ZEITREISE MIT: Magnus Caris – Nur einen Dart vom WM-Finale entfernt, dann verlor der Schwede neun Legs in Folge

PDC
durch Nic Gayer
Magnus Caris jubelt.
In unserer Rubrik „ZEITREISE“ blicken wir auf die Karrieren früherer Dartsprofis zurück. Heute steht der Schwede Magnus Caris im Mittelpunkt. Für die jüngere Generation der Dartsfans dürfte sein Name möglicherweise weniger bekannt sein, doch der Schwede kann auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Caris war über viele Jahre auf höchstem Niveau aktiv und erlebte sowohl in der BDO als auch später in der PDC zahlreiche besondere Momente.
Seine Karriere führte ihn zu Weltmeisterschaften, zum World Masters, den UK Open, dem Grand Slam of Darts, zahlreichen Players-Championship-Turnieren und mehreren Ausgaben des World Cup of Darts.
Insgesamt nahm Caris siebenmal an der BDO-Weltmeisterschaft teil. Sein Debüt gab er 1988, als er in der ersten Runde gegen den US-Amerikaner Rick Ney verlor. Zwei Jahre später deutete er bereits an, welches Potenzial in ihm steckte. 1990 erreichte er nach Siegen über Antero Rantala und Brian Cairns das Viertelfinale. Dort erwies sich Eric Bristow allerdings als eine Nummer zu groß.

Ein Halbfinale, das Caris niemals vergessen wird

Vier Jahre später sollte Caris seine größte Leistung bei einer BDO-Weltmeisterschaft zeigen. Auf dem Weg ins Halbfinale setzte er sich gegen Wayne Weening, Leo Laurens und Martin Adams durch. Damit qualifizierte er sich für ein Duell mit Bobby George, der damals zu den beliebtesten Spielern des Dartsports gehörte.
George hatte vor dem Halbfinale mit erheblichen Rückenproblemen zu kämpfen, erwischte aber dennoch einen starken Start in die Partie. Caris geriet mit 0:2 Sätzen in Rückstand, gab sich jedoch nicht geschlagen. Der Schwede kämpfte sich eindrucksvoll zurück und gewann anschließend vier Sätze in Folge. Plötzlich führte er im siebten Satz mit 2:0 Legs und stand unmittelbar vor dem Einzug ins Finale.
Im dritten Leg bot sich Caris sogar eine riesige Chance, die Partie zu entscheiden. Er erhielt einen Dart auf die Doppel 18, um ein spektakuläres 141er-Finish zu vollenden. Doch er vergab diese Gelegenheit. Was anschließend geschah, stellte den gesamten Spielverlauf auf den Kopf. George gewann unglaubliche neun Legs in Folge und drehte die Begegnung doch noch zu seinen Gunsten. Caris unterlag schließlich mit 4:5 Sätzen.
Es war eine schmerzhafte Niederlage. Gleichzeitig hatte sich Caris mit dieser Leistung endgültig einen Namen als Spieler gemacht, der auf der größten Bühne mit der absoluten Weltspitze mithalten konnte.

Auch beim World Masters erfolgreich

Die BDO-Weltmeisterschaft war nicht das einzige große Turnier, bei dem Caris auf sich aufmerksam machte. Der Schwede nahm insgesamt fünfmal am Winmau World Masters teil. Sein bestes Ergebnis erzielte er 1992, als er bis ins Halbfinale vordrang.
Auf dem Weg dorthin musste Caris einige große Namen aus dem Turnier werfen. Nacheinander besiegte er John Lowe, Eric Bristow und Martin Adams. Damit traf er im Halbfinale auf Mike Gregory, der den Erfolgslauf des Schweden schließlich beendete.
Auch nach seiner Zeit an der absoluten Weltspitze blieb Caris auf der TV-Bühne präsent. 2009 kehrte er zum World Masters zurück, wo er im Achtelfinale am Titelverteidiger Martin Adams scheiterte.
Magnus Caris jubelt.
Magnus Caris erreichte 1992 das Halbfinale der Winmau World Masters und besiegte auf dem Weg dorthin unter anderem die Darts-Legenden John Lowe und Eric Bristow.

