Peter Wrights anhaltende Formkrise rückte in Folge zwei des
DartsNews Podcasts in den Mittelpunkt. Kieran Wood und Nic Gayer diskutierten intensiv, ob der zweimalige Weltmeister möglicherweise in die Schlussphase seiner PDC-Karriere eintritt.
Die Debatte nahm im neu eingeführten „DartsNews Hot Seat“ Fahrt auf. Dort stellte Gayer die Frage ohne Umschweife: Wird dies Peter Wrights letzte Saison unter dem Stern der PDC sein?
Steht Peter Wright vor dem Karriereende?
In unserem englischsprachigen DartsNews Podcast, den unser deutscher Redakteur Nic Gayer gemeinsam mit Kieran Wood moderiert, ging es dabei nicht um Spekulationen, sondern um eine nüchterne Analyse. Wrights jüngste Leistungen, seine Körpersprache auf der Bühne und seine Position im Ranking lieferten reichlich Stoff für eine kontroverse Diskussion.
Wood zögerte keine Sekunde. „Ich denke ja.“ Die Antwort kam nicht flapsig daher, sondern mit hörbarer Ernsthaftigkeit. „Ich sage das ungern, weil ich
Peter Wright sehr mag, aber ja, es sieht nicht gut für ihn aus, oder?“
Dann wurde er noch deutlicher: „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich Peter Wright zuletzt habe spielen sehen und dachte, das ist Peter Wright – weißt du, was ich meine?“
Ein Niedergang mit System
Diese Sorge basiert nicht auf einer schwachen Woche oder einem missglückten Turnier. Sie speist sich aus einem schleichenden Abwärtstrend, der seit 2025 deutlich an Tempo gewonnen hat.
Wright verpasste erstmals seit 2012 die Qualifikation für den Grand Slam of Darts. Auch seine Weltmeisterschaft endete früher als erhofft. Und seit Beginn der Pro-Tour-Saison 2026 häufen sich frühe Niederlagen, während tiefe Runs zur Ausnahme werden. „Er rutscht in der Rangliste ab. Wie sah es unter der Woche aus? Ein Average irgendwo in den 70ern unter der Woche auf der
Pro Tour.“
Genau dieses Bild – eine klare 0:6-Niederlage mit einem Average im niedrigen 70er-Bereich – verdichtet die Zweifel. Ein Spieler, der sich jahrelang mit konstanten Mitte-90er-Averages, dreistelligen Weltklasse-Werten und explosiven Scoring-Phasen einen Namen gemacht hat, steht plötzlich für Zahlen, die nicht nur unter seinem Niveau liegen. Sie wirken fremd.
Auch der Blick auf die Rangliste verschärft die Analyse. Wright ist aus den Top-32 der Welt gerutscht – eine Position, die er rund 15 Jahre praktisch durchgehend innehatte. Für die European Tour ist er nicht mehr automatisch qualifiziert. Der Schutz eines gesetzten Spielers entfällt. Das ist kein kurzfristiger Ausrutscher. Das hat Struktur.
Vom Hot Seat zum größten Verlierer
Im weiteren Verlauf der Episode griff Wood das Thema erneut auf. Im Segment zu den größten Gewinnern und Verlierern des Saisonstarts zählte er Wright zu seinen klaren Verlierern des bisherigen Jahres 2026.
„Mein erster Name – ich habe zwei zusammengefasst – nämlich Peter Wright und
Raymond van Barneveld. Zwei der Größten unseres Sports, zwei der größten Namen. Aber 2026 waren sie einfach wirklich schlecht“, sagte Wood. „Sie kämpfen mit ihren Leistungen, kaum ein Sieg zwischen ihnen. Das ist nicht wirklich das, was man sehen will, oder?“
Die Wortwahl fiel deutlich aus, doch die Ergebnisse stützen die Einschätzung. Wright findet auf mehreren Floor-Events keinen Rhythmus. Er baut keinen nachhaltigen Lauf auf. Das Selbstvertrauen wirkt brüchig. Und wie so oft in schwierigen Phasen stehen erneut Materialwechsel im Raum.
