Die
Premier League Darts schreibt auch 2026 ihre eigenen Geschichten – und in Rotterdam rückte neben dem Sport vor allem
Jonny Clayton in den Mittelpunkt. Der Waliser gewann den elften Spieltag und setzte sich im Finale mit 6:4 gegen Luke Littler durch. Für Gesprächsstoff sorgte jedoch vor allem eine persönliche Enthüllung, die selbst ihn ein wenig aus dem Konzept brachte.
Clayton gab nach seinem Triumph offen zu, dass er seinen 20. Hochzeitstag komplett vergessen hatte. Während seine Frau Ellen in Carmarthenshire blieb, konzentrierte sich der
Premier-League-Tabellenführer voll auf das Geschehen auf der Bühne. „Eigentlich hätte ich etwas Besonderes machen müssen, denn wir waren seit zwanzig Jahren verheiratet“, sagte Clayton und schmunzelte. „Aber ich habe es einfach vergessen. Vielleicht macht dieser Sieg das ein wenig wett.“
Vom Außenseiter zur Nummer eins
Vor Beginn der Saison rechneten nur wenige mit Clayton an der Spitze. Buchmacher und Experten sahen ihn eher am Tabellenende als im Titelrennen. Die Zweifel bekam der 51-Jährige deutlich zu spüren – und nutzte sie als Motivation.
Jonny Clayton führt aktuell die Premier League Darts an
„Es tat schon weh, als jemand sagte, ich sei Favorit auf den letzten Platz“, erklärte Clayton. „Das hat mich wirklich geärgert.“ Auf der Bühne liefert er seit Wochen die passende Antwort. Drei der letzten vier Duelle gegen Littler entschied er für sich, auch in Rotterdam behielt er die Nerven.
Sein Auftritt wirkt stabil, fokussiert und abgezockt. Gerade in engen Momenten spielt Clayton seine Erfahrung aus – ein Faktor, der in einem Feld voller Topspieler oft den Unterschied macht.
Generationenduell mit Respekt
Das Duell mit Luke Littler lebt nicht nur von der sportlichen Qualität, sondern auch vom Altersunterschied. 32 Jahre trennen die beiden Finalisten – ein Kontrast, den Clayton mit Humor nimmt. „Es ist ein bisschen der Großvater gegen das junge Kind an der Oche“, sagte er augenzwinkernd.
Trotz aller Lockerheit betont Clayton immer wieder den Respekt für seinen Gegner. „Er ist unglaublich gut und hat noch viele Jahre vor sich“, so der Waliser. Gleichzeitig merkt er selbst, dass die Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigeht: „In meinem Alter lässt das Spiel manchmal ein wenig nach.“
Littler stand in Rotterdam ebenfalls im Fokus – allerdings aus anderen Gründen. Nach seiner Auseinandersetzung mit Gian van Veen schlug ihm ein spürbar feindseliges Publikum entgegen. Schon beim Einlauf wurde der 19-Jährige von lautstarken Pfiffen begleitet, die selbst seine Walk-on-Musik übertönten.
Der Engländer zeigte sich davon unbeeindruckt. „Ich habe genau das erwartet“, sagte Littler nüchtern. „Sobald ich auf der Bühne stehe, konzentriere ich mich nur auf meinen Job.“
Erfahrung als Trumpf
Clayton beweist in dieser Saison eindrucksvoll, dass Routine im modernen Darts weiterhin entscheidend sein kann. Als Wildcard-Spieler gestartet, entwickelte er sich schnell zum konstantesten Akteur im Feld. Der Premier-League-Sieger von 2021 steuert erneut auf die Play-offs zu.
„Ich war schon drei Mal bei der Final Night“, erklärte Clayton. „Ich will wieder zeigen, dass die Leute falsch lagen.“ Seine Leistungen geben ihm recht – Woche für Woche.
Mit einem breiten Grinsen brachte er seine aktuelle Form selbst auf den Punkt: „Es läuft gut bei mir. In diesem alten Hund steckt noch eine Menge Leben.“
Die Mischung aus Claytons Konstanz und Littlers Ausnahmetalent verleiht der diesjährigen Premier League eine besondere Dynamik. Woche für Woche entstehen neue Geschichten – auf der Bühne und darüber hinaus.