Der Wechsel zur PDC

Ende der 2000er-Jahre wechselte Caris schließlich zur PDC. Sein Debüt bei der PDC-Weltmeisterschaft gab er Ende 2009 bei der Ausgabe 2010. In der Vorrunde ließ er Francisco Ruiz keine Chance und gewann souverän mit 4:0. In der ersten Hauptrunde wartete mit Colin Lloyd allerdings eine deutlich größere Herausforderung. Gegen den Engländer musste sich Caris geschlagen geben.
Ein Jahr später stand er erneut bei der Weltmeisterschaft am Oche. Diesmal musste er sich zunächst in der Vorrunde gegen Dietmar Burger durchsetzen. Caris überstand mehrere Matchdarts des Österreichers und gewann schließlich mit 4:3. In der ersten Hauptrunde traf er anschließend auf Mervyn King, gegen den er ebenfalls ausschied.
Anfang 2011 erhielt Caris eine weitere wichtige Gelegenheit, sich dauerhaft in der PDC zu etablieren. Bei der Q-School gelang es ihm, sich eine Tour Card zu sichern, indem er am zweiten Turniertag das Halbfinale erreichte. Damit hatte er sich einen festen Platz auf der PDC-Tour erkämpft.

Ein beinahe geglückter Coup gegen Peter Hudson

Einen seiner bemerkenswertesten Auftritte des Jahres hatte Caris bei den UK Open. In der ersten Runde besiegte er Kevin McDine und traf anschließend auf Peter Hudson. Der Schwede erwischte einen hervorragenden Start und ging mit 3:0 in Führung.
Hudson kämpfte sich jedoch zurück in die Partie und erzwang ein Entscheidungsleg. Dort schlug der Engländer mit einem Zehn-Darter zu. Für Caris war das Ausscheiden besonders bitter, denn er hatte zuvor gleich acht Matchdarts vergeben. Darunter befand sich auch eine Chance auf ein 164er-Finish über das Bullseye.
Später im selben Jahr qualifizierte sich Caris außerdem für den Grand Slam of Darts. Er erreichte das Finale des Qualifikationsturniers und sicherte sich damit einen Startplatz bei dem prestigeträchtigen Wettbewerb. In der Gruppenphase konnte er eine Partie gewinnen. Nach zwei Niederlagen belegte er jedoch nur den dritten Platz in seiner Gruppe und schied aus.

Neue Chancen in der PDC

Auch 2012 blieb Caris auf der internationalen Bühne aktiv. Bei der Weltmeisterschaft traf er in der ersten Runde auf Steve Beaton. Nachdem der Schwede mit 2:0 Sätzen in Führung gegangen war, schien er auf dem besten Weg zum Sieg. Zudem erhielt er drei Matchdarts, um die Begegnung ohne Satzverlust für sich zu entscheiden.
Doch daraus wurde nichts. Beaton kämpfte sich zurück und Caris verlor die Partie schließlich noch mit 2:3 Sätzen. Der Schwede hatte Schwierigkeiten, sich an die Bedingungen und die lautstarke Atmosphäre anzupassen.
Später im selben Jahr vertrat Caris Schweden erneut beim World Cup of Darts, diesmal gemeinsam mit Dennis Nilsson. Das schwedische Duo besiegte Japan, musste sich in der zweiten Runde jedoch Belgien mit 1:3 geschlagen geben.
Darüber hinaus war Caris auch auf der European Tour vertreten. Er qualifizierte sich für die Turniere in Berlin und Düsseldorf, schied jedoch bei beiden Veranstaltungen in der ersten Runde aus – zunächst gegen Terry Jenkins und anschließend gegen James Wade.
Auch bei der Europameisterschaft ging der Schwede an den Start. Dort traf er auf Phil Taylor. Caris unterlag zwar mit 3:6, erzielte dabei aber einen Average von 90 Punkten.

