„Niemand wird jemals Phil Taylor gleichkommen“ – Luke Littler bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden nach neuem Major-Triumph

PDC
Montag, 02 Februar 2026 um 10:36
Luke Littler hält die Trophäe nach seinem Sieg bei den Saudi Arabia Darts Masters 2026 in den Händen.
Luke Littler hat erneut gezeigt, warum er mit neunzehn Jahren schon als eines der größten Phänomene gilt, die die Dartswelt je hervorgebracht hat. In einem kräftezehrenden und elektrisierenden Finale des Winmau World Masters setzte sich der Engländer mit 6:5 gegen seinen großen Rivalen Luke Humphries durch. Das Duell war eines auf hohem Niveau, geprägt von mentaler Widerstandskraft und purem Überlebenswillen – und Littler ging am Ende als Sieger hervor, obwohl er nach eigenen Worten „komplett leer“ war.

Littler siegt 6:5 gegen Humphries beim World Masters 2026 Finale

Direkt nach dem Finale des Winmau World Masters 2026 war die Erleichterung greifbar. Littler wirkte körperlich ausgelaugt, aber mental stahlhart. „Ich war wirklich platt“, gab er zu. „Aber wir sind trotzdem als Sieger herausgekommen. Es war ein sehr enges Finale und bei 5:4 hatte ich eigentlich nichts mehr im Tank. Ich sagte mir: Geh auf die Bühne, zeig keine Emotionen und bleib fokussiert. Das habe ich gemacht – und ich habe den Job erledigt.“

Zermürbende Bedingungen

Die Bedingungen machten dieses Finale zusätzlich hart. Nicht nur stand Littler Humphries gegenüber, mit dem er inzwischen eine der intensivsten Rivalitäten des modernen Darts teilt, auch die Länge des Spieltages forderte ihren Tribut. „Jedes Finale gegen Luke ist hart“, sagte Littler. „Die Bühne ist warm, das Tempo hoch und es fühlt sich fast an wie ein Euro-Tour-Sonntag, an dem du mehrere Matches spielst. Es war ein langer Tag, aber ich bin unheimlich glücklich über diesen Sieg.“
Wie tief dieses Duell ging, zeigte sich auch bei der Siegerehrung. Kameras fingen Tränen in Littlers Augen ein, etwas, das ihm nicht oft passiert. Er versuchte es wegzulachen, gab aber zu, dass die Emotion echt war. „Es bedeutet enorm viel. Mich von 4:5 zurückzukämpfen und es dennoch 6:5 zuzumachen… das ist alles. Wieder eines abgehakt.“

Kein Druck, aber Hunger

Auf die Frage, ob er zusätzlichen Druck gespürt habe, weil das World Masters auf seiner beeindruckenden Titelliste noch fehlten, blieb Littler nüchtern. „Ich habe eigentlich keinen Druck gespürt. Wenn du einmal ein Finale spielst, ist die Schwerstarbeit erledigt. Dann bin ich meist entspannt und versuche einfach zu tun, was ich gut kann. Das habe ich heute Abend gemacht.“
Diese entspannte Haltung steht im starken Kontrast zu den Zahlen. Gegen Humphries führt Littler in Major-Finals inzwischen 4:3, und er gewann die letzten drei großen Endspiele, in denen die beiden aufeinandertrafen. Dennoch weigert sich Littler, von einer Machtsverschiebung zu sprechen. „Jeder Tag ist anders. Du musst immer tief gehen. Ich weiß nicht, wo es heute herkam, aber ich habe es wieder gefunden, als es nötig war.“
Das Turnier selbst verlief für Littler nicht ohne brenzlige Momente. In früheren Runden überlebte er Matchdarts gegen Mike De Decker und Gerwyn Price, und auch im Finale schien das Momentum zu kippen, als Humphries auf 5:4 stellte. Laut Littler spielte Glück dabei sicher eine Rolle. „Mike und Gerwyn bekamen je eine Chance und nahmen sie nicht. Genau wie letztes Jahr bei den World Series of Darts Finals, als Ross Smith einen Pfeil verpasste und ich das Turnier gewann. Manchmal fällt es auf deine Seite – und dann musst du zupacken.“
Es ist ein Muster, das inzwischen fast typisch für Littler geworden ist: wanken, überleben und dann gnadenlos zuschlagen, wenn der Gegner nachlässt.

Respekt für den Rivalen

Trotz der erneuten Niederlage gegen Littler konnte Humphries auf einen starken Auftritt zurückblicken. „Humphries muss einfach zufrieden sein mit seinem Spiel“, betonte Littler. „Ich war in diesem letzten Set nur einen Tick besser. Er kommt hier sicher stärker zurück. Mit der Premier League Darts vor der Tür werden wir alle Woche für Woche Topleistungen bringen.“
Und diese Premier League Darts ist nur eines von vielen Zielen, die Littler noch auf seiner Liste hat. Mit diesem Sieg holte er bereits seinen elften individuellen PDC-Major, eine schwindelerregende Zahl für jemanden, der noch keine zwanzig ist. Damit ließ er unter anderem James Wade in der ewigen Rangliste hinter sich. Nur Michael van Gerwen und Phil Taylor gewannen in jüngerem Alter mehr große Titel.
„Das bedeutet unglaublich viel“, sagte Littler sichtbar stolz. „Die harte Arbeit zahlt sich aus. Die Unterstützung meines Managements, meiner Sponsoren und vor allem meiner Familie – das ist der Grund, warum ich hier stehe.“

Jagd nach Perfektion

Doch der Hunger ist längst nicht gestillt. Nur ein individueller Major fehlt noch auf Littlers Palmarès: die EM Darts. „Das ist das große Ziel für dieses Jahr“, gab er zu. „Aber auch die Premier League Darts will ich zurückgewinnen. Außerdem freue ich mich auf die European Tour, besonders die in Belgien, wo ich zweimal in Folge gewonnen habe. Ein Hattrick dort wäre großartig.“
Vorausschauen will er jedoch nur dosiert. „Du kannst nicht zu weit vorausblicken. Es geht um nächste Woche, um die Premier League Darts.“

Im Schatten von Taylor

Der Vergleich mit Phil Taylor, Littlers großem Idol, wird immer häufiger gezogen. Die Frage ist, ob er dieselbe gnadenlose Siegermentalität hat, um ein Jahr lang alles zu gewinnen. Littler bleibt bescheiden. „Du willst immer jedes Turnier gewinnen, natürlich. Aber jeder kann an seinem Tag gewinnen. Manchmal ist es dein Tag, manchmal nicht.“
Auffällig war zuletzt die Aussage von Humphries, der Littler nach dem Finale als den „Größten aller Zeiten“ bezeichnet haben soll. Littler selbst hatte es nicht einmal gehört. Und selbst wenn, würde er es nicht annehmen. „Niemand wird jemals Phil Taylor erreichen“, sagte er resolut. „Selbst wenn ich mehr Titel gewinne – er bleibt der Größte.“
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