Für viele Dartspieler ist es ein Traum, einmal gegen einen Weltmeister anzutreten. Für den englischen Amateur Mike Norton wurde dieser Traum Realität – ohne dass er es überhaupt bemerkte. Der 62-Jährige spielte drei Wochen lang Trainingsmatches gegen den zweifachen Weltmeister
Gary Anderson, ohne zu wissen, dass er einem der größten Namen des Sports gegenüberstand.
Die bemerkenswerte Geschichte erzählte er im
Podcast Weekly Dartscast. Darin blickte er auf eine skurrile Phase zurück, in der er kaum noch Darts im Fernsehen verfolgte – und deshalb nicht erkannte, dass der Schotte, der ihn regelmäßig besiegte, einer der besten Spieler der Welt ist.
Einladung zum Training in der Garage
Alles begann laut Norton an einem Abend in der lokalen Super League, als er mit einem Spieler aus der Region ins Gespräch kam. „Im nächsten Monat ging ich wieder zur Super League und traf dort einen Kerl namens Graham Curl“, erzählte er. „Ich sah ihn spielen. Er ist hier vor Ort wirklich ein guter Spieler, aber er tritt nicht bei Turnieren an, die man im Fernsehen sieht.“
Nach diesem Treffen erhielt Norton eine Einladung zum gemeinsamen Training. Für ihn klang das nach einer guten Gelegenheit, sein Spiel zu verbessern – ohne zu ahnen, was ihn erwartete. „Er sagte zu mir: ‚Ich habe dich spielen sehen, du bist ziemlich gut. Hast du Lust, mal in meine Garage zu kommen?‘ Ich fragte: ‚Wofür denn?‘ Er sagte: ‚Ein Freund von mir und ich spielen jeden Mittwoch. Einfach ein bisschen trainieren. Unsere Frauen gehen dann zu Slimming World, also haben wir die Garage für uns.‘“
Curl deutete bereits an, dass dort ein besonders starker Spieler mit dabei sein würde. „Er sagte: ‚Wir haben ein kleines Set-up. Komm einfach vorbei. Mein Kumpel ist richtig gut, aber ich kann ihn nicht wirklich fordern. Ich glaube, du könntest ihn pushen.‘ Also sagte ich: ‚Okay, einverstanden.‘“
Dieser erste Trainingsabend entwickelte sich schließlich zu einer Reihe von Treffen mit einem Spieler, den Norton damals überhaupt nicht kannte. An den Ablauf erinnert er sich noch genau. „Ich komme am Mittwochabend dort an und wir werfen uns ein. Während ich so werfe, kommt ein Mann herein. Er sagt: ‚Alright‘, wir schütteln uns die Hand und rauchen gemeinsam kurz eine Zigarette. Danach sagt er: ‚Wir legen los.‘“
Gespielt wurde in einem einfachen Format. „Wir spielten Best of Five Legs, der Sieger bleibt stehen. Also sagte ich: kein Problem. Er schrieb in der ersten Partie die Scores. Zuerst spielte ich gegen meinen Kumpel und gewann. Danach durfte ich gegen den anderen Kerl ran, der gerade geschrieben hatte. Er fegt mich mit 3:0 vom Board. Ich dachte sofort: Der ist gut. Und den ganzen Abend ging er eigentlich nicht mehr vom Oche.“
Mysteriöser Gegner
Trotz der klaren Niederlagen ließ Norton nicht locker. Er wollte den mysteriösen Gegner unbedingt einmal schlagen. „Ich rief danach einen Freund von mir an und sagte: Der Kerl ist richtig gut. Er fragte: ‚Kommst du nächste Woche wieder?‘ Ich sagte: Ja, ich muss den Mann einmal besiegen. Also ging ich in der folgenden Woche wieder hin. Und in der Woche danach wieder. Das ging so drei Wochen lang.“
Erst nach mehreren Trainingsabenden fragte sich Norton, wer dieser starke Spieler eigentlich war. „Irgendwann sagte ich zu Curly: Der Kerl ist eine Maschine. Wo kommt der her? Da sagte er: ‚Du bist echt ein Idiot. Das ist Gary Anderson.‘“
Gary Anderson: Der zweifache Weltmeister trainierte in einer Garage gegen Amateur Mike Norton – ohne dass dieser wusste, gegen wen er spielte
Der Name sagte Norton zunächst überhaupt nichts. „Ich sagte: ‚Wer zum Teufel ist Gary Anderson?‘ Er sah mich an und sagte: ‚Guckst du kein Darts im Fernsehen?‘ Ich sagte: ‚Nein, eigentlich nie.‘ Er sagte: ‚Er ist jede Woche im Fernsehen und weltberühmt.‘“
Für Norton war das ein Moment des reinen Staunens. „Also stand ich da. Ich hatte drei Wochen lang gegen Gary Anderson gespielt, ohne zu wissen, wer er war. Ich dachte nur, dass er ein unglaublich guter Spieler ist.“
Heute kann der Engländer über die Geschichte herzlich lachen. Im Nachhinein wurde ihm erst bewusst, wie außergewöhnlich diese Situation eigentlich war. Anderson ist nicht nur zweifacher Weltmeister, sondern gilt seit vielen Jahren als einer der beliebtesten und berühmtesten Spieler auf der PDC-Tour. Für viele Amateurspieler wäre eine Trainingseinheit mit dem Schotten ein unvergessliches Erlebnis – Norton stolperte damals völlig ahnungslos hinein.
Genau das macht die Geschichte für ihn so besonders. Er ging einfach zu einem entspannten Trainingsabend in einer Garage, ohne zu wissen, dass ihm dort ein Spieler gegenüberstand, der zur absoluten Weltelite gehörte. „Ich wusste wirklich von nichts“, sagte Norton. „Ich dachte einfach, es sei ein starker lokaler Spieler. Erst später dämmerte mir, gegen wen ich da eigentlich geworfen hatte.“
Seiner Meinung nach zeigt diese Erfahrung auch, wie groß der Unterschied zwischen der absoluten Darts-Elite und dem Niveau knapp darunter ist. Erst als er wusste, wer Anderson war, verstand er, warum er kaum ein Leg gewinnen konnte. Trotzdem blickt Norton gern auf diese Wochen zurück.
Für ihn bleibt die Episode eine der schönsten Geschichten seiner Dartskarriere – gerade weil er erst im Nachhinein erkannte, wie besonders das Ganze war. „Hätte ich es vorher gewusst, wäre ich wahrscheinlich nervös gewesen“, sagte er. „So stand ich einfach am Oche. Und vielleicht war genau das das Schönste an der ganzen Sache.“