Die Situation rund um
Dimitri Van den Bergh ist seit Monaten Gesprächsthema in der Dartswelt. Was einst ein Spieler war, der mühelos an der absoluten Spitze mitspielte, ist heute in einen Kampf gegen die Zeit, die Rangliste und sich selbst verstrickt. Der zweifache Major-Sieger steht an einem Wendepunkt seiner Karriere, und 2026 droht ein alles entscheidendes Jahr zu werden.
Die Rechnung der Vergangenheit
In der Welt der PDC zählt nur eines: was du in den vergangenen zwei Jahren geleistet hast. Dieses System spielte lange Zeit Van den Bergh in die Karten, wendet sich nun aber gegen ihn. Große Beträge verschwinden Stück für Stück aus der Weltrangliste, am härtesten war das Wegfallen der 110.000 Pfund im März von seinem UK Open Sieg 2024.
Dabei bleibt es nicht. Auch starke Auftritte bei anderen großen Turnieren werden aus seinem Gesamtbetrag gestrichen: ein Halbfinale beim World Grand Prix, ein Viertelfinale beim World Matchplay, eine dritte Runde bei der WM, ein Floor-Turniersieg und die Teilnahme am Grand Slam of Darts. In Summe bedeutet das einen kräftigen Einschnitt in seiner Weltrangliste.
Die Folge liegt auf der Hand: Erstmals seit 2018 fiel Van den Bergh aus den Top 32 der Welt. Und schlimmer noch, er flirtet nun sogar virtuell mit der Untergrenze der Top 64 – der entscheidenden Linie für den Erhalt einer PDC Tour Card.
Abwärtsspirale
Dass dieser Rückfall kam, ist kein Zufall. Das Jahr 2025 war schlicht enttäuschend. Die Ergebnisse blieben aus, sein Niveau sank sichtbar und die Spielfreude schien völlig verschwunden. Selbst eine zweimonatige Pause zur mentalen Erholung brachte nicht sofort Besserung. Im Jahr 2025 spielte der Belgier nur 74.500 Pfund ein.
Am Oche wurde es von Spiel zu Spiel schwieriger. Seine Averages fielen auf Werte um die 80 bis 85, während er in seinen besten Jahren locker um die 100 Punkte im Average warf. Partien, die er früher mühelos gewann, gingen nun verloren – teils sogar deutlich.
Schmerzhaft waren unter anderem die Niederlagen bei den Players Championships, wo er zweimal mit 0:6 verlor – gegen Gegner, die selbst kein außergewöhnliches Niveau erreichten. Das sind Signale eines Spielers, der mit Selbstvertrauen und Rhythmus ringt.
Auch bei den Qualifikationen der European Tour lief es aus dem Ruder. Dabei sind diese Turniere wegen des höheren Preisgelds entscheidend. Doch in den ersten sieben Qualifiers konnte Van den Bergh nur ein einziges Match gewinnen. Der Mangel an Bühnenchancen verstärkte so die Negativspirale.
Dimitri Van den Bergh steht derzeit auf Platz 36 der Weltrangliste
Mentale Auseinandersetzung
Immer mehr Beobachter verweisen auf den mentalen Aspekt als Schlüssel zu seinen Problemen. Im Darts ist der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage oft minimal, und Selbstvertrauen spielt dabei eine enorme Rolle. Der Druck auf Van den Bergh hat in den vergangenen Monaten nur zugenommen. Als ehemaliger Major-Sieger werden große Erwartungen an ihn gestellt, zugleich häuften sich die Enttäuschungen. Das führt zu einem Teufelskreis: weniger Vertrauen, schlechtere Leistungen – und umgekehrt.
Manche gehen sogar so weit zu sagen, dass ein
temporärer Schritt zurück ihm helfen könnte. Eine Phase fern der Pro Tour würde ihm die Chance geben, sich mental und technisch neu aufzubauen, ohne den ständigen Ergebnisdruck.
