In dieser Rubrik blicken wir regelmäßig auf die Karriere eines Dartspielers zurück. Heute steht Robbie „Kong“ Green im Mittelpunkt. Der Engländer erlebte eine Laufbahn mit mehreren Kapiteln und sammelte sowohl bei der PDC als auch bei der BDO zahlreiche Erfahrungen.
Green entwickelte sich zu einem bekannten Namen im internationalen Dartsport. Er überzeugte auf großen Bühnen, erreichte mehrere Endspiele und Halbfinals und sorgte mit einem außergewöhnlichen Match-Average für Aufsehen. Gleichzeitig musste er schwere Rückschläge verkraften. Dazu gehörten ein positiver Dopingtest, eine langwierige Verletzung und ein deutlicher Absturz in der Weltrangliste.
Robbie Green wurde am 19. Juli 1974 in Liverpool geboren. Seinen ersten größeren Eindruck im Fernsehen hinterließ er bei den UK Open 2004. Dort erreichte er die Runde der letzten 64 und rückte erstmals stärker in den Blick der Öffentlichkeit.
Im selben Jahr qualifizierte er sich für das World Matchplay in Blackpool. Sein Debüt bei dem prestigeträchtigen Turnier endete allerdings bereits in der ersten Runde. Bob Anderson erwies sich als zu stark.
Zwei Jahre später zeigte Green, welches Potenzial in ihm steckte. Bei den UK Open 2006 spielte er sich bis ins Viertelfinale. Auf seinem Weg besiegte er Jamie Harvey, Chris Mason, Mark Walsh und Terry Jenkins.
Erst John MaGowan beendete seinen starken Lauf. Green hatte sich damit endgültig als Spieler etabliert, der bei großen Turnieren für Überraschungen sorgen konnte.
Schwerer Rückschlag nach positivem Dopingtest
Ausgerechnet in dieser Phase erlebte Green einen Vorfall, der seine Karriere erheblich beeinflussen sollte. Nachdem der Dartsport 2006 Dopingkontrollen eingeführt hatte, fiel sein Test nach den UK Open positiv auf Marihuana aus. Es war der erste positive Dopingtest eines Dartspielers seit Einführung der Kontrollen innerhalb der britischen Organisation.
Die Folgen waren erheblich. Green musste sein gewonnenes Preisgeld von 4.000 Pfund zurückzahlen und erhielt zusätzlich eine Geldstrafe von 2.000 Pfund. Außerdem sperrte ihn die Organisation für acht Wochen. Auch seinen Sponsorenvertrag verlor er.
Nach seiner Sperre kehrte Green in den Wettbewerb zurück. Er qualifizierte sich für die International Darts League und überzeugte erneut bei den UK Open. Finanziell blieb seine Situation jedoch schwierig.
Weil ihm Sponsorengelder fehlten, musste Green seine Turnierteilnahmen reduzieren. Das bremste seine sportliche Entwicklung vorübergehend aus.
Robbie Green gehörte bei der BDO zur Weltspitze
Wechsel zur BDO
Im Januar 2008 traf Green eine wichtige Entscheidung: Er wechselte von der PDC zur BDO. Damit gehörte er damals zu einer kleinen Gruppe von Spielern, die diesen Weg einschlugen. Sein erstes BDO-Turnier waren die Scottish Open, bei denen er die zweite Runde erreichte.
Auch im County-Darts kehrte Green zu seinen Wurzeln in Merseyside zurück. Zuvor hatte er für Cheshire gespielt, anschließend trat er wieder für Merseyside an.
Sportlich erwies sich der Wechsel als gute Entscheidung. Bei den BDO International Open erreichte Green das Halbfinale. Dabei besiegte er unter anderem Martin Adams, Gary Anderson, Martin Atkins und Ted Hankey. Erst Ross Montgomery stoppte ihn in der Vorschlussrunde.
Ein Jahr später folgte der nächste Meilenstein. Green erhielt eine Berufung in die englische Nationalmannschaft und konnte sich damit auch auf internationaler Ebene beweisen. Außerdem erreichte er 2009 das Finale der Winmau World Masters. Zuvor hatte er unter anderem Ross Montgomery, Connie Finnan und Lourence Ilagan ausgeschaltet.
Im Endspiel wartete Titelverteidiger Martin Adams. Lange sah es so aus, als könnte Green für eine große Überraschung sorgen. Er führte mit 6:3 in Sätzen und erhielt sogar einen Matchdart auf Doppel 16.
