Ex-Weltmeister fordert weniger European-Tour-Turniere in Deutschland: „Wenn das so weitergeht, verdienen sie es nicht“

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 20 April 2026 um 14:00
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Der ehemalige Weltmeister Keith Deller hat sich kritisch zur Austragung von PDC Turnieren in Deutschland geäußert. Nach Ansicht des Engländers sollte der Verband ernsthaft darüber nachdenken, die Zahl der European-Tour-Events im Land zu reduzieren.
Auslöser seiner Aussagen waren Szenen aus der zweiten Runde des European Darts Grand Prix in Sindelfingen. Das Duell zwischen Dave Chisnall und Gerwyn Price wurde am Samstag wiederholt durch Pfiffe und Buhrufe aus dem Publikum gestört.

Deller fordert Konsequenzen – Schiedsrichter Ware greift ein

Schiedsrichter Huw Ware sah sich schließlich zum Eingreifen gezwungen. Er trat an den Bühnenrand, kniete sich sogar hin und wandte sich unmissverständlich an Zuschauer und Sicherheitspersonal: „Meine Damen und Herren, ich habe der Security soeben gesagt: Wenn ihr weiter pfeift, bitte — aber dann werdet ihr mit sofortiger Wirkung aus der Halle entfernt.“
Gerwyn Price nahm sportlich Revanche an den vereinzelten Pfeifern, indem er den European Darts Grand Prix gewann
Gerwyn Price nahm sportlich Revanche an den vereinzelten Pfeifern, indem er den European Darts Grand Prix gewann
Die Szenen verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien, wo Deller deutlich Stellung bezog: „Vielleicht sollten einfach weniger Euro Tours in Deutschland stattfinden. Wenn das so weitergeht, verdienen sie es nicht.“
Aktuell werden sechs der fünfzehn European-Tour-Turniere in Deutschland ausgetragen. Zudem ist auch die European Championship im Oktober erneut in Dortmund angesetzt.
Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Ware eingreifen musste. Bereits bei der European Darts Trophy in Göttingen spitzte sich die Situation im Spiel zwischen Stephen Bunting und Niko Springer zu.
In einem entscheidenden Leg richtete der Waliser klare Worte an das Publikum: „Ich habe einmal freundlich gebeten und sage es noch einmal höflich: Bitte Ruhe. Wir versuchen hier, ein Dartmatch zu spielen.“

Kritik am deutschen Publikum greift zu kurz

Bei aller Kritik an den Szenen in Sindelfingen scheint Keith Deller in seiner Reaktion jedoch einen wichtigen Punkt außer Acht zu lassen: Pfeifkonzerte sind längst kein ausschließlich deutsches Phänomen mehr. Auch deutsche Spieler wie Martin Schindler können davon berichten, wie es sich anfühlt, bei großen Turnieren wie der PDC Darts WM im Alexandra Palace ausgepfiffen zu werden.
Ähnliche Vorfälle gab es zuletzt auch auf anderen großen Bühnen des Sports. Beim Stopp der Premier League Darts in Brighton richteten sich Pfiffe sogar gegen den eigenen Landsmann und Weltmeister Luke Littler, und auch beim Premier-League-Abend in Rotterdam blieb das Publikum nicht frei von entsprechenden Reaktionen. Die Entwicklung zeigt: Das Thema betrifft mittlerweile weite Teile der internationalen Dartszene – nicht nur die Turniere in Deutschland.
Deller betrachtet die Entwicklung zudem auch grundsätzlicher und sieht auch die Spieler in der Verantwortung: „Die Spieler müssen die Situation akzeptieren oder zurückgehen in Hallen mit 700 Leuten und wenig Preisgeld.“
Er verweist dabei auf die Folgen des Wachstums der Sportart: „Die PDC hat fantastische Arbeit geleistet, um den Sport wachsen zu lassen und das Preisgeld zu steigern. Lächelt einfach und packt die Millionen aufs Konto. Große Hallen sind finanziell großartig, aber viele kommen für einen Tagesausflug und sind keine echten Dartsfans. Dann ist Pfeifen schwer zu unterbinden.“

Littler ebenfalls kritisch gegenüber deutschem Publikum

Auch die aktuelle Nummer eins der Welt, Luke Littler, hatte sich bereits zuvor kritisch über das deutsche Publikum geäußert. Der Engländer wurde bei mehreren Gelegenheiten ausgepfiffen und ließ sogar durchblicken, künftig möglicherweise auf Starts bei Turnieren in Deutschland zu verzichten.
Auch sportlich verliefen die Auftritte in Deutschland für Littler bislang nicht optimal. In Dortmund scheiterte er zweimal früh bei der European Championship, während er beim World Cup of Darts bereits im Achtelfinale gegen Martin Schindler und Ricardo Pietreczko ausschied.
Auch beim German Darts Grand Prix im vergangenen Jahr blieb ihm der große Erfolg verwehrt. Dort verlor er im Halbfinale gegen Gian van Veen. Littler räumte damals ein, dass ihn die Situation mental belastet: „Ich hatte einen Moment, in dem mein Kopf aussetzte – das passiert uns allen. Ich verstehe es einfach nicht und kann es nicht erklären. Du machst deinen Walk-on und sobald du die Bühne betrittst, wirst du ausgepfiffen.“
Er erinnerte zudem an eine ähnliche Erfahrung aus dem Vorjahr: „Letztes Jahr in Hildesheim gegen Peter Wright war es genau so. Ich spielte großartig, bis das Pfeifen begann – und dann verlor ich.“ Mit einem bitteren Lächeln fügte er hinzu: „Offenbar mögen die Deutschen uns Engländer nicht so sehr.“
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