Michael van Gerwen hat in eindrucksvoller Manier gezeigt, dass er weiterhin zur absoluten Weltspitze gehört. Der Niederländer holte seinen ersten
Players Championship-Titel seit Oktober 2024 und tat das auf eine Weise, die an seine absolute Glanzzeit erinnerte. Mit unter anderem einem phänomenalen Average von 122 Punkten gegen
Martin Schindler sendete „Mighty Mike“ ein kraftvolles Signal an den Rest der Dartswelt: Schreibt ihn noch nicht ab.
Nach einem zermürbenden, aber erfolgreichen Tag blickte Van Gerwen sichtlich erleichtert auf seine Leistungen bei
Players Championship 15 zurück. Der dreifache Weltmeister gab zu, dass er in der Anfangsphase des Turniers vor allem gegen sich selbst kämpfte.
„Mit mir selbst war es schwieriger als mit meinen Gegnern“
„Zu Beginn des Tages hatte ich es mit mir selbst schwerer als mit meinen Gegnern“,
sagte Van Gerwen. „In den ersten drei Matches spürte ich, dass ich die Power und das Niveau draufhatte, aber ich zeigte es nicht komplett. Ich spielte solide, ließ jedoch hier und da zu viel liegen, vor allem auf die Doppel.“
Das änderte sich jedoch im Laufe des Tages. Ab dem Viertelfinale kam Van Gerwen ins Rollen und zeigte wieder Darts auf allerhöchstem Niveau. Vor allem sein Auftritt gegen Deutschlands Nummer 1 Martin Schindler hinterließ tiefen Eindruck. Mit einem Average von sage und schreibe 122 spielte Van Gerwen eine der besten Partien seiner Karriere. Schindler selbst spielte 108 Punkte im Average, hatte allerdings in allen sieben Legs das Nachsehen.
„Über die letzten drei oder vier Spiele kann ich mich eigentlich nicht beschweren“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich habe fantastischen Darts gespielt. Gegen Beau Greaves, gegen Martin Schindler… und Martin spielte selbst auch noch ausgezeichnet. Danach dieses Finale gegen Dirk van Duijvenbode… was für ein Tag.“
Ein historisches Match gegen Schindler
Das Halbfinale gegen Schindler wird in der Dartswelt noch lange Gesprächsthema bleiben. Nicht nur wegen des außergewöhnlich hohen Averages, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie Van Gerwen dieses Niveau erreichte. Laut dem Niederländer war es nämlich besonders, weil er die Partie komplett selbst tragen musste.
„So einen hohen Average zu spielen ist natürlich großartig, aber meistens braucht man dafür zwei Spieler“, erklärte er. „Normalerweise gewinnt der Gegner auch Legs, wodurch du seltener auf Doppel werfen musst und dein Average automatisch hoch bleibt.
Diesmal war es anders. Van Gerwen dominierte das Match von Anfang bis Ende und ließ Schindler kaum eine Chance mitzumachen. „Jetzt musste ich alles selbst erledigen. Schindler bekam nur zwei Darts auf ein Doppel. Das gibt ein überragendes Gefühl. Dann weißt du, dass du wirklich etwas Besonderes gezeigt hast.“
Der Sieg bedeutete zudem weit mehr als nur einen Platz im Finale. Für Van Gerwen fühlte er sich an wie die Bestätigung, dass er nach einer schwierigen Phase weiterhin in der Lage ist, auf höchstem Niveau zu glänzen. „Das Wichtigste für mich ist, dass ich nach sehr langer Zeit wieder ein Pro-Tour-Turnier auf diese Art gewonnen habe. Das bedeutet unglaublich viel.“
Michael van Gerwen besiegte im Finale Dirk van Duijvenbode mit 8-5
Schwierige Monate liegen hinter ihm
Der Titel war Van Gerwens erster Floorsieg seit Oktober 2024. Für einen Spieler, der jahrelang fast wöchentlich Finals spielte und Titel holte, war das eine auffallend lange Durststrecke. Dennoch betonte der Niederländer, dass er in den vergangenen Wochen bereits gespürt habe, dass seine Form zurückkomme. „Ich spiele in den letzten Wochen eigentlich ziemlich gut“, sagte er. „Ich warf mehrere Averages über Hundert, aber manchmal verlor ich trotzdem Spiele, in denen ich gut spielte. Das gehört im Darts eben dazu.“
Laut Van Gerwen saß die größte Herausforderung vor allem im Kopf. Trotz der Enttäuschungen versuchte er, Vertrauen in die eigenen Qualitäten zu behalten. „Du musst dafür sorgen, positiv zu denken, dein Momentum zu halten und weiter an dich zu glauben. Ich weiß, was ich kann. Ab jetzt mache ich mir eigentlich um nichts mehr Sorgen.“
Diese entspannte Haltung schien ihm sichtbar gutzutun. Die aggressive, selbstbewusste Ausstrahlung, die jahrelang sein Markenzeichen war, kehrte im Laufe des Turniers langsam zurück. Gegen Schindler und später im Finale gegen Dirk van Duijvenbode spielte Van Gerwen mit Flair, Überzeugung und vor allem mit Spaß.
