Die erste Runde des World Grand Prix 2026 ist vorbei und das Feld hat sich damit bereits halbiert. Von den 32 Spielern, die am Montag und Dienstag in Leicester ins Turnier gestartet sind, sind nur noch sechzehn übrig. Wer die Ergebnisse studiert, kommt kaum um die Feststellung herum, dass die erste Runde sofort für einige Überraschungen gesorgt hat.
Der World Grand Prix ist dafür bekannt, dass das Double-in, Double-out-Format für unerwartete Wendungen sorgen kann. Auch in diesem Jahr zeigte sich das schon in der ersten Runde. Zeit also, bevor der Kampf um die Viertelfinaltickets beginnt, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Was stach in der ersten Runde des World Grand Prix 2026 hervor?
Ausscheiden von Littler rüttelt das Turnier auf
Zu Beginn kommen wir an der überraschenden Niederlage von Luke Littler nicht vorbei. Überraschend? Eher hochgradig überraschend. „The Nuke“ ging schließlich als klarer Topfavorit in seine Titelverteidigung beim World Grand Prix.
Littler spielte zudem ein außergewöhnliches Jahr. Lange Zeit schien er sogar auf dem Weg zum historischen Clean Sweep, also allen großen Majors im selben Kalenderjahr. Dieser Traum platzte jüngst bei den World Series of Darts Finals, wo er früh ausschied. Dennoch blieb der World Grand Prix eine ideale Chance, seine ohnehin beeindruckende Trophäensammlung zu erweitern.
Es kam jedoch ganz anders. Littler fand gegen Luke Woodhouse nie in seinen Rhythmus und blieb klar unter seinem Standard. Mit einem Average von lediglich 82,41 Punkten lag er weit entfernt von dem Niveau, das man vom Weltmeister inzwischen erwartet. Woodhouse nutzte das eiskalt und sorgte mit einem 2:1 für eine der größten Überraschungen der ersten Runde.
Natürlich muss man betonen, dass die Messlatte beim erst 19-jährigen Engländer mittlerweile extrem hoch liegt. Ein Average, der für viele Profis solide wäre, gilt bei Littler schnell als Enttäuschung. Dennoch lässt sich kaum leugnen, dass der Engländer derzeit nicht jene Form ausstrahlt, die er in den vergangenen Monaten so oft gezeigt hat.
Er wirkt erstmals seit Längerem in einem kleinen Formtief. Das ist keineswegs ein Grund zur Panik. Der Kalender gibt ihm jetzt zudem die Möglichkeit, kurz Abstand zu nehmen. Das nächste Major, die European Championship in Dortmund, steht erst in drei Wochen an. Littler hat somit genug Zeit, die Akkus zu laden, die Enttäuschung abzuschütteln und sich neu auf das nächste große Ziel auszurichten.
Eines ist sicher: Wenn Littler in Dortmund wieder ans Oche tritt, wird jeder gespannt sein, ob „The Nuke“ dort zu seinem gewohnten Level zurückfindet.
Neben Littlers Niederlage gab es in Runde eins eine weitere große Überraschung. Wenn auch, der Fairness halber, deutlich weniger unerwartet als Littlers Aus. Michael van Gerwen kämpft seit Längerem mit Form und Ergebnissen. Sein letzter Major-Rankingtitel datiert aus 2022, als er die Players Championship Finals gewann.
Van Gerwen reiste folglich mit Fragezeichen nach Leicester. Angesichts seiner Vita und seiner Historie beim World Grand Prix durfte man dennoch erwarten, dass er Ryan Joyce schlagen kann. Zumal bei einem Turnier, das ihm früher so viel Erfolg gebracht hat. Es kam anders.
Michael van Gerwen scheiterte zum dritten Jahr in Folge in der ersten Runde
Der 37-jährige Niederländer kassierte die nächste Enttäuschung und musste sich nach einem engen Match mit 1:2 Joyce beugen. Wieder endete ein Major für „Mighty Mike“ frühzeitig, der in den letzten Jahren weiter von jenem Spieler entfernt scheint, der einst die PDC dominierte. Es war zudem bereits das dritte Jahr in Serie, in dem Van Gerwen beim World Grand Prix nicht über die Auftaktrunde hinauskam.
