Nitin Kumar: Vom Teilzeit-Darter zum WM-Helden – „Sie trainieren zehn Stunden am Tag, ich zehn Stunden pro Woche. Trotzdem will ich Weltmeister werden“
PDCZwischen Weihnachtsliedern, singenden Fans und dem grellem Bühnenlicht des Ally Pallys setzte Nitin Kumar bei der Darts WM im Dezember 2025 ein Zeichen für ein gesamtes Land. Der 40-Jährige gewann als erster Inder überhaupt ein Match bei der Darts-Weltmeisterschaft – ein Meilenstein, der in Indien noch lange nachhallen wird.
Für „The Royal Bengal“ war es bereits der fünfte Auftritt auf der größten Bühne des Sports. Viermal zuvor schied er in der ersten Runde aus, viermal reiste er ohne Sieg ab. Doch diesmal änderte sich alles.
Historischer Sieg gegen Richard Veenstra
In einem intensiven Duell über fünf Sätze besiegte Kumar den favorisierten Niederländer Richard Veenstra mit 3:2. Veenstra ging als Nummer 48 der Welt ins Match, doch Kumar behielt im entscheidenden Moment die Nerven und bejubelte seinen ersten Erfolg im Londoner Ally Pally.

Nitin Kumar erreichte bei der Darts WM 2026 die zweite Runde
„Das war wirklich ein historischer Moment für mich und für Indien“, sagte Kumar gegenüber The National. „Ich wusste, dass sehr viele Menschen zu Hause zuschauten. Aber während des Matches habe ich versucht, überhaupt nicht daran zu denken.“
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Mentale Stärke als Schlüssel
Wer hinter dem Erfolg ein großes Trainerteam vermutet, liegt falsch. Kumars Alltag unterscheidet sich grundlegend von dem der etablierten PDC-Profis. Er arbeitet Vollzeit als Marketingprofi in Dubai. Tagsüber sitzt er im Büro, abends trainiert er in seinem Wohnzimmer. Keine Hightech-Anlagen, keine Rundumbetreuung – nur Disziplin, Leidenschaft und mentale Stärke.
„Darts ist ein Sport, in dem du besser spielst, wenn du weniger mentalen Druck verspürst“, erklärt er. „Ich habe mich fast einen Monat lang darauf trainiert, in einen bestimmten Geisteszustand zu kommen. Ich sagte mir: Es ist egal, was die Leute denken, ich spiele einfach mein eigenes Spiel.“
Die Ausgangslage war besonders: Kumar vertrat ein Land, das noch nie ein WM-Match gewonnen hatte. „Normalerweise fühlst du: Ich vertrete mein Land, ich muss liefern“, sagt er. „Aber diesmal dachte ich: ‚Ich gebe mein Bestes, und das reicht.‘ Das hat mich beruhigt.“
Im entscheidenden fünften Satz gegen Veenstra zahlte sich diese Ruhe aus. Als der Sieg feststand, brachen die Emotionen durch. „Erst am Ende spürte ich plötzlich, wie groß der Druck eigentlich war“, erinnert er sich. „Meine Hände begannen zu zittern. Ich dachte: Das ist Neuland, das habe ich noch nie erlebt. Das war ein sehr seltsames Gefühl.“
In der zweiten Runde wartete mit Stephen Bunting ein gesetzter Topspieler. Gegen den erfahrenen Engländer reichte es nicht zum nächsten Coup. Doch der historische Sieg blieb. „Diesen Sieg nimmt mir keiner mehr“, sagt Kumar. „Natürlich willst du immer weiterkommen, aber was gegen Veenstra passiert ist, war schon etwas ganz Besonderes.“
Nicht in Indien aufgewachsen
Kumar wuchs nicht in Indien auf. Bereits als Baby zog er nach Dubai, wo sein Vater als Innenarchitekt arbeitete und seine Mutter beim Nahrungsmittelunternehmen Al Kabeer beschäftigt war. „Ich war einen Monat alt, als ich nach Dubai kam“, erzählt er. „Abgesehen von meiner Studienzeit in Indien habe ich mein ganzes Leben hier gelebt. Ich fühle mich wirklich wie ein Dubai-Junge.“
