Ryan Searle erreichte vergangene Woche bei den
Belgian Darts Open 2026 die zweite Runde, wo er knapp mit 5:6 gegen Danny Noppert verlor. Seine Auftaktpartie hatte er zuvor noch gegen Ricky Evans gewonnen. Anschließend äußerte sich „Heavy Metal“ offen über seinen derzeit mangelhaften Trainingseinsatz.
Während viele Spieler ihren Saisonstart mit fehlender Form, Selbstvertrauen oder kleinen technischen Details erklären, wählte Searle einen ungewöhnlich direkten Ansatz. Der Engländer formulierte es unmissverständlich: „Um ehrlich zu sein: Ich habe einfach nicht genug Arbeit reingesteckt“,
sagte er offen gegenüber Oche180. „Normalerweise starte ich eine Saison mit einem neuen Set Darts und trainiere dann automatisch viel. Dann stehe ich stundenlang am Board. Aber dieses Jahr lief das anders.“
Weniger Training nach starker WM
Diese Veränderung begann rund um die Weltmeisterschaft, bei der Searle mit einem neuen Darts-Set seines Herstellers Harrows spielte und einen starken Lauf hinlegte. „Diese WM war fantastisch“, blickte er zurück. „Aber danach ist diese Intensität etwas abgeflacht.“ Laut Searle hängt das auch mit dem dichten Turnierkalender zusammen. „Es ist einfach eine harte Saison. Man reist viel, ist ständig unterwegs. Dann versucht man, irgendwie durchzukommen.“
Ryan Searle überraschte bei der vergangenen Darts WM mit dem Einzug ins Halbfinale
Komfortzone als Falle
Noch auffälliger als seine Analyse war jedoch die Begründung dahinter. Searle räumte ein, dass er sich aktuell sehr wohlfühlt – vielleicht sogar zu wohl. „Ich lebe dank Darts ein gutes Leben“, erklärte er. „Und das macht es schwer, sich wirklich zu pushen. Wenn du mit minimalem Aufwand trotzdem Spiele gewinnst, ist es schwierig, plötzlich viel mehr zu machen.“
Er beschrieb sogar seine tägliche Trainingsroutine, die für viele Spitzensportler ungewöhnlich wirkt. „Manchmal trainiere ich zehn Minuten am Tag. Ich werfe eine 180 und denke: passt, das sitzt. Und dann höre ich wieder auf. Das ist natürlich eigentlich nicht gut genug.“
Trotz dieser begrenzten Vorbereitung bleibt Searle bemerkenswert konkurrenzfähig. „Ich weiß, dass ich auch ohne viel Training solide spielen kann. Aber mir ist auch klar, dass mir das am Ende auf die Füße fällt, wenn ich wirklich große Turniere gewinnen will.“
Seine größte Motivation zieht Searle derzeit aus ausgewählten Höhepunkten im Kalender. Besonders das World Matchplay steht für ihn im Fokus. „Das nächste Turnier, auf das ich mich wirklich freue, ist das Matchplay“, erklärte er. „Dann werde ich wahrscheinlich mit Gary Anderson trainieren und mich gut vorbereiten. Das ist ein Turnier, das ich unbedingt gewinnen möchte.“
Die Turniere dazwischen betrachtet er aktuell eher als Übergangsphase. „Ich plätschere ein bisschen vor mich hin. Das klingt vielleicht nicht gut, aber so fühlt es sich an.“ Seiner Einschätzung nach hängt das auch mit dem aktuellen Rankingsystem zusammen. „Wenn du oben stehst, macht vor allem die WM den Unterschied. Dort kannst du dein Leben wirklich verändern. Bis dahin ist es schwer, dieselbe Dringlichkeit zu spüren.“
Bewunderung für die neue Generation
Auf der Suche nach zusätzlicher Motivation richtet Searle seinen Blick mit Anerkennung auf Spieler wie Luke Littler und Luke Humphries. „Ich weiß nicht, wie sie das machen“, sagte er. „Sie sind finanziell schon in einer großartigen Position, könnten morgen aufhören und hätten keine Sorgen. Und trotzdem pushen sie sich jeden Tag weiter. Das finde ich beeindruckend.“
Für sich selbst sieht Searle hier noch Entwicklungspotenzial. „Vielleicht brauche ich etwas, das mir wirklich einen Tritt in den Hintern gibt. Etwas, das diesen Hunger zurückbringt.“ Neben seinen sportlichen Leistungen kam auch sein Engagement für die Cure ADOA Foundation zur Sprache. Während der vergangenen Weltmeisterschaft setzte er sich aktiv dafür ein, der Stiftung mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen – mit großem Erfolg. „Das war wirklich großartig“, sagte er. „Wir haben mehr als 50.000 Euro gesammelt. Im Jahr davor hatten sie ungefähr 5.000 Euro zusammenbekommen.“
Dabei hob er auch die Unterstützung durch Hauptsponsor Paddy Power hervor. „Sie haben wirklich geholfen, das Thema sichtbar zu machen. Das hätten sie nicht tun müssen, aber sie haben es getan. Ich finde, sie sind der beste WM-Sponsor, den die Professional Darts Corporation je hatte.“
Die Wirkung dieser Aktion bewertet Searle als enorm. „Für so eine kleine Organisation ist das riesig. Sie freuen sich wahnsinnig darüber, und ich möchte mich in Zukunft auf jeden Fall weiter dafür einsetzen.“
Sein starkes Abschneiden bei der Weltmeisterschaft, bei der er das Halbfinale erreichte, rückte Searle zusätzlich in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch diese Aufmerksamkeit empfindet er nicht ausschließlich positiv. „Ehrlich gesagt habe ich mich schon vor diesem Halbfinale gefragt: Will ich das überhaupt?“, gab er zu. „Es ist nonstop. Du gibst Interviews, bekommst immer wieder dieselben Fragen und gibst immer wieder dieselben Antworten. Es hört einfach nicht auf.“
Er schließt nicht aus, dass dieser Druck auch sein Spiel im Halbfinale gegen Littler beeinflusst hat. „Vielleicht saß das doch irgendwo im Kopf. Auf jeden Fall habe ich nicht gut genug gespielt, und das ist ärgerlich.“
„Ich will nicht aufhören mit dem Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre“
Trotz aller Zweifel ist ein Karriereende für Searle derzeit kein Thema. Gleichzeitig erkennt er ein mögliches Risiko für die Zukunft. „Ich will nicht an den Punkt kommen, an dem ich aufhöre und denke: Ich habe nicht alles rausgeholt“, sagte er. „Vielleicht hätte ich mehr erreichen können, wenn ich mehr Energie investiert hätte.“
Dennoch bleibt der Reiz seines aktuellen Lebensstils spürbar. „Es ist ein schmaler Grat. Es ist leicht, im Komfort zu bleiben und es ‚okay‘ zu machen. Aber wenn du wirklich etwas erreichen willst, musst du da durch.“