Gerwyn Price schrieb am vergangenen Sonntag Geschichte, als er beim
European Darts Grand Prix 2026 im Glaspalast in Sindelfingen seinen zehnten Titel auf der
European Tour gewann. Damit ist der Waliser nach Michael van Gerwen erst der zweite Spieler überhaupt, der eine zweistellige Zahl an Turniersiegen auf diesem Circuit erreicht hat.
Auf dem Weg zum Titel setzte sich der Weltmeister von 2021 zunächst mit 6:4 gegen Dave Chisnall durch, ehe er mit einem starken 105,96er-Average souverän an Chris Dobey vorbeizog. Seine größte Bewährungsprobe überstand Price jedoch im Viertelfinale gegen
Martin Schindler, der im Entscheidungsleg einen Matchdart verpasste. Danach nahm Price Revanche an
Wessel Nijman, bevor er ins Finale einzog.
Price setzt historisches Ausrufezeichen
Im Endspiel traf Price auf Ross Smith, der nach einem 0:3-Rückstand stark zurückkam und zwischenzeitlich die Führung übernahm. Doch Smith ließ wichtige Doppel liegen, während Price beim Stand von 6:5 das Break schaffte und sich die Führung zurückholte. Zwar verkürzte Smith noch einmal auf 7:6, am Ende setzte sich der Waliser jedoch knapp durch und sicherte sich den Titel.
Smith wartet damit weiterhin auf seinen ersten European-Tour-Titel, nachdem er bereits vor zwei Jahren das Finale im Glaspalast erreicht hatte. Dennoch kann er viel Zuversicht aus einem starken Wochenende mitnehmen. Auch Krzysztof Ratajski überzeugte erneut und erreichte erstmals in seiner Karriere zwei European-Tour-Halbfinals in Folge.
Gleiches gilt für Wessel Nijman, der in nur 13 Auftritten bereits sein sechstes Pro-Tour-Halbfinale der Saison erreichte. Zudem war es ein stark niederländisch geprägtes Wochenende, da Danny Noppert ebenfalls zum dritten Mal in Serie ein European-Tour-Halbfinale erreichte.
Der
European Darts Grand Prix in Sindelfingen bot zahlreiche Geschichten. Unsere Autoren ordnen das Wochenende ein und teilen ihre persönlichen Eindrücke, Analysen und Einschätzungen zu den wichtigsten Entwicklungen des Turniers.
Nicolas Gayer (DartsNews.DE)
Der European Darts Grand Prix 2026 liegt hinter uns, und ich möchte gleich vorweg sagen: Sindelfingen ist definitiv eine Reise wert. Die Atmosphäre, die Positivität der Menschen und das Gesamterlebnis werden dem Ruf einer der ikonischsten European-Tour-Spielstätten vollauf gerecht.
Nachdem ich meine Landsleute in den vergangenen Wochen sportlich etwas kritischer gesehen habe, fühlte sich dieses Wochenende für mich wie ein kleiner Durchbruch an. Martin Schindler erreichte erstmals in diesem Jahr ein European-Tour-Viertelfinale. Auch wenn „The Wall“ nicht durchgehend mit seinem besten Niveau überzeugte und –
wie er selbst im Interview mit unserer Redaktion bestätigte – den Sieg gegen Damon Heta vor allem über Willensstärke erzwang, gab es Phasen, in denen ich genau jenen Schindler gesehen habe, der vor fast genau zwei Jahren seinen ersten European-Tour-Titel gewann. Selbst wenn er aktuell noch ein Stück von diesem Level entfernt ist, machen Auftritte wie der gegen Jonny Clayton für mich Mut, dass er bald wieder eine größere Rolle spielen kann.
Martin Schindler erreichte in Sindelfingen erstmals in diesem Jahr ein Viertelfinale auf der European Tour und zeigte dabei phasenweise wieder sein Topniveau
Hervorheben möchte ich außerdem eine der bemerkenswertesten Geschichten des Wochenendes, die fast ein wenig unterging: Robin Masino verlor zwar in der Auftaktrunde als Host Nation Qualifier gegen Niko Springer, feierte in Sindelfingen aber nicht nur sein European-Tour-Debüt – das Qualifikationsturnier markierte seinen allerersten Auftritt bei einem PDC-Event. Keine schlechte Statistik.