Darts fand früh den Weg in sein Leben – über die indische Community in Dubai. Bei gesellschaftlichen Treffen stand häufig ein Dartboard im Haus. Aus Freizeit wurde Leidenschaft. „Meine Mutter fand Darts großartig als Stressabbau“, sagt er lachend. „Mit drei Männern im Haus brauchte sie das. Für meinen Vater war es ein schöner Anlass, in den Pub zu gehen.“
Zunächst träumte Kumar jedoch von einer Basketballkarriere. Für sein Studium kehrte er nach Indien zurück, um diesen Weg zu verfolgen. Als sich diese Perspektive zerschlug, konzentrierte er sich auf Kommunikation und Marketing. „Der Sport hat mich nie losgelassen“, sagt er. „Aber ich musste realistisch sein. Am Ende habe ich mein Studium abgeschlossen und bin nach Dubai zurückgekehrt, um zu arbeiten.“
Das Leben eines „Teilzeit“-Darters
Kumars Tagesablauf unterscheidet sich deutlich von dem vieler WM-Teilnehmer. Während Topprofis bis zu zehn Stunden täglich trainieren, muss er seine Einheiten nach einem acht- bis neunstündigen Arbeitstag unterbringen. „Wenn ich zu Hause bin, trainiere ich mindestens eineinhalb bis zwei Stunden pro Tag“, berichtet er. „Außerdem spielen wir hier drei Abende pro Woche Liga.“
Den Unterschied zur Weltspitze kennt er genau. „Wenn ich eine Woche lang jeden Tag zwei Stunden trainiere, komme ich insgesamt auf zehn Stunden. Die besten Spieler absolvieren das an einem Tag. In dieser Hinsicht starte ich immer mit einem Rückstand.“
Trotzdem sucht er keine Ausreden. „Ich sehe es als Herausforderung. Vielleicht habe ich weniger Stunden, aber ich versuche, diese so effektiv wie möglich zu nutzen.“
Sein nächstes Ziel ist klar: die PDC Tour Card über die Q-School. „Das ist der nächste Schritt“, sagt er entschlossen. „Wenn ich wirklich regelmäßig mitmischen will, muss ich Profi werden.“
Wachstum von Darts in Indien
Kumars WM-Sieg löste in Indien eine neue Dynamik aus. „Seit Dezember wurden bereits zwei Darts-Akademien eröffnet“, berichtet er stolz. „Und bald kommt noch eine dazu. Die Leute nehmen Darts jetzt wirklich ernst.“
Gleichzeitig spürt er Verantwortung. Weil er in Dubai lebt, kann er junge Talente in Indien nicht direkt begleiten. „Manchmal fühle ich mich schuldig, dass ich nicht in Indien bin“, sagt er offen. „Es gibt so viele talentierte Jugendliche. Wenn du Profi werden willst, musst du auch wie ein Profi denken und trainieren. Das muss man lernen.“
Um die mentale Dimension des Sports zu erklären, nutzt er ein treffendes Bild: „Du kannst jemanden mitten in der Nacht wecken und ihm zehn Minuten geben, um 180 Punkte zu werfen. Dann klappt das. Aber mach dasselbe mit tausenden schreienden Fans hinter dir, und plötzlich verfehlst du nicht um einen Millimeter, sondern um einen Zentimeter. Dieser Unterschied spielt sich im Kopf ab.“
Träume von mehr
Mit 40 Jahren sieht sich Kumar noch nicht am Ende. Im Gegenteil. Seine Ziele bleiben groß. „Meine Ambition? Weltmeister werden“, sagt er ohne Zögern. „Du musst immer auf das höchstmögliche Ziel zielen.“
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026