WM-Qualifikation über die European Order of Merit

Das Jahr 2012 brachte Caris schließlich einen wichtigen Erfolg. Er belegte den sechsten Platz in der European Order of Merit und sicherte sich damit die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2013.
In London wartete Robert Thornton auf ihn. Für Caris wurde es eine äußerst schwierige Partie. Er verlor mit 0:3 Sätzen und konnte dabei lediglich ein einziges Leg gewinnen. Nach dem Turnier belegte er den 44. Platz der Weltrangliste.
Dennoch gelangen ihm 2013 erneut einige gute Ergebnisse. Bei einem UK Open Qualifier erreichte Caris das Viertelfinale. Auf dem Weg dorthin besiegte er unter anderem Simon Whitlock und Andy Smith, ehe Jamie Caven seinen Erfolgslauf beendete.
Auch auf der Scandinavian Pro Tour machte der Schwede auf sich aufmerksam. Er gewann in diesem Jahr zwei Turniere und belegte den dritten Platz in der Order of Merit.

Starker Lauf bei einem Players Championship

Eines der besten PDC-Ergebnisse seiner Karriere erzielte Caris im März 2014. Beim vierten Players-Championship-Turnier des Jahres erreichte er das Halbfinale.
Sein Weg unter die letzten vier war beeindruckend. Nacheinander besiegte er Nigel Heydon, Peter Hudson, Justin Pipe, Adam Hunt und Stephen Bunting. Erst Ian White konnte ihn stoppen und setzte sich mit 6:4 durch.
Damit hatte Caris erst zum zweiten Mal in seiner PDC-Karriere das Halbfinale eines Players-Championship-Turniers erreicht.
Auch auf internationaler Teamebene blieb er aktiv. Beim World Cup of Darts 2014 bildete er gemeinsam mit Peter Sajwani das schwedische Team. In der zweiten Runde verloren die beiden ihre Einzelpartien gegen Peter Wright beziehungsweise Robert Thornton, wodurch Schweden aus dem Turnier ausschied.

2015 erneut eine PDC Tour Card gesichert

Anfang 2015 gelang es Caris erneut, sich über die Q-School eine PDC Tour Card zu sichern. Am vierten Turniertag erreichte er die dafür erforderliche Runde und erhielt damit eine weitere Chance, sich für zwei Jahre auf der Profitour zu behaupten.
Das Jahr begann vielversprechend. Beim ersten Players-Championship-Turnier erreichte er das Viertelfinale. Dort musste er sich James Wade knapp mit 5:6 geschlagen geben.
Auch auf der Scandinavian Pro Tour blieb Caris erfolgreich. Er erreichte zwei Endspiele und konnte zudem ein Turnier in Russland für sich entscheiden. Im Finale besiegte er Per Laursen mit 6:3.
Darüber hinaus qualifizierte er sich über die SDC-Qualifikation für die Europameisterschaft. Im Hauptturnier unterlag er in der ersten Runde Simon Whitlock mit 2:6.

