ZURÜCK IN DIE VERGANGENHEIT MIT: Peter Evison und seinem größten Triumph beim World Matchplay 1996

PDC
durch Nic Gayer
Dienstag, 23 März 2021 um 15:41
evison v priestley 1996 world matchplay final
In dieser Rubrik blicken wir regelmäßig auf prägende Persönlichkeiten aus der Darts-Vergangenheit zurück. Heute steht der Engländer Peter Evison im Mittelpunkt. Den größten Erfolg seiner Karriere feierte er 1996 mit dem Gewinn des World Matchplay.
Peter Evison wurde am 27. Mai 1964 im englischen Chiswick geboren. Anfang der 1980er-Jahre war er erstmals im Fernsehen zu sehen – allerdings noch nicht bei einem Dartturnier, sondern in der populären britischen Unterhaltungssendung Bullseye. Dort gelang es Evison und seinem Teamkollegen jedoch nicht, den Hauptpreis zu gewinnen.
1986 erhielt er schließlich erstmals die Gelegenheit, bei einem TV-Turnier anzutreten. Beim British Professional Championship – damals ein Major-Turnier – sorgte er direkt für eine Überraschung, als er in der Auftaktrunde Topspieler John Lowe ausschaltete. In der folgenden Runde musste er sich jedoch Kevin Kenny geschlagen geben.

Erster Major-Titel: Winmau World Masters

Ein breiteres Publikum wurde erstmals 1988 auf Evison aufmerksam, als er bei seinem Debüt bei der BDO-Weltmeisterschaft direkt das Viertelfinale erreichte. Nach Siegen über Dave Whitcombe und Fred McMullan scheiterte er dort schließlich am späteren Weltmeister Bob Anderson. Damit war Evisons Aufstieg eingeläutet – und bereits ein Jahr später feierte er seinen ersten großen Titelgewinn mit dem Triumph beim Winmau World Masters. Im Finale, das in jenem Jahr nicht im Fernsehen übertragen wurde, setzte er sich mit 3:2 gegen Eric Bristow durch.
Von seinem WM-Debüt 1988 bis einschließlich 1992 war Evison bei jeder BDO-Weltmeisterschaft vertreten, konnte sein Viertelfinalergebnis aus dem ersten Jahr jedoch nicht mehr übertreffen. 1993 gelang ihm die Qualifikation nicht. Später im selben Jahr entschied er sich gemeinsam mit fünfzehn weiteren Spielern, einen neuen Verband zu gründen: die PDC.
Bei der ersten Weltmeisterschaft der PDC zeigte Evison direkt starke Leistungen. In der Gruppenphase, in der auch Jerry Umberger und Kevin Burrows vertreten waren, belegte er den ersten Platz und qualifizierte sich damit für die K.-o.-Runde. Nach einem Sieg im Viertelfinale gegen Rod Harrington musste er sich im Halbfinale schließlich Dennis Priestley mit 3:5 geschlagen geben. Priestley wurde später auch der erste Weltmeister der PDC-Geschichte. Evison durfte anschließend noch das Spiel um Platz drei bestreiten, unterlag dort jedoch dem US-Amerikaner Steve Brown mit 1:5.
Ein Jahr später erreichte Evison erneut das Halbfinale der Weltmeisterschaft. Diesmal erwies sich jedoch Harrington, den er im Jahr zuvor noch besiegt hatte, mit 5:1 als zu stark. Auch das anschließende Spiel um Platz drei verlor er erneut – diesmal mit 2:4 gegen John Lowe.
Peter Evison gewann 1989 mit dem Winmau World Masters seinen ersten großen Major-Titel und etablierte sich damit endgültig auf der internationalen Bühne
Peter Evison gewann 1989 mit dem Winmau World Masters seinen ersten großen Major-Titel und etablierte sich damit endgültig auf der internationalen Bühne