Ein weiterer Spieler, der mich an diesem Wochenende beeindruckt hat, war Michael van Gerwen – nicht unbedingt wegen seiner Leistungen am Oche, sondern wegen dessen, was abseits davon geschah. Seine
scharfen Kommentare in Richtung Michael Unterbuchner wurden mancherorts heftig kritisiert, und ich verstehe warum. Trotzdem muss ich sagen: Genau das ist der Michael van Gerwen, den ich sehen will. Diese Präsenz, diese Kante, diese Intensität – ich glaube, sie tun seinem Spiel gut.
Samuel Gill (DartsNews.com)
Die Diskussion muss sich an diesem Wochenende natürlich um Gerwyn Price drehen, der seinen zehnten European-Tour-Titel gewonnen hat. Für mich war das ein Erfolg, der sich bereits angekündigt hatte – und ich glaube weiterhin, dass auch ein Major-Titel möglich ist, wenn er seine Karten richtig spielt.
Das haben wir zwar schon häufiger über Price gesagt, weil er oft im Rennen um große Titel war, aber entweder hat er den Sack nicht zugemacht oder er traf auf Luke Littler. Vielleicht ist eine European Tour ohne direkte Duelle mit „The Nuke“ deshalb gleichzeitig Fluch und Segen für ihn, weil er häufig genau an ihm scheitert.
Auch Ross Smith sendet für mich weiterhin positive Signale. Sein erster European-Tour-Titel fehlt zwar noch, aber es ist gut zu sehen, dass ein Spieler mit einer derart furchteinflößenden Scoring-Power wieder ganz vorne mitmischt. Apropos furchteinflößend: Wessel Nijman untermauert mit einem weiteren starken Lauf erneut, dass er mittlerweile zu den stärksten Akteuren auf der Tour gehört. Für mich ist er definitiv ein Spieler, den man auch im Major-Kontext auf dem Zettel haben muss.
Lucas Michael (DartsNews.com)
Ein weiteres European-Tour-Event kommt und geht im Jahr 2026, und erneut gibt es zahlreiche neue Geschichten. Am auffälligsten war für mich Gerwyn Price, der seinen zehnten Titel holte. Er war das ganze Wochenende über souverän, ohne überhaupt sein bestes Darts spielen zu müssen. Wenn der Waliser Tops zuverlässig trifft, bekommen selbst die besten Spieler der Welt Kopfschmerzen gegen ihn.
Für mich besteht Prices nächster Schritt darin, entweder einen weiteren Major- oder European-Tour-Titel zu gewinnen und gleichzeitig den „Dämon“ Luke Littler zu vertreiben, wenn er zu jenem elektrisierenden Niveau zurückkehren will, das ihn einst zur Nummer eins der Welt und zum Weltmeister machte. Er war in diesem Jahr und auch in der zweiten Hälfte des Vorjahres brillant, aber die vielen schmerzhaften Niederlagen gegen „The Nuke“ hinterlassen weiterhin einen bitteren Beigeschmack. Trotzdem gehört er aktuell zu den formstärksten Spielern der Welt – das zeigt auch dieser Titel.
Auch Ross Smith hat trotz der Finalniederlage erneut seine Klasse gezeigt. Für mich gehört er zu den besten Spielern ohne European-Tour-Titel. Er hat es hervorragend geschafft, sich ins Finale zurückzukämpfen, ehe letztlich ein einziges Leg die zuvor geleistete Arbeit zunichtemachte. Verpasste Doppel gegen Topspieler sind auf diesem Niveau ein Rezept für ein Desaster – und genau das ist passiert. Wenn Smith diesen Trend brechen will, muss er solche Chancen nutzen. Trotzdem war das insgesamt ein sehr starker Auftritt von ihm.
Was mir außerdem wieder aufgefallen ist: Auf der European Tour erreichen die großen Namen längst nicht mehr automatisch die späten Runden. Im Achtelfinale allein schieden innerhalb weniger Stunden James Wade, Josh Rock, Stephen Bunting und Jonny Clayton aus. Michael van Gerwen entkam zunächst nur knapp einer Niederlage und verlor anschließend im Viertelfinale mit einer schwachen Vorstellung. Tags zuvor waren auch Gian van Veen und Gary Anderson in Runde zwei ausgeschieden. Für mich ist das ein weiteres Beispiel dafür, wie offen Darts derzeit ist.