Für die Weltrangliste bleibt die Pleite in Leicester zum Glück begrenzt. Van Gerwen hatte auch im Vorjahr kein Rankinggeld beim World Grand Prix verdient, sodass diesmal nichts zu verteidigen war. Kurzfristig wird sich seine Position in der Order of Merit daher kaum verändern.
Dennoch wird die Lage allmählich dringlicher. In den kommenden Monaten hat Van Gerwen einige hohe Summen zu verteidigen und kann sich dauerhaft schwache Resultate nicht leisten. Wer den Niederländer wieder ganz oben sehen will, hofft auf schnelle Ausrufezeichen.
Die nächste Phase wird damit wichtig für Van Gerwen. Er braucht nicht nur einen neuen Titel, vor allem aber das Vertrauen und die Form, die ihn jahrelang zu einem der Besten der Welt machten. In Leicester war davon nichts zu sehen.
Letzte fünf World Grand Prix von Michael van Gerwen
Jahr
Runde
Gegner
Ergebnis
2026
Erste Runde
Ryan Joyce
1:2
2025
Erste Runde
Dirk van Duijvenbode
0:2
2024
Erste Runde
Daryl Gurney
0:2
2023
Zweite Runde
Chris Dobey
2:3
2022
Sieger
Nathan Aspinall
5:3
Historisch viele Niederländer in Runde zwei
Die Niederlande starteten dieses Jahr mit acht Spielern beim World Grand Prix, nach Runde eins sind noch fünf übrig. Damit ist die niederländische Abordnung in Leicester bereits sicher für einen historischen Rekord. Noch nie standen so viele Niederländer am Start des World Grand Prix, und noch nie zuvor erreichten so viele Landsleute die zweite Runde des prestigeträchtigen Turniers.
Über das Aus von Michael van Gerwen haben wir oben bereits berichtet. Im direkten Duell zwischen Gian van Veen und Dirk van Duijvenbode musste zwangsläufig ein Niederländer weichen (Van Veen gewann schließlich mit 2-0), während auch Kevin Doets die Koffer packen musste. „Hawkeye“ bekam gegen Nathan Aspinall reichlich Chancen und vergab sogar Matchdarts, woraufhin der Engländer doch noch zuschlug.
Vor allem das Match von Niels Zonneveld war eines zum Merken. „Triple Z“ spielt ohnehin ein starkes Jahr und zeigte auch in Leicester erneut, dass er in den vergangenen Monaten wichtige Schritte gemacht hat. Gegen Josh Rock startete der Niederländer ausgezeichnet, doch nachdem der Nordire mit einem wahnsinnigen Finish auf 1-1 in Sätzen stellte, musste Zonneveld erneut eine Schippe drauflegen.
Niels Zonneveld sorgte für eine Überraschung, indem er Josh Rock bezwang
Genau in dem Moment, in dem es wirklich darauf ankam, zeigte Zonneveld jedoch seine Klasse. Der Niederländer blieb ruhig, behielt die Nerven und zog den entscheidenden Satz auf seine Seite. Damit verbuchte er nicht nur einen wichtigen Sieg, sondern sendete erneut ein klares Signal: Zonneveld ist in diesem Jahr ein Spieler, mit dem zu rechnen ist.
Zonneveld trifft in der zweiten Runde auf Gary Anderson. Auf dem Papier wartet erneut eine schwere Aufgabe, doch nach seinem Auftritt gegen Rock wird der Niederländer dieser Partie gewiss mit Selbstvertrauen entgegenblicken. Angesichts seiner Form 2026 bieten sich auch gegen den Schotten Chancen.
Auch Wessel Nijman wird nach seinem ersten Auftritt in Leicester erleichtert durchgeatmet haben. Der 26-jährige Niederländer setzte sich überzeugend mit 2-0 gegen Rob Cross durch und machte damit einen wichtigen Schritt in seinem Streben nach einem starken Ergebnis. Nijman entwickelte sich dieses Jahr zum echten Seriensieger mit gleich sechs Ranglistentiteln, doch bei den großen TV-Turnieren hakte es bislang etwas.
Gerade deshalb kann der World Grand Prix ein wichtiger Moment für Nijman werden. Der Niederländer trifft in der zweiten Runde auf Jonny Clayton und wird sich gewiss nicht mit einem Platz unter den letzten Sechzehn zufriedengeben. Nijman hat dieses Jahr bereits bewiesen, dass er Turniere gewinnen kann, und richtet seine Pfeile in dieser Woche sogar auf den Hauptpreis. Der überzeugende Start gegen Cross dürfte ihm jedenfalls reichlich Vertrauen geben.
