„Weg von den sozialen Medien. Leg das Telefon weg“ – Phil Taylor gibt Luke Littler eindringlichen Rat im Umgang mit Kritik

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 23 April 2026 um 18:30
Luke Littler und Phil Taylor posieren nebeneinander mit verschränkten Armen.
Phil Taylor hat Luke Littler geraten, sich stärker vom Einfluss sozialer Medien zu lösen und den Fokus vollständig auf den Dartsport zu richten. Hintergrund sind zunehmende kritische Reaktionen aus dem Publikum, mit denen der Weltranglistenerste zuletzt mehrfach konfrontiert wurde. Der 16-malige Weltmeister sieht vor allem im mentalen Bereich Entwicklungspotenzial bei „The Nuke“.
Die aktuelle Nummer eins der Welt geriet zuletzt nach einem Wortwechsel mit Gian van Veen während des neunten Spieltags der Premier League Darts in Manchester in den Fokus. Eine Woche später wurde „The Nuke“ auch in Brighton von Buhrufen begleitet. Dort unterlag er Stephen Bunting mit 4:6 und spielte mit 83,94 seinen bislang niedrigsten TV-Average.

Taylor über Social Media: „Da kannst du nicht gewinnen“

Trotz dieser Rückschläge präsentiert sich Littler in der Premier League weiterhin mehr als konkurrenzfähig. In der Tabelle belegt er Rang zwei, fünf Punkte hinter Spitzenreiter Jonny Clayton, der ihn in Rotterdam besiegte und als erster Spieler der laufenden Saison vier Wochentitel gewinnen konnte.
Luke Littler sieht sich derzeit verstärkt mit kritischen Reaktionen aus dem Publikum konfrontiert – Phil Taylor rät ihm deshalb zu mehr Abstand von sozialen Medien
Luke Littler sieht sich derzeit verstärkt mit kritischen Reaktionen aus dem Publikum konfrontiert – Phil Taylor rät ihm deshalb zu mehr Abstand von sozialen Medien
Taylor formulierte im Double Tops-Podcast eine klare Botschaft an den jungen Engländer. „Das Pfeifen gehört dazu; das muss er lernen – er ist noch jung“, sagte der Rekordweltmeister. „Luke ist absolut kein ‚Bad Guy‘. Dass er gerade etwas schwächer spielt, macht das Ganze nur interessanter. Ich mag ihn und verstehe, was er durchmacht.“
Sein wichtigster Rat: Distanz zu sozialen Medien und volle Konzentration auf den Sport. „Wenn er mich um Rat fragen würde, würde ich sagen: Geh weg von Social Media. Leg das Telefon weg und reagiere nicht auf alles. Du kannst dort schlicht nicht gewinnen, also versuch es gar nicht.“
Taylor betonte zugleich, dass er selbst zwar präsent sei, seine Accounts jedoch nicht eigenständig betreue. „Ich habe Leute, die für mich posten. Mir wurde immer beigebracht: Gib online niemals deine Meinung ab, denn irgendwer versteht sie immer falsch.“
Neben der mentalen Komponente stellte Taylor auch Littlers Trainingsumfang infrage – zeigte sich jedoch weiterhin beeindruckt von dessen außergewöhnlichem Talent. „Er muss mehr trainieren; er trainiert eigentlich kaum!“
Als Beispiel führte er eine gemeinsame Exhibition an. „Wir standen zusammen bei einer Exhibition. Luke saß zweieinhalb Stunden am Handy. Er musste gegen Luke Humphries ran, der sich regelrecht kaputt trainierte. Ich fragte, ob er noch üben würde, aber er sagte ‚nein‘.“
Was danach folgte, überraschte selbst den Rekordweltmeister. „Anschließend gewinnt er einfach mit 8:1. Ich dachte wirklich: Das gibt’s doch nicht … aber er hat es getan.“ Seine eigene Vorbereitung sei dagegen deutlich intensiver gewesen. „Früher trainierte ich etwa acht Stunden am Tag, in Blöcken von zwanzig Minuten. Dass Luke mit so wenig Training dieses Niveau erreicht, sagt alles über sein Talent.“

Talent allein reicht nicht

Dennoch warnte Taylor, dass außergewöhnliche Begabung allein langfristig nicht ausreiche, wenn Littler die mentale Seite seines Spiels nicht weiterentwickle. „Er kann nah an meine Leistungen herankommen, aber das hängt ausschließlich von ihm ab. Ich weiß nicht, ob er mental stark genug ist, um mit den Pfiffen umzugehen, so wie es Gerwyn Price getan hat.“
Nach Taylors Einschätzung hinterlassen die Reaktionen aus dem Publikum bereits Spuren. „Es scheint ihn zu treffen, denn er spielt schwächer. Am Ende hören die Buhrufe schon auf, aber vorerst muss er einfach phänomenal spielen.“ Die Lösung sei aus seiner Sicht klar: „Wenn er sein Topniveau erreicht, kippt das Publikum von allein. Jeder will Qualität sehen.“
Taylor weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend ein feindseliges Publikum sein kann. Er erinnerte an ein Duell mit Eric Bristow in der Circus Tavern: „Es fühlte sich an, als seien alle gegen mich. Irgendwann sah ich sogar doppelt – ich war wirklich zitternd nervös“, schloss er.
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