Doch Green vergab seine Chance. Adams nutzte das und drehte die Partie vollständig. Green verlor anschließend sechs Legs hintereinander und musste einen bereits greifbaren Titel noch aus der Hand geben.
Thriller auf Lakeside und Finalteilnahme bei den Zuiderduin Masters
Green überzeugte weiterhin und qualifizierte sich für die BDO-WM. Bei seinem Lakeside-Debüt traf er 2010 in der ersten Runde auf den topgesetzten Tony O’Shea. Die beiden lieferten sich ein spannendes Duell, das Green knapp mit 2:3 verlor.
Im selben Jahr unterstrich er erneut, dass er zur Spitze des BDO-Circuits gehörte. Am 7. März erzielte er einen Drei-Dart-Average von unglaublichen 128,82 Punkten. Dieser Wert zählt zu den höchsten jemals dokumentierten Match-Averages.
Auch bei den Zuiderduin Masters hinterließ Green einen starken Eindruck. Er erreichte das Finale und schien dort lange auf dem Weg zum Titel. Gegen Ross Montgomery führte er bereits mit 4:0 in Sätzen.
Doch erneut entglitt ihm der Sieg in der Schlussphase. Montgomery kämpfte sich zurück und gewann schließlich mit 5:4. Green musste damit eine weitere schmerzhafte Finalniederlage verkraften.
Seine Leistungen reichten dennoch für eine erneute Qualifikation für Lakeside. 2011 ging er dort als gesetzter Spieler an den Start. In der ersten Runde besiegte er Andy Boulton deutlich mit 3:0, ehe Dean Winstanley im Achtelfinale mit 4:1 gewann.
Später im Jahr sicherte sich Green einen wichtigen Titel. Im Finale der Scottish Open setzte er sich mit 5:4 gegen Clive Bardon durch. Dank dieses Erfolgs übernahm er zwischenzeitlich sogar die Spitze der Weltrangliste.
Erstes Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft
Bei der BDO-WM 2012 war Green an Position vier gesetzt. Er startete mit einem Sieg gegen Darryl Fitton, scheiterte im Achtelfinale jedoch an Wesley Harms.
Ein Jahr später folgte sein bis dahin bester Auftritt auf Lakeside. Als Nummer fünf der Setzliste traf Green in der ersten Runde auf Titelverteidiger Christian Kist. Er gewann mit 3:1 und setzte sich anschließend mit 4:1 gegen Scott Mitchell durch. Damit erreichte er erstmals ein WM-Viertelfinale.
Dort stand ihm erneut Tony O’Shea gegenüber. Green gewann den ersten Satz und erhielt anschließend mehrere Chancen, auch den zweiten Durchgang für sich zu entscheiden. Er vergab jedoch gleich acht Darts auf ein Doppel. Am Ende verlor er die Partie mit 3:5.
Auch ohne großen Titel spielte Green ein starkes Jahr. Bei den Winmau World Masters erreichte er nach einem Sieg über Weltmeister Scott Waites das Halbfinale. James Wilson verhinderte anschließend seinen Einzug ins Endspiel.
Bei der BDO-WM 2014 ging Green noch einen Schritt weiter. Mit starken Leistungen und Averages von über 90 Punkten besiegte er Richie George, Gary Robson und Tony Eccles. Gegen Eccles gelangen ihm zudem spektakuläre Checkouts von 125 und 164 Punkten.
Erstmals stand Green damit im Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Stephen Bunting beendete seinen Traum allerdings mit einem deutlichen 6:1-Erfolg.
Anschließend gewann Green die Isle of Man Open. Im Finale besiegte er James Wilson mit 5:1 und erzielte dabei einen beeindruckenden Average von 114,65 Punkten.
2014 gab Green zunächst sein Debüt beim Grand Slam of Darts. Dort überstand er eine anspruchsvolle Gruppe mit Raymond van Barneveld, Robert Thornton und Vincent van der Voort.
Nach einer Niederlage gegen van Barneveld gewann er gegen Thornton und van der Voort. Das Duell mit van der Voort entschied Green durch ein spektakuläres 170er-Checkout im Entscheidungsleg.
Im Achtelfinale unterlag er Dave Chisnall. Bei der anschließenden BDO-WM 2015 zeigte Green jedoch erneut, dass er auf höchstem Niveau bestehen konnte. Als Nummer 16 der Setzliste besiegte er Darius Labanauskas und Peter Sajwani.