Niederländisches Finale mit emotionaler Note
Das Finale gegen Van Duijvenbode bekam zudem eine zusätzliche emotionale Bedeutung. Beide Niederländer durchlebten in jüngerer Zeit schwierige Phasen. Van Duijvenbode kämpfte lange mit Verletzungen und Formproblemen, während Van Gerwen selbst mit wechselhaften Leistungen und externer Kritik haderte.
Genau deshalb tat es Van Gerwen sichtbar gut, dass zwei niederländische Spieler im Finale aufeinandertrafen. „Ich bin wirklich stolz auf Dirk“, sagte er offen. „Er geht durch eine schwierige Zeit, wahrscheinlich genau wie ich. Dass wir gemeinsam im Finale standen, ist gut für das niederländische Darts.“
Laut Van Gerwen brauchten beide Spieler dieses Zwischenhoch dringend. „Wir haben das beide gebraucht. Für das Selbstvertrauen, für die Form und für den Rest der Saison. Und ihn dann in so einem fantastischen Finale zu schlagen, macht es umso schöner.“
Obwohl Van Gerwen letztlich mit dem Titel nach Hause ging, strahlte seine Reaktion vor allem Respekt gegenüber seinem Landsmann aus. Die Verbindung zwischen den beiden Niederländern ist in den letzten Jahren sichtbar stärker geworden, auch weil sie ähnliche Höhen und Tiefen erlebt haben.
Fokus auf Ranking und Premier League Darts
Das Timing von Van Gerwens Formaufschwung ist zudem ideal. Mit wichtigen Ranglistenturnieren und der entscheidenden Phase der Premier League vor der Tür scheint der Niederländer genau rechtzeitig sein bestes Spiel wiederzufinden. „Die Premier League Darts steht schon wieder an“, sagte er. „Aber im Moment sind die Ranglistenturniere für mich wegen meiner Position in der Weltrangliste enorm wichtig.“
Dennoch klangen in seinen Worten keine Panik oder Frustration mehr an. Im Gegenteil: Van Gerwen wirkte entspannt und motiviert. „Ich freue mich richtig darauf. Ich liebe, was ich tue. Und vor allem, wenn ich so spiele wie heute, genieße ich es nur noch mehr.“
„Schreibt mich nicht ab“
Trotz des Titels wollte Van Gerwen nicht überstürzt reagieren, als er nach seinen Zielen für 2026 gefragt wurde. Der Niederländer blieb bemerkenswert nüchtern. „Ich werde mir keinen Druck mit irgendwelchen Zielsetzungen machen“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass ich mich aktuell in dieser Position befinde. Aber jeder weiß, wozu ich in der Lage bin. Schreibt mich also nicht ab.“
Letzteres wirkte fast wie eine Warnung an seine Konkurrenten. Denn obwohl Van Gerwen betonte, dass er niemandem mehr etwas beweisen müsse, zeigte er mit diesem Turniersieg, dass seine Decke weiterhin furchteinflößend hoch liegt. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, erklärte er. „Das habe ich alles schon getan. Für mich geht es jetzt vor allem darum, dass ich Spaß an dem habe, was ich tue.“