„Woran können sich die anderen Spieler überhaupt noch festhalten?“ – Mark Webster warnt vor erdrückender Dominanz von Luke Littler

PDC
Montag, 27 Juli 2026 um 18:30
Luke Littler (2)
Luke Littler hat beim World Matchplay 2026 in Blackpool eine historische Woche abgeliefert. Sky-Sports-Analyst und Ex-Profi Mark Webster bezeichnet die Leistung des amtierenden Weltmeisters als die beste Kampagne, die ein Spieler je bei einem Major-Turnier gezeigt hat.
Mit einem deutlichen 18:9-Erfolg über Gerwyn Price im Finale sicherte sich Littler seinen Titel. Dabei warf er einen Turnierschnitt von 111,53 und stellte damit den höchsten Average auf, den ein Spieler je in einem World-Matchplay-Finale erzielt hat. Auch bei den Maximums schraubte er seinen eigenen Rekord nach oben: 2025 kam er noch auf 64 Maximums, in diesem Jahr steigerte er sich auf 66.

Vierter Spieler mit Titelverteidigung seit einem Jahrzehnt

Mit dem Titel verteidigte Littler nicht nur seine Krone, er reihte sich zugleich in eine exklusive Riege ein: Nur drei weitere Spieler in der Geschichte des Turniers konnten das World Matchplay zwei Jahre hintereinander gewinnen. Zehn Jahre mussten Fans warten, bis einem Dartspieler diese Leistung erneut gelang.
Luke Littler zeigt auf sein Ohr
Luke Littler ist zweifacher World Matchplay-Champion
Der Erfolg hält zudem Littlers Jagd auf den kompletten Clean Sweep aller großen PDC-Majors innerhalb eines Kalenderjahres am Leben. Bereits in dieser Saison sicherte er sich die WM, die UK Open, die Premier League Darts, die Masters und nun das World Matchplay. Im weiteren Jahresverlauf verteidigt er außerdem seine Titel beim Grand Slam of Darts und beim World Grand Prix, möglicherweise kommen auch die Players Championship Finals hinzu. Nur die European Championship fehlt noch in seiner Sammlung, um sämtliche wichtigen PDC-Majors gleichzeitig zu halten.
Webster hält dieses Szenario für zunehmend realistisch: „Genau das sage ich die ganze Zeit: Woran können sich die anderen Spieler überhaupt noch festhalten? Wo liegt seine Schwachstelle? Was musst du als Gegner noch tun?" Der Analyst ergänzt: „Er spielt derzeit fantastisch und zwingt seine Gegner zu Fehlern. Das ist das Rezept für absolute Dominanz."

Littler fordert sich selbst heraus

Nach Websters Einschätzung treibt Littler längst mehr als der reine Turniersieg an. Der junge Engländer sucht sich immer wieder neue Herausforderungen, um sich selbst zu übertreffen.
„Dieser Turnierschnitt spukte ihm die ganze Woche über im Hinterkopf herum. Er schafft sich gewissermaßen eine zusätzliche Herausforderung innerhalb des Turniers. Einen Major zu gewinnen ist an sich schon enorm besonders, doch zusätzlich setzt er sich immer wieder kleine Extraziele", erklärt Webster.
Der Experte erwartet sogar, dass Littler künftig bewusst auf spektakuläre Finishes verzichtet, wenn Partien längst entschieden sind: „Es wird soweit kommen, dass er vielleicht ein 170-Finish stehen lässt, schlicht weil er Matches derart dominiert. Er befindet sich momentan in einer Phase, in der er völlig auf alles vertraut, was er tut." Webster fügt an: „Davor kann man nur den Hut ziehen. Wir denken vielleicht, dass er nicht mehr viel besser werden kann, aber er wird es zweifellos trotzdem versuchen."
Für den ehemaligen Profi steht eine Schlussfolgerung inzwischen fest: „Er wird weiter nach immer höheren Turnierschnitten streben. Das liegt an seinem enormen Siegeswillen. Das muss doch die beste Kampagne aller Zeiten bei einem Major-Turnier sein, oder? Schau dir allein die Statistiken an. Ein Turnierschnitt von über 111 … das ist wirklich unglaublich. Und das Schönste ist vielleicht, dass er in zwölf Monaten wahrscheinlich schon wieder versuchen wird, diesen Rekord zu verbessern."
Webster schließt sogar nicht aus, dass Littler in diesem Jahr tatsächlich alle großen PDC-Majors gewinnt: „Eigentlich erwarte ich es fast. Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wo man ihn schlagen kann. Vielleicht bei der European Championship? Vielleicht bei den Players Championship Finals? Ich nenne nur ein paar Möglichkeiten. Für den Rest des Feldes wird es jedenfalls extrem schwierig."

Neue Messlatte für die gesamte Konkurrenz

Für Webster stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob Littler den Maßstab in der Dartswelt setzt – die Konkurrenz muss sich vielmehr fragen, wie sie überhaupt noch zu ihm aufschließen kann.
Littler zeigte in Blackpool erneut, wie groß der Abstand zum restlichen Feld mittlerweile ausfällt. Seine letzte Niederlage in einem Major-Match über eine Distanz von mehr als zwanzig Legs datiert bereits von der WM 2024, als ihn Luke Humphries bezwang.
Um Littler künftig fordern zu können, müssen seine Rivalen laut Webster ein völlig neues Niveau erreichen: „Das sendet ein klares Signal an den Rest des Feldes: Das ist die Messlatte, die du erreichen musst, um überhaupt in die Nähe von Luke Littler zu kommen. Nach diesem Turnier wird jeder Spieler Bilanz ziehen. Jemand wie Luke Humphries wird ein Aus in der ersten Runde absolut nicht akzeptieren und muss sich neu aufstellen."
Auch Michael van Gerwen steht laut Webster vor einer entscheidenden zweiten Saisonhälfte: „Michael van Gerwen hat ein enorm wichtiges Jahresende vor sich. Meines Erachtens steht er mittlerweile auf Rang sieben der PDC Order of Merit, und das klingt immer noch seltsam." Webster ergänzt: „Er hat Arbeit vor sich. Vor zwei Jahren stand er noch im WM-Finale, daher werden in der kommenden Zeit auch reichlich Preisgelder von seinem Ranking abgehen. Nach jedem Turnier musst du evaluieren, schauen, wo du dich verbessern kannst, und dich dann auf die entscheidende Phase der Saison vorbereiten. Die beginnt jetzt."
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