Vor seinem Viertelfinale gegen Jeff Smith sahen ihn die Buchmacher sogar als Favoriten. Smith sorgte jedoch für eine Überraschung und gewann deutlich mit 5:1.
Anfang 2015 sicherte sich Green über die Q-School erneut eine PDC-Tourcard. Zwar gelang ihm an keinem der vier Tage die direkte Qualifikation. Seine Platzierung in der Order of Merit reichte aber aus, um eine Tourcard für zwei Jahre zu erhalten.
In diesem Jahr erreichte er mehrere Viertelfinals bei den Players Championships. Außerdem zog er zum zweiten Mal hintereinander ins Achtelfinale des Grand Slam of Darts ein.
Dort geriet Green gegen Robert Thornton zunächst mit 0:4 und später mit 3:7 in Rückstand. Unter anderem dank eines 170er-Checkouts kämpfte er sich auf 6:7 heran. Letztlich verlor er jedoch mit 8:10.
Halbfinals auf der Pro Tour und Duelle mit den großen Namen
2016 lieferte eines der bemerkenswertesten Kapitel in Greens PDC-Karriere. Beim dritten Players Championship erreichte er das Halbfinale, in dem Michael van Gerwen mit 6:1 gewann. Nur zwei Tage später stand Green beim fünften Turnier erneut in der Vorschlussrunde. Diesmal setzte sich Ian White mit 6:4 durch.
Seine guten Ergebnisse brachten ihm eine Qualifikation für das World Matchplay ein. Zwölf Jahre nach seinem ersten Auftritt kehrte Green nach Blackpool zurück. Dort wartete mit Phil Taylor sofort eine enorme Herausforderung. Green verlor mit 8:10.
Auch für den World Grand Prix qualifizierte er sich. Gegen Dave Chisnall gewann Green den ersten Satz und erhielt anschließend sogar eine Chance, die Partie zu entscheiden. Er ließ sie jedoch ungenutzt. Chisnall drehte das Spiel und zog in die nächste Runde ein.
2017 gab Green schließlich sein Debüt bei der Darts WM der PDC. Gegen Raymond van Barneveld gewann er allerdings nur zwei Legs und verlor mit 0:3 in Sätzen.
Später im Jahr erreichte er erneut ein Halbfinale bei einem Players Championship. Beim Grand Slam gelang ihm außerdem ein deutlicher 5:1-Sieg über James Wade.
Verletzung beendet seine Profikarriere
Anfang 2018 schien Green weiterhin in der Lage, sich auf dem PDC-Circuit zu behaupten. Bei einem der Qualifikationsturniere für die UK Open gelang ihm sogar ein Neun-Darter.
Doch anschließend traf ihn der nächste schwere Rückschlag. Green litt unter einer Knieverletzung, deren Ursprung in einem Fußballvorfall aus seinem 15. Lebensjahr lag. Die Beschwerden beeinträchtigten seine Leistungen erheblich.
Er qualifizierte sich nicht mehr für die großen TV-Turniere und die European Tour. In der Weltrangliste fiel er schließlich auf Platz 77 zurück.
Bei der britischen Q-School 2019 gelang es Green nicht, sich erneut eine Tourcard zu sichern. Ab Juli 2019 trat er zunächst nicht mehr bei PDC-Turnieren an. Seinen letzten Auftritt auf dem PDC-Circuit absolvierte er schließlich am 26. Januar 2020 auf der Challenge Tour.
Wenige Wochen später spielte er am 16. Februar noch bei den Scottish Open im WDF-Circuit. Das blieb sein letzter Turnierauftritt.
Robbie Greens Karriere erzählt eine Geschichte voller Höhen und Tiefen. Als vielversprechender PDC-Spieler erreichte er zunächst das Viertelfinale der UK Open. Nach einer schwierigen Phase mit Sperre und finanziellen Problemen entwickelte er sich bei der BDO zu einem Spitzenspieler.
Dort führte er zwischenzeitlich die Weltrangliste an und erzielte einen historischen Average von 128,82 Punkten. Anschließend kehrte er zur PDC zurück, besiegte erneut große Namen und erreichte mehrere Halbfinals. Außerdem qualifizierte er sich unter anderem für das World Matchplay und den World Grand Prix.
Den großen WM-Titel, dem er in seinen besten Jahren nahekam, gewann Green nicht. Seine Laufbahn bot dennoch zahlreiche besondere Momente. Vor allem seine BDO-Erfolge, die spektakulären Duelle auf Lakeside und seine Rückkehr auf die großen PDC-Bühnen bleiben in Erinnerung.
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.