Wer ist Brody Klinge? Seine Geschichte bei den Australian Darts Masters und als dominierende Kraft auf der ADA-Tour, mit einem bevorstehenden Debüt im Ally Pally

PDC
Samstag, 22 August 2026 um 14:10
Brody Klinge ballt die Faust
Brody Klinge ist der Australier, auf den man in Wollongong achten musste. Mit starken Auftritten gegen PDC-Stars begeisterte er am gesamten Wochenende das Heimpublikum. In der Darts-Welt bislang ein relativ Unbekannter und in Europa nahezu gar nicht bekannt – wie kann Klinge dennoch kurz vor einer PDC-Karriere stehen?

Wer ist Brody Klinge

Der 34-Jährige ist die australische Nummer eins auf der ADA-Tour, nachdem er sich in den vergangenen fünf Jahren als dominierende Kraft auf dem heimischen Circuit etabliert hat. Mit acht ADA-Titeln im Jahr 2026 gegen Top-Spieler aus Ozeanien wie den WM-Zweitrundenteilnehmer Jonny Tata, den WDF-WM-Viertelfinalisten Ben Robb und den WM-Dauerstarter Raymond Smith ist er klar auf dem Vormarsch. 88% Siegquote im Jahr 2026 – seine nationale Dominanz legt das Fundament für diese Ergebnisse. 101 Partien, 89 Siege, und das bei Vollzeitjob in Handwerk und Logistik: Der Australier ist bühnenreif. Doch was bedeutet die Spitze der ADA-Tour konkret?
Durch seine Erfolge zuhause hat Klinge die Qualifikation für die PDC World Championship so gut wie sicher. Mit seiner Gelassenheit auf der Bühne könnte er im Alexandra Palace jedem Gegner wehtun. Im Vorjahr verlor er in Wollongong bei seinem ersten Auftritt auf großer Bühne zwar 1:6 gegen Stephen Bunting, spielte dabei aber einen average von 95,10 und überzeugte technisch. Vor dem Australian Darts Masters zählten ihn australische Darts-Experten zu den Geheimfavoriten – zu Recht. Klinge hat einen geschmeidigen Wurf mit einem sauberen 90-Grad-Ablauf vom Ausholen bis zum Release. Er folgt durch und „flippt“ den Dart so, dass er aufrecht oben im Triplebett einschlägt – der Schlüssel zu seinen Erfolgen an diesem Wochenende. Diese makellose Technik, gepaart mit eiskalter Ruhe, erklärt die Siege der letzten Tage.

Klinges Siegquote: Jahr für Jahr

JahrSpiele gespieltSiege/NiederlagenWin %
20226856-1282%
20232316-770%
20243325-876%
20259577-1881%
202610189-1288%
Nach seinem Sieg gegen Ross Smith mit einem Average von 96 gegenüber 102,88 des Engländers und 8 180ern sagte der Australier: „Ich bin überglücklich. Das war der Adrenalinkick meines Lebens. Ich fühlte mich diesmal auf der Bühne deutlich wohler und das sah man an meiner Leistung. Ross hat mir alles entgegengeworfen. Am Ende hatte ich Glück, dass er verpasste, aber ich habe meine Chance genutzt. Jetzt spiele ich befreit auf – ohne Druck.“ Klar ist: Klinge trägt Australiens Hoffnungen, dennoch verspürt er keinen Druck – erkennbar an seinem Erfolg zuhause. Ohne Erwartung ist jedes leg, jede 180 ein Bonus – und größer als ein Sieg gegen die Nummer 2 der Welt werden Boni nicht. Und das Beste: Er steigerte sich nach dem Triumph über einen Ross Smith in Topform.
“The Giant” spielte einen average von 93 und traf 3 180er – es reichte trotzdem nicht. Klinge legte gegenüber der Smith-Partie zu und kam auf 97,90, zog bei den 180ern mit Van Veen gleich und vergab zehn Darts auf Doppel. Das wirkt negativ, doch der Sieg zeigt die Qualität seines Scorings. Sechzehn Doppelversuche gegen die Nummer zwei der Welt erspielt man sich nicht mit Durchschnittsleistung.
Brody Klinge beim Wurf.
Brody Klinge macht große Schritte und schaltet zahlreiche Top-Namen aus.

Der statistische Blick: Was könnte als Nächstes für Klinge kommen

StatistikFeb-Aug 25Aug-Feb 26Feb-May 26May-Aug 26
Average85.6589.4388.5891.31
Checkout %36.65%35.59%38.67%34.40%
First 994.69100.6197.8104.3
First Three93.5798.4396.73101.88
180s per Leg0.240.330.290.3
Deciding Leg Average88.3889.589.695.49
In den letzten 18 Monaten steigerte Klinge seinen average um fast 6 Punkte – von 85,65 im Februar 2025 auf 91,31 im August 2026. Er hat sich vom Challenge-Tour-Niveau aufs Pro-Tour-Niveau gearbeitet und liegt aktuell im ADA-Umfeld im Top-64-Bereich, obwohl dort keine Top-averages nötig sind. In den letzten vier Monaten spielte er höher als Michael Smith, Raymond van Barneveld und Dimitri Van den Bergh – Klinge reiste also in Topform nach Wollongong. Ein First Nine von 104,30 erklärt das schwere Scoring. Mit diesen Zahlen Richtung Alexandra Palace gibt es gute Gründe, ihn als Australiens nächsten großen Hoffnungsträger zu sehen. Der Spieler ohne Spitznamen und mit Vollzeitjob wirft aktuell höher als Weltmeister und steht in Reichweite der Tourplätze. Ein Trip zur European Tour Q-School würde ihn in eine starke Position bringen, um eine Tour Card zu holen. Mit £10.000 aus dem Halbfinale – und womöglich mehr – hätte er finanziell die Option, nach Europa zu gehen und sich eine Tour Card zu sichern, ähnlich wie Adam Leek und Damon Heta.

Klinges Entwicklung: Quartalswerte

Auf dem Papier passt alles: verbesserte Werte, Bühnenroutine und der Sieg gegen die Nummer zwei der Welt inklusive eines entscheidenden 11-Darters zum Break – fast zu gut, um wahr zu sein. Man darf aber nicht vergessen, dass das Leben in Australien mit stabiler Karriere und heimischer Dominanz bequem ist. Für manche reicht das. Nach diesem Wochenende sollte Australien ihn jedoch zu mehr drängen.
Ein WM-Auftritt im erweiterten Alexandra Palace garantiert weitere Bühnenerfahrung und sichere £15.000. Zudem zeigen die Erfolge gegen Smith und Van Veen, dass er in London jeden Erstrundengegner in Bedrängnis bringen kann. Whitlock ist die Blaupause für Klinge: vom heimischen Dominator zum PDC-Star, 2010 im WM-Finale, bester Australier der Geschichte. Realistischer ist das Heta-Modell: Nach seinem Australian-Darts-Sieg nutzte er das Preisgeld für die Tour Card. Mit etwas Beratung und kontinuierlicher Weiterentwicklung gibt es keinen Grund, warum Klinge den Sprung zur PDC nicht schaffen sollte.
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