Neben Van Veen, Zonneveld und Nijman gewannen auch Danny Noppert und Jermaine Wattimena ihre Auftaktpartien in Leicester. Damit stehen nun fünf Niederländer in der zweiten Runde. Eine außergewöhnliche Zahl und eine Leistung, die für sich genommen bereits Geschichte schreibt.
Und vielleicht ist noch deutlich mehr drin. Mit Littler bereits ausgeschieden und mehreren anderen großen Namen, die ebenfalls früh strauchelten, scheint dieses Jahr in Leicester besonders viel möglich. Für das niederländische Quintett ist der Auftrag klar: die offenen Chancen nutzen und so lange wie möglich im Turnier bleiben. Eines steht nach Runde eins fest: Die Niederlande sind bei diesem World Grand Prix äußerst präsent.
Jahr
Anzahl Niederländer in der zweiten Runde
2022
2
2023
1
2024
0
2025
2
2026
5
Gesetzte Spieler überzeugen
Nach der ersten Runde lässt sich auch ein bemerkenswertes Fazit zu den Gesetzten ziehen. Während der World Grand Prix in der Vergangenheit regelmäßig für Überraschungen sorgte, hielt sich die Spitze des Feldes dieses Jahr auffallend stabil. Lediglich vier der sechzehn Gesetzten mussten nach ihrem Auftaktmatch die Koffer packen. Das ist die niedrigste Zahl der vergangenen fünf Jahre.
Die drei auffälligsten Namen haben wir bereits ausführlich erwähnt. Titelverteidiger Luke Littler unterlag überraschend Luke Woodhouse, Michael van Gerwen verlor gegen Ryan Joyce und Josh Rock musste sich Niels Zonneveld beugen. Damit verschwanden zwar drei große Namen aus dem Turnier, doch der Großteil der Gesetzten qualifizierte sich ohne größere Probleme für die zweite Runde.
Der vierte Spieler, der es nicht schaffte, war Chris Dobey. Der Engländer erwischte einen enttäuschenden Start in seinen World Grand Prix und schied mit 0-2 gegen Jermaine Wattimena aus. Für den Niederländer bedeutete der Sieg dagegen einen willkommenen Auftrieb, während Dobey seine Ambitionen früh begraben musste.
Der Kontrast zum Vorjahr ist dabei auffällig. Beim World Grand Prix 2025 schieden nach der ersten Runde noch sieben der sechzehn Gesetzten aus. In diesem Jahr sind es nur vier. Das bedeutet, dass gleich zwölf gesetzte Spieler die erste Hürde überstanden haben.
Das heißt natürlich nicht, dass es in Leicester keine Überraschungen gab. Die Niederlagen von Littler und Van Gerwen stechen selbstverständlich heraus. Dennoch zeigt das Gesamtbild, dass die etablierte Garde in diesem Jahr deutlich besser durch die Auftaktrunde gekommen ist. Mit noch zwölf Gesetzten im Turnier wartet in Runde zwei folgerichtig ein beeindruckendes Teilnehmerfeld.
Spieler aus neun verschiedenen Ländern starteten in den World Grand Prix, nach der ersten Runde sind jedoch nur noch vier Nationen übrig. Die internationale Vielfalt ist damit deutlich geschrumpft, während vor allem ein Land in Leicester den Ton angibt: England.
Gleich acht Engländer haben sich für die zweite Runde qualifiziert. Damit stellt England exakt die Hälfte des verbliebenen Feldes. Luke Humphries ist der höchstplatzierte Spieler, der noch im Turnier ist. Der ehemalige Weltmeister bekommt Gesellschaft von Nathan Aspinall, Ryan Joyce, Ross Smith, Luke Woodhouse, Ryan Searle, James Wade und Stephen Bunting.
Auffällig ist vor allem die Präsenz von Joyce und Woodhouse. Sie sorgten in Runde eins für zwei der größten Überraschungen. Joyce warf Michael van Gerwen aus dem Turnier, während Woodhouse Titelverteidiger Luke Littler eliminierte. Ihre Siege sorgen nun dafür, dass England mit besonders starker Vertretung in die zweite Runde startet.
