Der belgische Dartsprofi Dimitri Van den Bergh befindet sich in einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Der ehemalige Sieger des World Matchplay, einst gerühmt für seine Spielfreude und entspannte Ausstrahlung auf der Bühne, scheint heute unter enormem mentalem und sportlichem Druck zu stehen. Ergebnisse bleiben aus, sein Spiel wirkt unsicher und selbst seine Zukunft auf höchstem Niveau steht zur Debatte.
Fall in der Weltrangliste
Zählte Van den Bergh vor einigen Jahren noch zur absoluten Weltspitze, zeichnet die aktuelle Saison ein völlig anderes Bild. Der Belgier, mittlerweile auf Rang 36 der Weltrangliste zurückgefallen, gewann in diesem Jahr auf der ProTour lediglich ein einziges Match. Auch bei den großen TV-Turnieren sieht es kaum besser aus: Seit den UK Open des vergangenen Jahres hat er keinen nennenswerten Sieg mehr eingefahren. Für einen Spieler mit seinem Talent ist das ein auffälliger und besorgniserregender Abwärtstrend. Van den Bergh erklärte in einem aktuellen Interview, dass er momentan keine Freude mehr am Darts hat.
Ex-Profi und Analyst Matthew Edgar äußerte kürzlich seine Besorgnis über die Lage des Antwerpers. In seiner Analyse verwies Edgar nicht nur auf die enttäuschenden Ergebnisse, sondern auch auf strukturelle Probleme im Spiel von Van den Bergh. Seiner Ansicht nach handelt es sich um mehr als nur ein vorübergehendes Formtief.
Dimitri Van den Bergh ist die aktuelle Nummer 36 der Welt
„Wenn man sich seine Averages der letzten zwölf Monate ansieht, landet man bei 87,33“, stellte Edgar fest. „Dieses Niveau reicht schlichtweg nicht aus, um auf der ProTour erfolgreich zu sein.“ Im modernen Profidarts, wo konstante Averages über 95 eher die Regel als die Ausnahme sind, bedeutet ein Schnitt unter 90 oft, dass man dauerhaft nicht mithält.
Besonders prekär wird die Situation durch fehlende Absicherungen. Van den Bergh kann nicht länger auf automatische Qualifikationen bauen. „Er hat keine Garantien mehr“, so Edgar. „Die Rankings bringen ihm aktuell nichts ein. Alles, was er erreichen will, muss er von unten neu aufbauen.“
Konkret heißt das, dass die Teilnahme an prestigeträchtigen Turnieren wie dem World Matchplay oder der Darts-WM alles andere als sicher ist. Ohne starke Leistungen auf dem Floor und in Qualifikationsturnieren droht er diese Events sogar komplett zu verpassen – ein Szenario, das vor einigen Jahren undenkbar schien.
Am Ende der vergangenen Saison gab es dennoch kleine Lichtblicke. Van den Bergh erreichte damals das Viertelfinale von Players Championship 34, was Hoffnung auf eine Wende weckte. Doch diesen Schwung konnte er nicht mitnehmen. Niederlagen in der Qualifikation für den Grand Slam of Darts, ein frühes Aus bei der WM und ein Ausscheiden unter den letzten 128 beim Winmau World Masters bestätigten, dass die Probleme tiefer sitzen.
„Sein Wurf fühlt sich nicht mehr natürlich an“
Laut Edgar zeigen sich diese Probleme auch in der Technik des Belgiers. „Sein Wurf fühlt sich nicht mehr natürlich an“, analysierte er. „Man sieht, dass er ständig auf seinen Pfeil schaut und Mühe hat, einen konstanten Griff zu finden.“ In einer Sportart, in der Automatismen und Rhythmus entscheidend sind, kann schon ein kleiner technischer Zweifel große Folgen haben. Er führt zu Zögern, und Zögern ist auf Topniveau tödlich.
Vielleicht noch wichtiger als der technische Aspekt ist jedoch die mentale Verfassung von Van den Bergh. Der verspielte, energiegeladene Darter, der das Publikum mit Tanzschritten und Charisma unterhielt, scheint einem Spieler gewichen zu sein, der vor allem seine Position verteidigt. „Er spielt, als hätte er etwas zu verlieren“, sagt Edgar. „Und wenn du verteidigst, spielst du nicht aggressiv und nicht offensiv.“
Dieser mentale Druck kann lähmend wirken. Anstatt frei aufzuspielen, ist jeder Wurf von der Bedeutung von Ranglistenpunkten, Preisgeld und Qualifikationen überfrachtet. Es ist ein Teufelskreis: Schlechte Ergebnisse erhöhen den Druck, und dieser Druck führt wiederum zu noch schlechteren Leistungen.
Auffällig ist, dass Edgar sogar eine drastische Lösung ins Spiel bringt: einen temporären Rückzug aus dem Profi-Circuit, notfalls durch den Verlust seiner PDC Tour Card. So extrem das auf den ersten Blick klingen mag, verweist er auf Präzedenzfälle innerhalb der Dartswelt.
So nannte er Raymond van Barneveld, der nach einer Auszeit zurückkehrte und erneut die Top 32 erreichte. Auch Cristo Reyes feierte nach einigen Jahren außerhalb des Rampenlichts ein starkes Comeback. Und Ross Smith, der sogar komplett mit Darts aufhörte, kehrte als besserer und kompletterer Spieler zurück.
Der rote Faden in diesen Geschichten ist klar: Abstand kann helfen, mental wie technisch zu resetten. Für Van den Bergh, der noch immer relativ jung ist, könnte das laut Edgar eine sinnvolle Option sein. „Er hat sein Alter weiterhin auf seiner Seite“, betont er. „Wir sprechen von einem erfahrenen Spieler im Körper eines jungen Mannes.“
Diese Kombination aus Erfahrung und Jugend bietet Perspektive. Während ältere Spieler nach einem Einbruch mitunter endgültig abreißen lassen, hat Van den Bergh theoretisch noch Zeit, seiner Karriere neues Leben einzuhauchen. Doch dafür muss sich etwas ändern – und zwar schnell.