Erste Zeichen der Besserung
In den vergangenen Wochen ist dennoch eine vorsichtige Trendwende erkennbar. Bei den Players Championships konnte Van den Bergh endlich wieder Matches gewinnen – und wie. In seiner ersten Partie kämpfte er sich von einem 0:4- und 1:5-Rückstand zu einem 6:5-Sieg zurück. Solche Comebacks fehlten lange in seinem Spiel, zeigen nun aber, dass seine mentale Widerstandsfähigkeit zurückkehrt.
Auch in der darauffolgenden Runde bewies er Durchhaltevermögen. Gegen einen starken Gegner ging er in Führung, gab sie wieder aus der Hand, setzte sich am Ende aber doch durch. Es sind kleine Signale, in dieser Phase seiner Karriere jedoch besonders wichtig.
Selbst in einer verlorenen Partie zeigte er Charakter, indem er einen großen Rückstand beinahe drehte. Genau solche Auftritte deuten darauf hin, dass das Fundament neu gelegt wird.
Die Bedeutung von Spielfreude
Vielleicht noch wichtiger als die Resultate ist die Tatsache, dass Van den Bergh offenbar wieder Freude am Spiel findet. Wer seine Matches verfolgt, sieht einen Spieler, der lockerer wirft und weniger verkrampft wirkt. Das ist essenziell. Im Darts entstehen Topleistungen selten aus Anspannung oder Verkrampfung. Die besten Spieler verbinden Fokus mit Gelassenheit, und genau dieses Gleichgewicht schien er lange verloren zu haben.
Seine eigenen Worte nach einem jüngsten Spiel sprechen Bände: Er spürt, dass das Training Früchte trägt, und betont zugleich, dass noch ein weiter Weg vor ihm liegt. Diese Kombination aus Realismus und vorsichtigem Optimismus ist vielsagend.
Die harte Realität der Rangliste
Trotz dieser positiven Signale bleibt die Lage heikel. Im sogenannten „Tour Card Race“ steht Van den Bergh aktuell außerhalb der Top 64. Das bedeutet, dass er Stand jetzt seine PDC Tour Card verlieren würde. Der Abstand zur sicheren Zone ist gering, aber gerade deshalb so gefährlich. Jede verpasste Chance zählt, jedes frühe Aus kann am Saisonende den Ausschlag geben.
Der Fokus muss sich in den kommenden Monaten daher auf die Pro-Tour-Turniere und die Qualifikationen für die European Tour richten. Dort führt der schnellste Weg zu Preisgeld und damit zu einer besseren Rangliste. Die Qualifikation für große TV-Turniere scheint vorerst außer Reichweite, doch das muss kein Drama sein. Wenn er auf dem Floor wieder konstant liefert, kann er sich Schritt für Schritt zurückarbeiten.
Entscheidende Monate
Die nächste Phase wird richtungsweisend. Gelingt es Van den Bergh, seine aktuelle Linie fortzusetzen und sein Niveau nachhaltig zu erhöhen, ist die Rückkehr in die Top 64 absolut machbar. Fallen die Leistungen jedoch wieder ab, droht ein Szenario, in dem er seine PDC Tour Card verliert – mit allen Konsequenzen.
Eines ist klar: Das Talent ist nicht verschwunden. Die Frage ist, ob er es dann abrufen kann, wenn es wirklich zählt. Nach Monaten voller Zweifel und Enttäuschungen gibt es wieder einen Funken Hoffnung. Die Negativspirale scheint durchbrochen, das Vertrauen wächst und die Ergebnisse folgen langsam.
Dennoch ist Vorsicht geboten. Im Darts kann es schnell gehen – in beide Richtungen. Eine gute Woche ist noch kein Comeback, kann aber der Beginn von etwas Neuem sein. Für Dimitri Van den Bergh ist der Auftrag klar: weiter aufbauen, weiter glauben und vor allem die Freude am Spiel bewahren. Nur so kann er seiner Karriere wieder eine Richtung geben.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieses Aufbäumen der Beginn einer echten Wiederauferstehung ist oder nur ein kurzer Aufschwung in einer schwierigen Saison.