Die Niederlande bleiben als zweitstärkste Nation gut vertreten. Wie bereits beschrieben, sind noch fünf Niederländer aktiv: Gian van Veen, Niels Zonneveld, Wessel Nijman, Danny Noppert und Jermaine Wattimena. Damit stellen die Niederlande nach England die meisten Spieler in Runde zwei.
Jermaine Wattimena ist einer von fünf Niederländern in der zweiten Runde
Wales hat noch zwei heiße Eisen im Feuer. Jonny Clayton und Gerwyn Price überstanden ihre Auftaktmatches und sorgen dafür, dass auch die walisische Fahne in Leicester weiter weht. Clayton trifft in Runde zwei auf Nijman, während Price gegen Noppert antritt.
Schließlich ist mit Gary Anderson noch ein schottischer Spieler im Feld. Der ehemalige Weltmeister zog in die zweite Runde ein und trifft dort auf Niels Zonneveld.
Damit wird die zweite Runde nahezu vollständig von Spielern aus England, den Niederlanden, Wales und Schottland geprägt. Von den neun gestarteten Nationen sind also nur noch vier übrig. Und mit dreizehn der sechzehn Spieler aus England oder den Niederlanden ist die internationale Balance eindeutig: Der Kampf um die Sid Waddell Trophy entwickelt sich nun vor allem zur englisch-niederländischen Angelegenheit, mit Wales und Schottland als Vertreter der übrigen Länder.
Imposanter Price führt die Liste der höchsten Averages an
„Ich mag den World Grand Prix nicht und ich mag das Format nicht, eigentlich ist mir das ganze Turnier nichts.“ Gerwyn Price ließ nach seinem 2:0 gegen Sebastian Bialecki keine Zweifel. Der Waliser hat offenkundig keine besondere Liebe für das einzigartige Format des World Grand Prix, doch auf der Bühne war davon wenig zu sehen.
Price legte in seinem Auftaktmatch nämlich eine beeindruckende Vorstellung hin. „The Iceman“ notierte einen Average von über 100 Punkten, etwas, das beim World Grand Prix keineswegs alltäglich ist. Das Double-in, Double-out-Format erschwert es den Spielern, ihr gewohntes Scoring mit dem geforderten Doppelspiel zu verbinden.
Price bewies damit erneut, dass seine persönliche Abneigung gegen das Turnier ihn nicht daran hindert, dort stark zu spielen. Das hat der Waliser bereits in der Vergangenheit gezeigt. 2020 gewann er den World Grand Prix sogar. Es bleibt eine bemerkenswerte Gegensätzlichkeit: Price kann dem Turnier und dem Format wenig abgewinnen, kommt damit aber dennoch hervorragend zurecht.
Gerwyn Price erzielte den höchsten Average der Auftaktrunde
Sein 100+ Average macht ihn zudem sofort zu einem der Spieler, auf die man achten muss. In Runde zwei wartet mit Ross Smith ein besonders interessanter Gegner. Das Duell zwischen dem Waliser und dem Engländer ist ohne Übertreibung einer der Kracher im Achtelfinale. Zwei formstarke Akteure treffen früh im Turnier aufeinander.
Dass hohe Averages nicht automatisch Erfolg garantieren, wurde in Runde eins ebenfalls schmerzhaft deutlich. Blickt man auf die fünf höchsten Averages der Auftaktrunde, fällt auf, dass zwei Spieler aus dieser Top fünf ihre Partie dennoch verloren.
Kevin Doets und Josh Rock gehörten statistisch zu den stärksten Spielern der ersten Runde, mussten aber dennoch frühzeitig die Koffer packen. Doets warf gegen Nathan Aspinall einen Average von 92,27, während Rock gegen Niels Zonneveld sogar 94,14 im Schnitt spielte. In beiden Fällen reichte es nicht, um den Sieg ins Ziel zu bringen.
Das ist eine treffende Illustration dessen, was den World Grand Prix so besonders macht. Ein hoher Average ist schön, doch in Leicester zählen am Ende das Timing, das richtige Doppel und vor allem die Fähigkeit, unter Druck die entscheidenden Pfeile zu treffen. Price zeigte, dass er trotz Abneigung gegen das Format hervorragend performen kann, während Doets und Rock erfuhren, dass selbst ein starker Average keine Garantie für die zweite Runde ist.
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.