Wessel Nijman setzt seinen beeindruckenden Lauf auf der PDC-Tour fort. Nach seinem Titelgewinn auf der European Tour sowie drei Erfolgen bei den Players Championships in diesem Jahr präsentierte sich der Niederländer auch beim European Darts Grand Prix in starker Form. In der ersten Runde ließ er Ian White beim 6:2 kaum eine Chance und zog souverän in die nächste Runde ein.
Das Ergebnis wirkt deutlich, doch auf der Bühne fühlte sich die Partie für Nijman deutlich enger an. „Es sah vielleicht komfortabel aus, aber es war harte Arbeit“, erklärte er nach seinem Auftaktsieg. „Es ist extrem wichtig, das erste Match zu gewinnen – vielleicht ist es sogar das wichtigste Spiel des gesamten Turniers.“
Kniffliger Auftakt gegen unberechenbaren White
Nijman wusste im Vorfeld genau, worauf er sich einstellen musste. Ian White gilt seit Jahren als unangenehmer Gegner, der jederzeit sein Topniveau abrufen kann. Entsprechend fokussiert ging der Niederländer in die Partie.
Wessel Nijman trifft in der zweiten Runde auf Ryan Searle
„Ian White ist immer schwierig, weil man nie genau weiß, was einen erwartet“, sagte Nijman. „Deshalb bin ich vor allem froh, dass ich das Match gewonnen habe.“ Diese Erleichterung kommt nicht von ungefähr. Trotz seiner jüngsten Titel hatte Nijman zuletzt auch zwei frühe Niederlagen hinnehmen müssen – ein stabiler Start in ein neues Turnier hatte daher Priorität.
Der 24-Jährige zeigt aktuell eine bemerkenswerte Entwicklung. Vom talentierten Nachwuchsspieler hat er sich zu einem ernstzunehmenden Titelkandidaten auf der Tour entwickelt. Dabei überzeugt nicht nur seine spielerische Qualität, sondern auch seine reflektierte Einschätzung der eigenen Leistungen.
„Ich begreife schon, was gerade passiert“, erklärte Nijman. „Aber man muss auch ehrlich sein: Spieler wie Luke Humphries oder Luke Littler sind nicht immer bei diesen Turnieren dabei.“ Eine Aussage, die seine Bodenständigkeit unterstreicht, ohne seine eigenen Erfolge zu relativieren.
Denn auch ohne die ganz großen Namen bleibt die Konkurrenz stark. „Ich bin einfach froh, dass ich diese Titel gewinne. Es sind immer noch viele gute Spieler dabei“, betonte er. „Vor allem bin ich zufrieden damit, wie ich spiele und dass ich mich weiterentwickle.“
Diese Mischung aus Selbstvertrauen und Realismus prägt aktuell Nijmans Auftreten. Er weiß um die Bedeutung seiner Siege, ordnet sie aber gleichzeitig korrekt ein. Besonders wichtig ist ihm der direkte Vergleich mit der Weltspitze.
„Wenn du gegen die besten Spieler antrittst und sie schlägst, bedeutet das natürlich mehr“, sagte er. „Wenn sie nicht dabei sind, will ich nicht sagen, dass es einfacher ist – aber vielleicht ein bisschen weniger schwer.“ Eine ehrliche Einschätzung, die zeigt, wie klar Nijman seine eigene Position im internationalen Darts einordnet.
Auffällig ist vor allem seine Siegermentalität. Der Niederländer wirkt hungrig, fokussiert und konstant leistungsbereit. Dabei hat er sich eine klare Einstellung bewahrt: „Gewinnen wird nie langweilig. Egal ob ein einzelnes Match oder ein ganzes Turnier – das Gefühl bleibt immer gleich.“
Auch mit wachsender Aufmerksamkeit und steigenden Erwartungen geht Nijman bemerkenswert gelassen um. Gerade junge Spieler geraten schnell in den Fokus von Fans und Experten – doch der Niederländer lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen.
„Es ist mir eigentlich egal, was die meisten Leute sagen“, stellte er klar. „Nur die Meinungen von Menschen, die mir wirklich wichtig sind, interessieren mich. Alles andere blende ich aus.“ Diese mentale Stärke erweist sich zunehmend als entscheidender Faktor für seinen Erfolg.
Ein wichtiger Meilenstein in seiner bisherigen Karriere war der Titelgewinn auf der European Tour in Göttingen. Auch wenn dieser Erfolg offiziell nicht als klassischer TV-Titel gewertet wird, hatte er für Nijman große Bedeutung.
„Das gibt auf jeden Fall einen Schub“, sagte er. „Aber es ist noch kein echter TV-Titel. Ich will beweisen, dass ich dieses Niveau auch bei den großen TV-Turnieren spielen kann – und ich glaube, dass ich dazu in der Lage bin.“
Der Blick richtet sich längst nach vorne. Mit mehreren Titeln im Rücken formuliert Nijman klare Ziele für die laufende Saison. „Mein Ziel war es, die Top 16 zu erreichen“, erklärte er. „Und je schneller ich das schaffe, desto besser.“
Angesichts seiner aktuellen Form wirkt dieses Ziel alles andere als unrealistisch. Nijman hat sich in kurzer Zeit zu einem der spannendsten Spieler auf der Tour entwickelt. Seine Kombination aus Talent, Spielstärke und mentaler Reife macht ihn zu einem gefährlichen Gegner für die gesamte Konkurrenz.
Wenn er diesen Weg konsequent weitergeht, dürfte der nächste Schritt nur eine Frage der Zeit sein: der endgültige Durchbruch auf den größten Bühnen des Sports – im direkten Duell mit der absoluten Weltelite.