Ikonisches Match gegen Phil Taylor

„The Fen Tiger“, wie Peter Evisons Spitzname lautete, reiste 1996 als ungesetzter Spieler zum World Matchplay. Er startete stark in das Turnier und setzte sich in der ersten Runde mit 8:3 gegen den Sieger von 1994, den US-Amerikaner Larry Butler, durch.
In der zweiten Runde wartete anschließend Phil Taylor. Taylor war zu diesem Zeitpunkt nicht nur amtierender Weltmeister, sondern hatte auch im Jahr zuvor das World Matchplay gewonnen und galt als klarer Favorit auf die Titelverteidigung in Blackpool. In den Winter Gardens sorgte Evison jedoch für die größte Überraschung seiner Karriere. Mit einem herausragenden Average von 103,77 besiegte er Taylor mit 8:1 – eine außergewöhnlich deutliche Niederlage für „The Power“, die das Publikum in Blackpool fassungslos zurückließ.
In den folgenden Runden erreichte Evison dieses hohe Niveau zwar nicht mehr ganz, setzte sich jedoch dennoch gegen Sean Downs und Jamie Harvey durch. Im Finale traf er auf Dennis Priestley. Was ihm zwei Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft nicht gelungen war, klappte diesmal: Evison knüpfte erneut an seine starke Leistung aus dem Taylor-Spiel an und gewann nach einem echten Krimi mit 16:14 gegen Priestley. Mit einem weiteren Average jenseits der 100-Punkte-Marke sicherte er sich damit seinen ersten und – wie sich später herausstellen sollte – einzigen großen Titel in der PDC.
1997 erreichte Evison zum dritten und letzten Mal das Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Erneut traf er dort auf Priestley, der sich diesmal nach einem echten Thriller mit 5:4 durchsetzte. Das anschließende Spiel um Platz drei – gegen Eric Bristow – konnte Evison diesmal jedoch mit 4:2 für sich entscheiden.
Auch in den folgenden Jahren blieb Evison ein ernstzunehmender Gegner auf der Tour, weitere Finalteilnahmen gelangen ihm jedoch nicht mehr. Letztlich blieb es bei drei Halbfinaleinzügen bei Weltmeisterschaften sowie einem weiteren Halbfinale beim World Grand Prix im Jahr 2002.

Rückblick auf Karriere und Sieg gegen Taylor

Mit besonderem Stolz blickt Evison auf seinen Erfolg gegen Phil Taylor zurück, einen der größten Namen der Darts-Geschichte. Während viele Spieler großen Respekt vor Taylor zeigten, blieb Evison bemerkenswert gelassen. „Ich hatte eine gute Bilanz gegen Phil. Ich dachte: Wenn ich mein eigenes Spiel spiele, kann ich ihn schlagen“, erinnert er sich. Für Evison entscheidet sich Darts letztlich am Board. „Du spielst gegen das Dartboard, nicht gegen die Person. Manche Spieler hatten Angst davor, gegen bestimmte Gegner zu spielen – ich nicht.“
Dieser mentale Ansatz erwies sich als entscheidend für das, was Evison selbst als einen der bedeutendsten Siege seiner Karriere betrachtet. Besonders bemerkenswert war zudem, dass ihm dieser Erfolg ausgerechnet auf einer Bühne gelang, auf der sich Taylor normalerweise besonders wohlfühlte. Auffällig ist außerdem, dass Evison seinen Erfolg nicht nur auf sein Spiel zurückführt, sondern auch auf seine Vorbereitung abseits der Bühne. Während Turniere in Blackpool häufig von Feiern und Ablenkungen begleitet werden, entschied er sich bewusst für Ruhe und Disziplin. „Ich habe es in dieser Woche anders gemacht“, erklärt er. „Ich bin nicht ausgegangen oder feiern gegangen. Ich wusste, dass ich konzentriert bleiben musste. Ich habe ein paar Getränke an der Bar genommen und bin danach rechtzeitig ins Bett gegangen.“ Mit seiner Freundin und seinem Sohn vor Ort blieb sein Fokus vollständig auf das Turnier gerichtet. „Normalerweise geht man in Blackpool schon mal in die Stadt, aber dieses Mal nicht. Ich habe mich vorbildlich verhalten.“
Dieser professionelle Ansatz zahlte sich aus: Evison fühlte sich während der gesamten Woche wohl und spielte mit großem Selbstvertrauen – mit einem denkwürdigen Sieg über eine der größten Legenden dieses Sports als Ergebnis.

Übersicht aller WM-Ergebnisse von Peter Evison

OrganisationJahrErgebnisGegnerResultat
BDO1988ViertelfinalsBob Anderson0–4
BDO1989ViertelfinalsEric Bristow3–4
BDO19901. RundeJack McKenna1–3
BDO19912. RundeKevin Kenny1–3
BDO19921. RundeKeith Sullivan1–3
PDC1994HalbfinalsDennis Priestley3–5
PDC1995HalbfinalsRod Harrington1–5
PDC1996ViertelfinalsJohn Lowe2–4
PDC1997HalbfinalsDennis Priestley4–5
PDC1998ViertelfinalsRod Harrington0–4
PDC19991. RundeDennis Smith0–3
PDC2000ViertelfinalsPeter Manley1–5
PDC20011. RundeDennis Smith0–3
PDC20021. RundeRichie Burnett1–4
PDC20032. RundeWayne Mardle3–4
PDC20043. RundeColin Lloyd1–4
PDC20053. RundeAndy Jenkins0–4

Rückkehr zur BDO

Nach 2005 fiel Evison in der Weltrangliste relativ schnell zurück und konnte sich schließlich nicht mehr für die großen Turniere qualifizieren. 2008 kehrte er zur BDO zurück. Sein bestes Ergebnis dort war der Einzug ins Viertelfinale der Swiss Open im Jahr 2009.
Er gehörte damals zu den wenigen Spielern, die nach ihrem Wechsel zur PDC später noch einmal zur BDO zurückkehrten. Anschließend versuchte er erneut, in der PDC Fuß zu fassen und sich über die Q-School eine Tour Card zu sichern. Dieses Vorhaben blieb jedoch erfolglos, und nach mehreren Anläufen auf der Challenge Tour beendete er 2018 im Alter von 54 Jahren endgültig seine Karriere. In den Jahren zuvor war Evison zudem von persönlichen Schicksalsschlägen betroffen: 2012 verstarb seine Ehefrau Angie nach langer Krankheit.
Peter Evison kehrte 2023 aus dem Ruhestand zurück, um auf der Senioren-Tour anzutreten
Peter Evison kehrte 2023 aus dem Ruhestand zurück, um auf der Senioren-Tour anzutreten

World Seniors Darts Tour

2022 kehrte Evison noch einmal kurz aus dem Ruhestand zurück, um bei der World Seniors Darts Tour anzutreten. Im Juli jenes Jahres nahm er am World Seniors Matchplay teil. Sportlich verlief dieses Comeback jedoch alles andere als erfolgreich. In seinem Auftaktmatch unterlag Evison Colin McGarry deutlich mit 0:8 und blieb dabei bei einem Average von lediglich 53,90.
Bei den darauffolgenden Turnieren war Evison nicht mehr im Einsatz zu sehen. Zudem wurde die World Seniors Darts Tour im Jahr 2025 eingestellt, sodass die Wahrscheinlichkeit äußerst gering ist, ihn künftig noch einmal bei einem großen Turnier auf der Bühne zu erleben.

Platz von Evison in der Darts-Geschichte

Nachdem seine Karriere inzwischen endgültig beendet ist, lässt sich auch besser einordnen, welchen Platz Peter Evison in der Darts-Geschichte einnimmt. Der Engländer war zwar kein Viel-Titelträger, gehörte jedoch über viele Jahre hinweg zu den stärkeren Spielern seiner Generation. Besonders sein Triumph beim World Masters 1989 darf dabei nicht unterschätzt werden. Die BDO war damals noch der einzige Verband im internationalen Dartsport, sodass sämtliche Topspieler an diesem Turnier teilnahmen.
Später gewann er auch bei der PDC einen Major-Titel, und mit insgesamt drei Halbfinaleinzügen bei Weltmeisterschaften stellte er mehrfach seine Konstanz auf höchstem Niveau unter Beweis. Zudem war Evison in der Lage, Averages jenseits der 100-Punkte-Marke zu spielen – etwas, das zu jener Zeit deutlich seltener vorkam als heute. Ein Vergleich zwischen verschiedenen Epochen bleibt zwar schwierig, doch mit seinem besten Niveau hätte Evison vermutlich auch im heutigen Dartsport konkurrenzfähig sein können.

„Vielleicht haben Partys mich Titel gekostet“

Am Ende blieb es für Evison bei jeweils einem Major-Titel in der BDO und in der PDC. Der Engländer, der für seinen entspannten Lebensstil bekannt war, räumt ein, dass Entscheidungen abseits der Bühne möglicherweise Einfluss auf seine Titelausbeute hatten. Auf die Frage, ob seine Vorliebe für das Nachtleben ihn zusätzliche große Erfolge gekostet habe, antwortete Evison bemerkenswert offen: „Wahrscheinlich schon, ja. Aber man sollte nichts bereuen.“
Dennoch blickt Evison zufrieden auf seine Karriere zurück. „Ich hatte eine großartige Zeit und habe überall auf der Welt Turniere gewonnen, während ich so gelebt habe, wie ich es getan habe“, erklärt er. Für Evison war vor allem das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entscheidend. „Man muss an sich selbst glauben. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich jeden schlagen kann.“
Diese Mischung aus Selbstvertrauen und Lebensfreude prägte Evison als Spieler: jemand, der den Sport ernst nahm, zugleich aber auch das Drumherum in vollen Zügen genoss – selbst wenn ihn das möglicherweise noch mehr große Erfolge gekostet hat.
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