. Sie können sich vielmehr durch wiederholte negative Erfahrungen entwickeln und sich nach und nach tief in seinem Selbstverständnis verankern. Genau das scheint bei Dobey zunehmend der Fall zu sein.

Das Problem mit der großen Bühne

Bei TV-Turnieren ist Dobeys Leistungsabfall mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Lässt man die Premier League außen vor, gewann er 2024 acht seiner 16 Fernsehpartien und verlor ebenso viele. 2025 verbesserte sich seine Bilanz auf 13 Siege bei zehn Niederlagen. Im Jahr 2026 stehen dagegen lediglich zwei Siege sechs Niederlagen gegenüber.
Nur ein Jahr nach seinem Halbfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft musste der Engländer bei der WM 2026 bereits in der Runde der letzten 64 die Segel streichen. Gegen Andrew Gilding verlor er mit 1:3 Sätzen. Auch bei den darauffolgenden Major-Turnieren setzte sich dieser Negativtrend fort.
Seine 2:4-Niederlage gegen Gerwyn Price im Viertelfinale des Masters war noch ein durchaus respektables Ergebnis. Auch bei den UK Open zeigte Dobey, dass sein spielerisches Potenzial weiterhin vorhanden war. Trotz eines starken Averages von 102,90 Punkten musste er sich James Wade denkbar knapp mit 9:10 geschlagen geben.
Doch mit der 11:13-Niederlage gegen Dirk van Duijvenbode in der ersten Runde des World Matchplay begann eine Entwicklung, die sich anschließend immer weiter verschärfte.
Bei den World Series of Darts Finals unterlag Dobey Gian van Veen mit 2:6 und erzielte dabei lediglich einen Average von 83,18 Punkten. Beim World Grand Prix folgte eine 0:2-Niederlage gegen Jermaine Wattimena, bei der sein Average auf 79,93 Punkte absackte.
Auch bei der Darts-Europameisterschaft setzte sich der Abwärtstrend fort. Gegen Josh Rock kassierte Dobey eine deutliche 1:6-Niederlage und kam dabei nur auf einen Average von 87,12 Punkten.
Damit erzielte der Engländer ausgerechnet bei seinen letzten drei TV-Turnieren seine drei schwächsten Bühnen-Averages des gesamten Jahres.
Über alle TV-Partien des Jahres 2026 hinweg liegt Dobeys Average bei 93,15 Punkten. Damit spielt er auf der großen Bühne mehr als fünf Punkte schwächer als bei den Players-Championship-Turnieren.
Die Kluft zwischen dem Dobey, der bei Floor-Turnieren regelmäßig brilliert, und jenem Spieler, der vor laufenden Fernsehkameras ans Oche tritt, war damit noch nie so groß.

