„Wenn ich selbst ein Top-10-Spieler wäre, würde ich wahrscheinlich auch nicht so viel spielen. Warum sollte man das tun?“ – PDC-Chef Matt Porter sieht die vielen Absagen nicht als Problem

PDC
Dienstag, 02 Juni 2026 um 18:00
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Matt Porter hat ausführlich auf einige der meistdiskutierten Themen in der Dartswelt reagiert. In einem Interview mit Oche 180 sprach der PDC-Chef unter anderem über das Ranglistensystem, das Format der European Tour, die vielen Absagen von Topspielern und die Zukunft ikonischer Turniere wie dem World Matchplay.
Laut Porter bleibt die PDC fortlaufend im Austausch mit der Spielergewerkschaft PDPA über mögliche Änderungen an der Weltrangliste. Dabei betonte er, dass es nahezu unmöglich sei, alle zufrieden zu stellen.
„Solange ich diese Funktion habe, sprechen wir mit der PDPA über Veränderungen im Rankingsystem“, sagte Porter. „Wir haben auf Basis ihres Feedbacks bereits mehrere Anpassungen vorgenommen und werden das auch weiterhin tun.“
Der PDC-Boss weist darauf hin, dass die Interessen innerhalb des Sports enorm auseinandergehen. „Ein Spieler aus den Top Ten blickt völlig anders auf den Sport als jemand um Rang 150 der Welt. Wenn du hundert Spieler nach ihrem idealen System fragst, bekommst du wahrscheinlich fünfzig verschiedene Antworten.“

Neues Format der European Tour bewusst gewählt

Auch die Qualifikationskriterien für die European Tour kamen zur Sprache. In den vergangenen Jahren änderte sich das Format deutlich, wobei die Top 16 der Weltrangliste automatisch qualifiziert und zugleich als gesetzte Spieler geführt werden.
Laut Porter ist diese Entscheidung bewusst getroffen worden, um sowohl Topspieler als auch niedriger platzierte Akteure entgegenzukommen. „Wir haben das System evaluiert und dies als bessere Balance empfunden. Einerseits wollen wir Spielern weiter unten in der Rangliste Chancen bieten, andererseits wollen wir Topspieler auch für ihre Leistungen belohnen.“
Zudem spielt laut Porter auch der kommerzielle Aspekt eine wichtige Rolle. „Die Events müssen für das Publikum in der Halle attraktiv bleiben. Am Ende können Turniere nur erfolgreich sein, wenn die Leute weiterhin Tickets kaufen.“
Kritiker behaupten regelmäßig, dass das aktuelle System drohe, zu einer Art geschlossenem Zirkel zu werden, in dem Spieler außerhalb der Top 32 kaum noch durchbrechen können. Porter versteht diese Bedenken, teilt sie vorerst jedoch nicht.
„Die Zahlen zeigen derzeit nicht, dass es zu einem geschlossenen System wird“, erklärte er. „Sollte das passieren, werden wir erneut über Änderungen nachdenken. Das ist absolut nicht, was wir wollen.“
Laut Porter investiert die PDC weiterhin in Aufstiegsmöglichkeiten für Spieler außerhalb der Weltspitze. „Wir brauchen diesen Durchfluss, um den Sport frisch zu halten. Es wird immer zusätzliche Chancen für Spieler weiter unten in der Rangliste geben.“

Porter hat Verständnis für Absagen von Topspielern

Ein weiteres viel diskutiertes Thema in dieser Saison sind die zahlreichen Absagen von Topspielern für Players Championship-Turniere und European Tour-Events. Vor allem während der Premier League Darts entschieden sich viele große Namen dafür, zu pausieren.
Porter sieht darin jedoch keinerlei Problem. „Nein, ehrlich gesagt mache ich mir darüber keine Sorgen“, sagte er resolut. „Spieler müssen ihren Kalender selbst so managen, wie es für sie am besten ist.“
Mehr noch, Porter versteht sehr gut, warum Spieler aus der Weltspitze bestimmte Turniere auslassen. „Wenn ich selbst ein Top-10-Spieler wäre, würde ich wahrscheinlich auch nicht so viele Players Championships spielen. Warum sollte man das tun?“
Nach Ansicht des PDC-Direktors sind diese Floor-Turniere für Topspieler oft vor allem Trainingseinheiten. „Solange du früh in der Saison genug Preisgeld gewonnen hast, um dich für die Players Championship Finals zu qualifizieren, kannst du es dir erlauben, selektiver zu sein.“
Der dichte Kalender spielt dabei eine wichtige Rolle. „Ihr Programm ist extrem intensiv. Gerade in der Premier-League-Phase ist es schwierig, am Donnerstagabend spät zu spielen und am Freitagmorgen direkt weiter zur European Tour zu reisen.“
Porter erwartet daher, dass viele Premier-League-Spieler in der zweiten Saisonhälfte häufiger auf der European Tour zu sehen sein werden. „Jetzt, wo die Premier League vorbei ist, wirst du wahrscheinlich einen Unterschied bei der Präsenz der Topspieler sehen.“
Für die kleineren Namen sieht Porter in den Absagen der Weltstars sogar Vorteile. „Das schafft vielmehr zusätzliche Chancen für Spieler weiter unten in der Rangliste, um Preisgeld zu verdienen. Insofern: viel Erfolg damit.“

Winter Gardens bleibt unantastbar

Zum Schluss ging Porter auf die enorme Nachfrage nach Tickets für große Dartturniere ein. Vor allem für das World Matchplay in Blackpool und die WM im Alexandra Palace ist das Interesse größer denn je.
Die PDC steht dadurch vor einem schwierigen Dilemma: mehr Fans Zugang gewähren und gleichzeitig die ikonischen Spielstätten bewahren. Für Porter steht dabei eines fest: Das World Matchplay gehört schlichtweg in die Winter Gardens.
„Das World Matchplay ist so ikonisch und so eng mit den Winter Gardens verbunden, dass es eigentlich keine Alternative gibt“, stellte er klar. „Es wird immer enttäuschte Menschen geben, die kein Ticket bekommen, aber wir versuchen, die Ticketpreise fair zu halten und das Verkaufssystem so gerecht wie möglich zu gestalten.“
Ein Umzug des Turniers ist laut Porter daher überhaupt kein Thema. „Ich glaube nicht, dass viele Menschen einverstanden wären, wenn wir das World Matchplay aus den Winter Gardens wegverlegen würden. Es war auch nie etwas, worüber wir ernsthaft gesprochen haben.“
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