Peter Wright bei der PDC Darts WM 2026
Gayer griff Woods Kernargument erneut auf. „Ich finde, du hast zu Beginn der Folge den besten Punkt gemacht, als du sagtest, du könntest dich nicht erinnern, wann du Peter Wright zuletzt spielen sahst und dachtest: Ja, das ist der zweifache Weltmeister, den wir alle kennen.“
Wood musste nicht lange überlegen, um eine Referenz zu finden. „Wahrscheinlich gegen Luke Humphries bei der WM 2025. Nun schon deutlich über ein Jahr her.“
Der Abwärtstrend ist kein kurzfristiges Phänomen
Diese Einordnung zeigt, dass der Leistungsabfall kein neues Phänomen ist. Er entwickelte sich schleichend. Die angesprochene Partie gegen Luke Humphries bei der Weltmeisterschaft endete zwar mit einer Niederlage, doch Wright präsentierte sich damals konkurrenzfähig, erkennbar in seinem Spiel, gefährlich auf die Doppel. Diese Version von „Snakebite“ tauchte seither nicht mehr konstant auf.
Gerade das macht die Situation so brisant. Es fehlt nicht nur an Ergebnissen – es fehlt an der klaren Identität im Spiel, die Wright über Jahre ausgezeichnet hat.
Der Wille ist nicht das Problem
Im Unterschied zu manchem Routinier, bei dem Beobachter die Motivation infrage stellen, liegt der Fall hier anders. „Das ist wahrscheinlich das Gegenteil von Peter Wright, oder?“, entgegnete Wood, nachdem Gayer bei Raymond van Barneveld fehlenden Hunger thematisiert hatte. „Denn Wright braucht das Geld nicht. Er will dabei sein – und trotzdem kommt einfach nichts dabei heraus, oder?“
Wright bleibt engagiert. Er sucht weiter nach Antworten. Doch der Rhythmus, die Selbstverständlichkeit und die Lockerheit, die „Snakebite“ einst auszeichneten, wirken verblasst. Für einen Spieler, dessen Aura sich gleichermaßen aus Präsenz und Präzision speiste, wiegt diese Tatsache schwer.
Gibt es einen Weg zurück?
Die UK-Open-Vorschau innerhalb der Folge setzte einen bewussten Kontrapunkt. Im Rückblick auf die jüngste Wiederauferstehung von
Mensur Suljovic nach Jahren des sportlichen Niedergangs brachte Wood ein Beispiel ins Spiel, das Hoffnung macht.
„Suljovics Leistungen sollten etwas sein, woran Peter Wright und Dimitri Van den Bergh sich orientieren sollten“, sagte er. Suljovic stand kurz davor, seine Tour Card zu verlieren. Doch mit stetigem, diszipliniertem Wiederaufbau stabilisierte er seine Leistungen und stoppte den Absturz in der Rangliste.
Dieses Beispiel garantiert keine Renaissance für Wright. Aber es nimmt der aktuellen Entwicklung die scheinbare Unausweichlichkeit. Genau darin liegt die Spannung im Kern der Debatte des DartsNews Podcast.
Wrights Vermächtnis steht außer Frage: Weltmeister von 2020. Weltmeister von 2022. Glanzabende in der Premier League. Major-Finals. Rund anderthalb Jahrzehnte in der Weltelite. Doch der Dartsport honoriert keine Vergangenheit.
Aktuell sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Die Ranglistenposition verschlechtert sich. Die einstigen Kernattribute von „Snakebite“ scheinen zunehmend zu verblassen. Und solange diese Version nicht zurückkehrt, bleibt die zentrale Frage bestehen: Erleben wir gerade das letzte Kapitel der ikonischen Karriere des Peter Wright?