Dobeys Leistungen bei TV-Turnieren 2026

TurnierRundeGegnerErgebnisDobeys Average
MastersViertelfinaleGerwyn Price2:496,20
UK OpenLetzte 64James Wade9:10102,90
World MatchplayLetzte 32Dirk van Duijvenbode11:1397,35
World Series of Darts FinalsLetzte 32Gian van Veen2:683,18
World Grand PrixLetzte 32Jermaine Wattimena0:279,93
European ChampionshipLetzte 32Josh Rock1:687,12
Dass es Dobey nicht an spielerischer Qualität mangelt, beweisen seine Ergebnisse gegen Ende des Jahres 2025. Nach der Premier League erreichte er das Viertelfinale der World Series of Darts Finals, in dem er Gerwyn Price mit 8:10 unterlag. Beim Grand Slam of Darts zog er ins Achtelfinale ein und musste sich Michael Smith nach einem Matchdart-Drama denkbar knapp mit 9:10 geschlagen geben.
Auch bei den Players Championship Finals erreichte Dobey das Viertelfinale. Dort erzielte er gegen Luke Littler einen herausragenden Average von 104,57 Punkten, verlor die Partie aber dennoch mit 5:10. Bei der Darts-Europameisterschaft 2025 spielte er gegen Michael van Gerwen ebenfalls einen dreistelligen Average von 101,21 Punkten und unterlag trotzdem mit 5:10.
Wenn Dobey auf der großen Bühne seine gewohnte Leistung abruft, verliert er also dennoch regelmäßig gegen absolute Weltklassespieler. Genau darin liegt der schmale Grat zwischen einem sehr guten Dartspieler und einem Champion.
Allerdings kamen diese Niederlagen noch auf einem hohen spielerischen Niveau zustande. Bei seinen Niederlagen im Jahr 2026 sieht das völlig anders aus. Ende 2025 war die Qualität noch vorhanden, doch 2026 scheint das Selbstvertrauen verloren gegangen zu sein.
Gegen die besten Spieler der Welt auf der großen Bühne knapp zu verlieren, ist ein Rückstand, der sich grundsätzlich aufholen lässt. Wenn ein Spieler allerdings in zwei seiner letzten drei TV-Partien einen Average von weniger als 85 Punkten erzielt, deutet das auf ein tiefer liegendes Problem hin.
Es entsteht der Eindruck, dass Dobey die Bühne mittlerweile mit der Erwartung betritt, dass etwas schiefgehen könnte. Genau vor dieser psychologischen Belastung scheint ihn die vertraute Umgebung der Players-Championship-Turniere zu schützen.
Wären seine Schwierigkeiten bei TV-Turnieren lediglich auf vergebene Matchdarts zurückzuführen, müssten seine Averages weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben, während die Ergebnisse ausbleiben.
Doch bei Dobey verschlechtern sich nicht nur die Resultate, sondern gleichzeitig auch die statistischen Leistungen. Das deutet eher auf ein Problem mit dem eigenen Selbstvertrauen als auf mangelnde Präzision in einzelnen entscheidenden Momenten hin.
Warum ist diese Entwicklung gerade jetzt so entscheidend und nicht erst im kommenden Jahr?

Die Uhr in der Weltrangliste tickt

Die PDC Order of Merit wartet nicht darauf, dass ein Spieler sein Selbstvertrauen zurückgewinnt. Dobey steht aktuell mit 547.500 Pfund Preisgeld auf Platz 16 der Weltrangliste. Seine Position basiert auf Preisgeldern aus drei Kalenderjahren: 103.000 Pfund aus dem Jahr 2024, 228.750 Pfund aus 2025 und 215.750 Pfund aus 2026.
Der Betrag aus 2024 besteht nahezu vollständig aus den 100.000 Pfund, die Dobey für seinen Halbfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft erhalten hatte. Dieses Preisgeld fällt nach der Darts WM 2027 aus der Wertung. Damit würden ihm zunächst nur noch 444.500 Pfund zuzüglich jener Summe bleiben, die er bei der kommenden Weltmeisterschaft im Alexandra Palace erspielt.
Seine Preisgelder aus dem Jahr 2025 machen mit 41,8 Prozent einen erheblichen Teil seines aktuellen Gesamtbetrags aus. Auch diese Einnahmen werden im Laufe des Jahres 2027 nach und nach aus der Zweijahreswertung gestrichen.
Mit Ryan Searle, der unmittelbar vor ihm bei 557.750 Pfund steht, und Gary Anderson mit 564.250 Pfund ist der Abstand zu den nächsten Spielern in der Weltrangliste gering. Einen weiteren frühen Turnierausgang kann sich Dobey deshalb kaum leisten.
Seine Einnahmen bei Floor-Turnieren machen 38,1 Prozent seines gesamten Ranglistenpreisgeldes aus. Sie bilden eine verlässliche Grundlage, wie sie ihm keine andere Turnierkategorie bietet. Doch ausgerechnet jene Preisgelder, die ihn durch seine Erfolge bei TV-Turnieren in der Weltrangliste nach oben gebracht haben, drohen nun wegzufallen.
Bei der vergangenen Weltmeisterschaft verdiente Dobey lediglich 25.000 Pfund – gerade einmal ein Viertel jener Summe, die ihm sein Halbfinaleinzug ein Jahr zuvor eingebracht hatte.
Sollte ihm bei der kommenden Weltmeisterschaft im Dezember kein größerer Turnierlauf gelingen, würde Dobey mit einer Weltranglistenposition ins Jahr 2027 starten, die zunehmend von seinen Erfolgen bei Players-Championship-Turnieren abhängt.
Und das ist ausgerechnet jener Bereich, in dem er seine Klasse längst nicht mehr unter Beweis stellen muss.
Eine Weltranglistenposition, die hauptsächlich durch Floor-Ergebnisse abgesichert wird, könnte Dobey zwar weiterhin einen Platz unter den besten 32 Spielern der Welt garantieren. Für die Rückkehr in die Top-10 dürfte das allerdings kaum ausreichen. Ebenso wenig würde es ihm eine erneute Teilnahme an der Premier League und damit die Rückkehr auf die großen Bühnen, auch in seiner Heimat Newcastle, ermöglichen.
Je länger seine Formschwäche bei TV-Turnieren anhält, desto schwieriger wird es für Dobey, seine Position in der Weltrangliste zu verteidigen.

