Michael van Gerwen gehörte über viele Jahre zum Maß aller Dinge im Darts. Der Niederländer gewann nahezu jeden großen Titel und galt als der Spieler, der in den entscheidenden Momenten zuverlässig seine Bestleistung abrief. Inzwischen hat sich dieses Bild jedoch verändert. Zwar zeigt der dreifache Weltmeister immer wieder, dass er noch immer auf absolutem Topniveau spielen kann, doch seine Leistungen schwanken deutlich stärker als früher.
Immer dann, wenn Zweifel an seiner Form aufkommen, gelingt van Gerwen regelmäßig ein beeindruckendes Comeback. Mit starken Turnieren oder herausragenden Auftritten erinnert er daran, dass er weiterhin zur Weltspitze gehören kann. Dennoch sehen Experten die fehlende Konstanz inzwischen als seine größte Herausforderung.
Nur Phil Taylor bildet die Ausnahme
Darts-Expertin Laura Turner betont, dass van Gerwen immer wieder in der Lage sei, auf Kritik zu reagieren und sein Niveau anzuheben.
Michael van Gerwen zeigt weiterhin Weltklasseleistungen, kämpft nach Ansicht mehrerer Experten jedoch zunehmend mit der Konstanz seiner Auftritte.
„Jedes Mal, wenn wir Michael van Gerwen infrage stellen, findet er noch einmal etwas. Er findet ein weiteres Level“, sagte Turner im
Love the Darts Podcast.Gleichzeitig verwies sie darauf, wie schwierig es sei, über viele Jahre hinweg dieselbe Intensität aufrechtzuerhalten. „Wenn man einen Sport so viele Jahre auf diesem Niveau betreibt wie er, dann stelle ich mir das unglaublich schwer vor – es sei denn, man ist Phil Taylor“, erklärte sie. Beim World Matchplay gegen Dirk van Duijvenbode habe van Gerwen ihrer Ansicht nach zudem nicht sein bestes Darts gezeigt. „Gegen Dirk ist der Funke bei ihm nicht wirklich übergesprungen.“
Van Gerwen ist kaum noch berechenbar
Für Darts-Kommentator Chris Murphy liegt genau darin das größte Problem. Aus seiner Sicht ist van Gerwen inzwischen der unberechenbarste Spieler der Weltspitze.
„Ich glaube, er ist inzwischen der unvorhersehbarste Spieler im Darts – und ich denke, das ist eine große Sorge für ihn“, sagte Murphy. „Ich glaube nämlich nicht, dass er selbst weiß, was ihn erwartet, wenn er ans Oche tritt. Früher erwartete er, zu gewinnen und seine Gegner zu dominieren. Heute weiß man es einfach nicht mehr.“
Diese Unberechenbarkeit könne allerdings in beide Richtungen ausschlagen. „Wie Laura gesagt hat: Dieses 'Man weiß es nicht' kann bedeuten, dass er unglaubliche Darts spielt und Turniere gewinnt. Es kann aber genauso gut bedeuten, dass er früh ausscheidet, ohne überhaupt eine gute Leistung zu zeigen.“
Michael Bridge zieht Vergleich mit Manchester United
Darts-Moderator Michael Bridge verglich van Gerwen mit Manchester United. Dabei ging es ihm weniger um die sportliche Situation des englischen Rekordmeisters als vielmehr um dessen besondere Ausstrahlung.
„Manchester United ist nicht mehr die Mannschaft aus der Ferguson-Ära. Trotzdem besitzt der Klub noch immer diesen besonderen Glanz“, sagte Bridge. „Das sage ich in diesem Podcast immer wieder: Wenn du ein Ticket für Michael van Gerwen hast, dann kannst du dich auf einen großartigen Abend freuen.“
Murphy griff den Vergleich anschließend auf und stellte die entscheidende Frage: „Ja, aber wann hört das auf? Man sagt immer, dass er es noch in sich hat – aber wann ist das vorbei? Manchester United ist ein gutes Beispiel, denn sie haben nie mehr zu ihren glorreichen Zeiten zurückgefunden.“
Trotz aller Formschwankungen schreibt dennoch kaum jemand den dreifachen Weltmeister ab. Seine Erfahrung, seine enorme Scoring-Stärke und sein Siegerinstinkt machen ihn auf den größten Bühnen weiterhin zu einem gefährlichen Gegner. Die entscheidende Frage lautet inzwischen jedoch weniger, ob van Gerwen noch Weltklasseleistungen abrufen kann – sondern ob es ihm gelingt, diese wieder dauerhaft zu zeigen.