Die letzten Jahre als Profi

Auch 2016 war Caris weiterhin auf der Scandinavian Tour aktiv. Zu Beginn des Jahres erreichte er zwei Endspiele, konnte jedoch keines davon gewinnen. Dafür zog er bei den UK Open erstmals in seiner Karriere in die dritte Runde ein. Dort erwies sich John Henderson beim 9:4 allerdings als zu stark.
Im weiteren Jahresverlauf sicherte sich Caris schließlich doch noch einen Titel auf der Scandinavian Tour. Er besiegte Cor Dekker mit 6:4 und fügte seiner Erfolgsliste damit einen weiteren Turniersieg hinzu.
Bei der Weltmeisterschaft 2017 traf er auf Adrian Lewis. Caris hatte die Chance, die Partie auszugleichen, vergab jedoch einen Dart zum Satzgewinn. Lewis nutzte die Gelegenheit und setzte sich schließlich mit 3:0 Sätzen durch.
Wenige Monate später gelang Caris allerdings noch eines der schönsten Ergebnisse seiner späten Karriere. Bei der Gibraltar Darts Trophy 2017 erreichte er das Viertelfinale eines European-Tour-Turniers. Auf dem Weg dorthin besiegte er nacheinander Dyson Parody, Jelle Klaasen und Benito van de Pas. Im Viertelfinale musste er sich schließlich Mensur Suljovic mit 3:6 geschlagen geben.

WM-Ergebnisse von Magnus Caris

JahrVerbandErgebnisGegnerResultat
1988BDOErste RundeRick Ney1–3
1989BDOZweite RundeMike Gregory0–3
1990BDOViertelfinaleEric Bristow1–4
1991BDOErste RundeDennis Priestley0–3
1992BDOErste RundePhil Taylor1–3
1994BDOHalbfinaleBobby George4–5
1995BDOErste RundeKevin Painter2–3
2010PDCErste RundeColin Lloyd1–3
2011PDCErste RundeMervyn King0–3
2012PDCErste RundeSteve Beaton2–3
2013PDCErste RundeRobert Thornton0–3
2017PDCErste RundeAdrian Lewis0–3

Eine Karriere über mehr als drei Jahrzehnte

Nach einigen weiteren Jahren auf der Profitour entschloss sich Caris 2019, seine Laufbahn zu beenden. Er kündigte an, dass der World Cup of Darts 2019 sein letztes Turnier sein würde.
Am 8. Juni 2019 bestritt er tatsächlich sein letztes Spiel als professioneller Dartspieler. Für Schweden trat er gegen Gary Anderson an und verlor sein Einzel mit 0:4. Anschließend musste sich auch sein schwedischer Teamkollege geschlagen geben, sodass Schottland mit Peter Wright und Anderson einen 2:0-Erfolg feierte. Damit endete offiziell eine Karriere, die sich über mehr als drei Jahrzehnte erstreckt hatte.
Von seinem ersten Auftritt bei der BDO-Weltmeisterschaft 1988 bis zu seinem letzten Einsatz für Schweden 2019 blickte Caris auf eine lange und abwechslungsreiche Laufbahn zurück. Er erlebte den Wechsel von der BDO zur PDC, trat gegen Größen wie Eric Bristow, John Lowe, Phil Taylor, James Wade, Peter Wright und Gary Anderson an und stand mehrfach auf den größten Bühnen des Dartsports.
Sein Halbfinale gegen Bobby George im Jahr 1994 bleibt dabei zweifellos eines der bemerkenswertesten Kapitel seiner Karriere. Damals stand Caris unmittelbar vor dem Einzug ins BDO-WM-Finale, musste jedoch mitansehen, wie sich seine große Chance auf einen historischen Sieg in Luft auflöste. Gleichzeitig lieferte diese Partie den Beweis, dass der Schwede mit der absoluten Weltspitze mithalten konnte.
Obwohl Caris nie einen Weltmeistertitel gewann, sorgte er im Laufe seiner Karriere immer wieder für Überraschungen. Sein Halbfinaleinzug bei der BDO-Weltmeisterschaft, sein Erfolgslauf bei den World Masters, das Halbfinale bei einem Players Championship, sein Viertelfinale auf der European Tour und seine zahlreichen Einsätze für Schweden ergeben zusammen eine beeindruckende sportliche Bilanz.
Magnus Caris verabschiedete sich letztlich ohne Weltmeistertitel vom professionellen Dartsport. Zurück blieb jedoch eine Karriere, die einen besonderen Platz in der Geschichte des schwedischen Dartsports einnimmt.
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