Das gefährdete Preisgeld in der Weltrangliste

SaisonRanglisten-PreisgeldAnteil am GesamtpreisgeldFällt aus der Wertung
2024103.000 £18,8 %Nach der WM 2027
2025228.750 £41,8 %Im Laufe des Jahres 2027
2026215.750 £39,4 %Im Laufe des Jahres 2028
Gesamt547.500 £100,0 %

Fazit

Chris Dobey hat sich einen weiteren großen Titel längst verdient. Drei Jahre in Folge gewann er jeweils drei Players-Championship-Turniere. Sein First-9-Average von 108,27 Punkten wird in diesem Jahr weltweit nur von zwei Spielern übertroffen. Hinzu kommt ein Turnieraverage, der über drei Spielzeiten hinweg konstant im Bereich von 97 bis 98 Punkten lag. All das spricht für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Niemand gewinnt neun Floor-Titel bei 13 Finalteilnahmen allein durch Glück.
Doch Dobey scheint derzeit noch nicht bereit zu sein, auch auf der großen Bühne wieder einen Titel zu gewinnen. Ein Spieler, der 76 Prozent seiner Partien bei Players-Championship-Turnieren gewinnt, bei TV-Turnieren dagegen nur auf eine Siegquote von 25 Prozent kommt, hat seine Schwierigkeiten auf der großen Bühne offensichtlich noch nicht überwunden.
Die Premier League hat Dobey nicht seine spielerische Klasse genommen. Zunächst blieben die Ergebnisse aus, anschließend verlor er seinen Startplatz – und damit offenbar auch jenes Selbstvertrauen, das er im Januar 2025 noch so deutlich zum Ausdruck gebracht hatte.
Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage liegt deshalb irgendwo dazwischen: Dobey leidet nicht grundsätzlich unter einer Abneigung gegen große Bühnen. Sein Masters-Triumph 2023 und sein Halbfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft haben schließlich bewiesen, dass er auch vor großem Publikum herausragende Leistungen abrufen kann.
Allerdings scheint sich bei ihm inzwischen die Erwartung verfestigt zu haben, im Rampenlicht zu verlieren. Diese negative Denkweise schlägt sich mittlerweile nicht nur in seinen Ergebnissen, sondern auch in seinen Averages nieder.
Die nächste Gelegenheit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, lässt nicht lange auf sich warten. Vom 14. bis 22. November steht der Grand Slam of Darts auf dem Programm, im Dezember folgt die Weltmeisterschaft. Dazwischen werden die Players Championship Finals ausgetragen – ein TV-Turnier, dessen Format auf genau jener Turnierserie basiert, die Dobey seit Jahren dominiert.
Noch vor einem Jahr erzielte er dort gegen Luke Littler einen beeindruckenden Average von 104,57 Punkten. Wenn es also eine Bühne gibt, auf der der dominante Floor-Spieler und der zuletzt verunsicherte TV-Spieler Chris Dobey wieder zu einer Einheit werden können, dann ist es wohl diese.
Im Januar 2025 erklärte Dobey, dass er das Gefühl habe, auf die große Bühne zu gehören. In den kommenden sechs Wochen wird sich zeigen, ob er diesen Anspruch endlich wieder mit entsprechenden Leistungen untermauern kann.
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