Unvermeidlich war für mich hingegen, dass Wessel Nijman wieder in den späten Turnierphasen auftauchen würde. Seit seinem Titelgewinn bei der European Darts Trophy hatte er zwar zwei Erstrundenniederlagen kassiert, meldete sich in Sindelfingen aber eindrucksvoll mit einem Halbfinaleinzug zurück. Am Sonntag war er nicht einmal in Bestform, fand aber dennoch Wege zu gewinnen – für mich ein sehr positives Zeichen bei einem Spieler mit so viel Potenzial.
Pieter Verbeek (DartsNieuws.com)
Gerwyn Price hat in diesem Jahr bereits zwei Premier-League-Abendtitel und eine Players-Championship-Trophäe gewonnen. Für mich war es deshalb nur eine Frage der Zeit, bis er auch auf der European Tour wieder zuschlägt. In Sindelfingen hat er genau das geschafft. Bemerkenswert fand ich dabei vor allem, dass er – abgesehen vom Spiel gegen Chris Dobey – nicht einmal sein allerbestes Darts zeigen musste.
Für Price ist es ein enormer Vertrauensschub zu wissen, dass er auch ohne sein A-Game Titel gewinnen kann. Der nächste Schritt für ihn besteht nun darin, seine lange Durststrecke bei im Fernsehen übertragenen Ranglisten-Majors zu beenden – etwas, das ihm seit fast fünf Jahren nicht mehr gelungen ist.
Wessel Nijman hat aus meiner Sicht erneut unterstrichen, dass er derzeit der konstanteste niederländische Spieler auf der Tour ist. Er erreichte zum dritten Mal in dieser Saison die Final-Session eines European-Tour-Turniers und unterlag erst im Halbfinale Price. Außerdem ist er erstmals in seiner Karriere in die Top 16 der Welt eingezogen – ein wichtiger Meilenstein.
Für Gian van Veen war es dagegen ein enttäuschendes Wochenende. Er verlor sein Auftaktmatch gegen Joe Cullen, und selbst Cullen deutete anschließend an, dass Van Veen ausgelaugt wirkte. Ich frage mich, ob das vielleicht der Preis für eine intensive Premier-League-Saison ist. Immerhin hat er noch mehrere Monate Zeit, um seine Topform wiederzufinden.
Ähnliches lässt sich für mich auch über Michael van Gerwen sagen. Trotz Viertelfinaleinzugs konnte er keinen starken Eindruck hinterlassen. Über drei Partien hinweg spielte er keinen Average über 91,37. Da bleibt aus meiner Sicht noch einiges zu tun.
Bram Coenen (DartsNieuws.com)
Das fünfte European-Tour-Event des Jahres ist vorbei, und zum fünften Mal gab es einen anderen Sieger. Für mich kam der Erfolg von Gerwyn Price dennoch nicht überraschend. Er hatte in diesem Jahr bereits einen Players-Championship-Titel gewonnen und liefert auch in der Premier League solide Leistungen. Zudem spielt er seit Monaten konstant hohe Averages – deshalb war ein weiterer European-Tour-Titel aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit.
Auch Ross Smith hat mich erneut überzeugt. Zum dritten Jahr in Folge erreichte er ein European-Tour-Finale, wartet aber weiterhin auf seinen ersten Titel. Hält er dieses Niveau, halte ich einen Major-Triumph in den kommenden Monaten durchaus für möglich.
Aus niederländischer Sicht bestätigte Wessel Nijman erneut das große Versprechen, das er in diesem Jahr bereits mehrfach angedeutet hat. Auch wenn er den Titel verpasste, ist ein weiteres Halbfinale eine hervorragende Leistung. Dasselbe kann ich über Michael van Gerwen nicht sagen. Zwar erreichte er das Viertelfinale, blieb mit Averages knapp über 90 aber deutlich unter seinem gewohnten Niveau. Die Frage ist für mich, ob – und wann – er in diesem Jahr wieder seine Topform findet.
Mein Fazit des Wochenendes: ein solides, aber weitgehend unspektakuläres Turnier ohne echte Glanzleistungen.
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