James Wade hat ungewöhnlich persönliche Einblicke in sein Leben als Profidarter gegeben. Der 43-jährige Engländer gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zur Weltspitze, räumt inzwischen jedoch ein, dass ihn sein konsequent zurückgezogener Lebensstil womöglich um einige der schönsten Momente seiner Karriere gebracht hat. Wade, aktuell die Nummer sechs der Weltrangliste, hat sich über viele Jahre bewusst von seinen Kollegen abgeschottet.
Während viele Profis die Zeit vor und nach ihren Spielen gemeinsam verbringen, bevorzugt Wade seit jeher die Ruhe. Der Engländer bereitet sich am liebsten allein auf seine Partien vor und hat den sozialen Teil des Touralltags nie besonders gesucht.
James Wade hinterfragt seinen zurückgezogenen Lebensstil
„Ich mache die Dinge auf die einsamste Art im Darts“, sagt Wade gegenüber der PDC. „Alle haben das Gefühl, sie müssten nebeneinandersitzen und ihr Ding machen. Ich hatte immer das Bedürfnis, allein zu sitzen und mein eigenes Ding zu machen.“
James Wade spricht offen darüber, wie ihn sein bewusst zurückgezogener Lebensstil als Profidarter geprägt hat.
Diese Herangehensweise half ihm über viele Jahre dabei, sich voll und ganz auf seine Leistungen zu konzentrieren. Mit zunehmendem Alter blickt Wade jedoch differenzierter darauf zurück. Heute fragt er sich, ob ihn diese Entscheidung nicht auch um wertvolle Erlebnisse abseits der Bühne gebracht hat. „Als ich etwas älter wurde, denke ich, dass ich mich wahrscheinlich um bessere Zeiten abseits des Darts gebracht habe, weil ich viel Zeit allein verbringe“, gesteht der Engländer.
Erst vor Kurzem hatte Wade zudem erklärt, dass er sich trotz seiner außergewöhnlichen Karriere noch immer häufig unterschätzt fühlt. Auch nach mehr als 20 Jahren an der Weltspitze verfolgt er weiterhin das Ziel, große Titel zu gewinnen.
Familie macht Turniere leichter
Eine Ausnahme von seinem gewohnten Rückzug macht Wade nur, wenn ihn seine Familie zu Turnieren begleitet. Dann fühlt sich der Touralltag für den Engländer deutlich anders an. „Es ist schön, wenn meine Familie bei mir ist, weil es sich dann nicht anfühlt, als wäre ich bei der Arbeit.“
Diese Aussage verdeutlicht, wie sehr die vielen Reisen und die langen Zeiten fern der Heimat den Profi-Alltag prägen. Trotz seiner beeindruckenden Karriere gehören auch diese Belastungen seit vielen Jahren zu seinem Leben.
Dennoch bereut Wade seinen eingeschlagenen Weg nicht. Seine Laufbahn zählt zu den erfolgreichsten der PDC-Geschichte und bietet aus seiner Sicht keinen Anlass für Zweifel.
Elf Major-Titel, aber kein WM-Triumph
In seiner Karriere gewann Wade bislang elf Major-Titel der PDC. Mehr Premier-Event-Trophäen holten lediglich Phil Taylor, Michael van Gerwen und Luke Littler. Damit hat sich „The Machine“ längst einen Platz unter den erfolgreichsten Spielern der Darts-Geschichte gesichert.
Eine Trophäe fehlt allerdings bis heute in seiner Sammlung: der Weltmeistertitel. Gleich viermal erreichte Wade das Halbfinale der Weltmeisterschaft, der Einzug ins Endspiel blieb ihm jedoch stets verwehrt. Deshalb gilt der Engländer für viele als der beste Spieler, der nie Weltmeister wurde.
Trotzdem würde Wade seine Karriere gegen keine andere eintauschen. Die Motivation, weiterhin auf höchstem Niveau zu spielen, ist ungebrochen. „Da muss immer noch etwas sein, denn ich mache es ja immer noch. Warum sollte ich mir das antun? Manchmal ist es die Hölle. Aber es gibt auch schlimmere Jobs.“
„Darts ist eigentlich ein ziemlich einfacher Job“
Bei aller Belastung verliert Wade seinen Humor nicht. Er weiß, dass der Beruf des Profidarters trotz aller Schattenseiten viele Vorteile bietet. „So ist es nun einmal. Was sollte ich sonst tun? Ich könnte Autos reparieren, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Vollzeit machen zu müssen, würde mich nicht reizen.“
Deshalb weiß der Engländer auch genau einzuordnen, was sein Beruf mit sich bringt. „Darts ist eigentlich ein ziemlich einfacher Job, wenn man das Reisen und das Wegsein von der Familie außen vor lässt.“
Wades Aussagen zeigen, dass hinter seiner außergewöhnlichen Karriere weit mehr steckt als Titel, Preisgelder und Erfolge. Über viele Jahre gehörten Einsamkeit und die langen Phasen fern der Familie ebenso zu seinem Alltag wie sportliche Höhepunkte. Dennoch ist für „The Machine“ eines klar: Solange die Motivation vorhanden ist, denkt er noch lange nicht daran, seine Karriere zu beenden.