„Wenn ich dieses Jahr keinen Titel gewinne, bin ich nicht zufrieden“ – Kevin Doets legt die Messlatte für sich selbst hoch

PDC
Samstag, 18 April 2026 um 14:00
Kevin Doets (2)
Kevin Doets hat beim European Darts Grand Prix den nächsten Schritt gemacht. In einem intensiven niederländischen Duell setzte er sich mit 6:4 gegen Jurjen van der Velde durch und zog in die nächste Runde ein. Dabei überzeugte Doets nicht nur mit seinem Scoring, sondern vor allem mit seiner mentalen Stabilität in entscheidenden Phasen.
Mit einem Average um die 95 blieb seine Leistung in der ersten Runde des European Darts Grand Prix solide, wenn auch nicht makellos. Das sah der Niederländer selbst ähnlich. „Ich war ein bisschen wechselhaft“, erklärte er nach dem Match offen. „Ich hatte wirklich gute Momente und auch schwächere Phasen. Aber insgesamt bin ich zufrieden. Gegen so einen guten Spieler zu gewinnen, ist immer ein gutes Gefühl.“

Bühne ist nicht gleich Floor

Interessant: Nur wenige Tage zuvor hatte Doets seinen Landsmann bereits bei einem Floor-Turnier geschlagen – damals sogar mit einem Average jenseits der 100-Punkte-Marke. Trotzdem wollte er diesen Vergleich nicht überbewerten. Für ihn liegen zwischen Floor und Bühne Welten.
Kevin Doets in Aktion
Kevin Doets trifft in der zweiten Runde auf Jermaine Wattimena
„Ein Spiel auf der Bühne ist etwas komplett anderes“, stellte Doets klar. „Es spielt keine Rolle, wann oder wo man jemanden zuvor geschlagen hat. Am Ende zählt nur, dass ich mein eigenes Spiel durchziehe.“
Genau dieser Fokus zahlte sich aus. Trotz spürbarer Nervosität behielt er in den entscheidenden Momenten die Kontrolle. Doets blieb ruhig, setzte seine Darts präzise und nutzte die Chancen, als sie sich boten. „Ich war ein bisschen nervös, aber ich habe das gut aufgefangen und im richtigen Moment zugeschlagen“, sagte er.

Lehren aus München zeigen Wirkung

Ein wichtiger Entwicklungsschritt kam für Doets bereits früher in der Saison – beim Turnier in München. Dort erreichte er erstmals das Halbfinale eines großen Events an einem langen Spieltag. Eine Erfahrung, die ihm deutlich machte, wie anspruchsvoll diese Turniere physisch und mental sind.
„Es war extrem anstrengend“, erinnerte sich Doets. „Man hört immer, wie viel Energie so ein Tag kostet – und ich habe das wirklich gespürt.“
Doch statt sich nur auf sein Spiel zu konzentrieren, zog er daraus eine andere, entscheidende Erkenntnis: Zeitmanagement. „Der größte Unterschied liegt darin, wie man seine Zeit rund um die Matches nutzt“, erklärte er. „Das habe ich damals nicht optimal gemacht.“
Diese Lektion hat er inzwischen umgesetzt. Während er früher zwischen den Spielen viel trainierte, setzt er heute bewusst auf Regeneration. „Ich habe wahrscheinlich zu viel geübt“, gab er zu. „Beim nächsten Mal werde ich es ruhiger angehen, gut essen und bewusst entspannen.“
Dieser neue Ansatz zeigt Wirkung – nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Formkurve zeigt klar nach oben

Doets’ Saisonstart liefert klare Hinweise darauf, wohin die Reise gehen kann. Mehrere starke Resultate, darunter ein Viertelfinale auf dem Floor, haben sein Selbstvertrauen sichtbar gestärkt. Sein Spiel wirkt stabiler, sein Auftreten reifer.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in seinen Zielen wider. Der Niederländer formuliert seine Ambitionen so klar wie nie zuvor. „Wenn ich dieses Jahr keinen Titel gewinne, bin ich nicht zufrieden“, stellte er ohne Umschweife fest.
Dabei stützt er sich nicht nur auf sein A-Game. „Selbst mein B-Game ist aktuell gut“, erklärte Doets. „Ich fühle mich selbstbewusst und bereit, ein Turnier zu gewinnen.“
Diese Aussage zeigt: Doets denkt inzwischen anders. Er gibt sich nicht mehr mit Achtungserfolgen zufrieden. Stattdessen setzt er bewusst auf den nächsten großen Schritt.

Fokus bleibt auf dem nächsten Match

Trotz steigender Erwartungen bleibt Doets seinem Ansatz treu. Er denkt nicht in Turnierbäumen oder möglichen Top-Duellen, sondern konzentriert sich konsequent auf die nächste Aufgabe.
„Ich schaue nicht weit voraus“, betonte er. „Ich nehme jedes Spiel einzeln. Es ist mir egal, wer der Gegner ist – ich will mein Spiel spielen und gewinnen.“
Dieser Fokus hilft ihm, den Druck auszublenden. Er bleibt bei sich, vertraut auf seine Stärken und vermeidet unnötige Ablenkung.

Freundschaft endet an der Oche

In der nächsten Runde wartet mit Jermaine Wattimena allerdings eine besondere Herausforderung. Die beiden verbindet eine Freundschaft – eine Konstellation, die zusätzliche Spannung mit sich bringt.
„Ich würde gern sagen, dass es keinen Unterschied macht, aber das stimmt nicht“, gab Doets zu. „Gegen einen guten Freund zu spielen, ist immer etwas schwieriger.“
Trotzdem kennt er seine Rolle, sobald er die Bühne betritt. „Natürlich will ich gewinnen – und am besten klar“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich bin in einem guten Flow und erwarte wieder ein starkes Match.“

Ein gefährlicher Außenseiter

Die Entwicklung von Kevin Doets ist unübersehbar. Sein Spiel wirkt gefestigter, seine Entscheidungen klarer, sein Auftreten selbstbewusster. Er lernt aus Erfahrungen, passt sich an und entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Genau diese Mischung macht ihn zu einem unangenehmen Gegner – und zu einem echten Kandidaten für einen Überraschungserfolg im weiteren Saisonverlauf.
Ob der angestrebte Titel tatsächlich kommt, bleibt offen. Doch eines steht fest: Ein Kevin Doets in dieser Form gehört zu den Spielern, die man auf der Rechnung haben muss.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading