Die Premier League Darts fand in der vergangenen Woche mit einer spektakulären Finals Night in der Londoner O2 Arena ihren Höhepunkt. Sämtliche drei Begegnungen wurden erst im Decider entschieden, das Leistungslevel bewegte sich auf außergewöhnlich hohem Niveau. Am Ende setzte sich Luke Littler durch und sicherte sich zum zweiten Mal den Titel.
Doch nach dem Triumph des 19-jährigen Weltmeisters standen nicht nur seine Leistungen am Board im Mittelpunkt. Vielmehr sorgten die Emotionen des Engländers für Gesprächsstoff, als er unmittelbar nach seinem Finalsieg über Luke Humphriesdie Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.
Van der Voort zeigt Verständnis für Littlers Gefühlsausbruch
Im Podcast Darts Draait Door blickten Vincent van der Voort und Moderator Damian Vlottes auf den denkwürdigen Abend zurück. „Was für ein Abend“, lautete ihr gemeinsames Fazit. „Es war von Anfang an alles drin, und das Niveau war zudem fantastisch.“
Luke Littler zeigte nach seinem zweiten Premier-League-Titel ungewohnte Emotionen und ließ seinen Gefühlen auf der Bühne freien Lauf
Für van der Voort war Littlers emotionaler Ausbruch eine nachvollziehbare Reaktion auf die Belastungen der vergangenen Monate. „Er hat alles aufgestaut, die ganze Premier League über, und jetzt kam alles raus“, erklärte der Niederländer. „Bei der WM fiel er nach der ersten Runde gegen Ryan Meikle auch schon weinend seiner Mutter in die Arme. Er kennt also Druck, zeigt ihn aber nie.“
Der ehemalige PDC-Profi ist überzeugt, dass Littler im Verlauf der Saison häufig bewusst Stärke demonstrierte, obwohl die Situation ihn stärker belastete, als es nach außen den Anschein machte. „Oft ist es eine Haltung, die er sich aneignet. Ich finde es gut, ihn einmal verletzlich zu sehen. Vielleicht werden die Leute ihn jetzt auch besser verstehen.“
Pfiffe und Kritik begleiteten die Saison
Sportlich spielte Littler eine weitere herausragende Premier-League-Saison. Gleichzeitig musste er jedoch auch mit erheblichem Gegenwind von den Rängen umgehen. Insbesondere nach seiner viel diskutierten Auseinandersetzung mit Gian van Veen in Manchester schlug ihm bei mehreren Spielabenden eine deutlich kritischere Stimmung entgegen.
Der junge Engländer wurde wiederholt ausgepfiffen und ausgebuht. Nach dem Finale räumte Littler sogar ein, dass er während der Saison zeitweise darüber nachgedacht habe, ob er überhaupt weiterspielen wolle.
Van der Voort ist der Ansicht, dass Littler in der öffentlichen Kommunikation manches besser hätte lösen können. „Er hatte genügend Interviews, um es menschlicher zu machen, das hat er nicht geschickt gelöst“, sagte er. „Man muss hoffen, dass er sich Leute um sich schart, die ihm dabei helfen können und es ihm vor Augen führen.“
Gleichzeitig betonte der Niederländer, wie außergewöhnlich die Situation für einen 19-Jährigen sei, der mittlerweile als Aushängeschild des Dartsports gilt. „Littler ist erst 19 Jahre alt, spielt aber unter Erwachsenen. Daran wird er ganz normal gemessen, es ist nicht so, dass er wegen seines Alters anders betrachtet werden sollte.“
Gerade deshalb bewertet van der Voort die emotionalen Szenen nach dem Finale positiv. „Hoffentlich lernt er daraus. Ich glaube wirklich, dass es für ihn hart war, er wurde jede Woche ausgepfiffen. Er hat es sehr gut kaschiert. Es wirkte, als pralle alles an ihm ab.“
Lobende Worte fand van der Voort auch für Luke Humphries. Obwohl er das Finale verloren hatte, reagierte die Nummer zwei der Welt äußerst respektvoll auf Littlers Gefühlsausbruch und suchte sofort den Kontakt zu seinem Landsmann, um ihn zu unterstützen.
„Ein Schmuckstück für den Sport“, sagte van der Voort über Humphries. „Er sagt die richtigen Dinge und tröstet ihn kurz. Ich denke, sehr viele Spieler hätten das nicht getan. Die wären schwer gereizt gewesen, weil sie gerade verloren hatten.“
Trotz seiner grundsätzlichen Kritik am aktuellen Premier-League-Format zieht van der Voort am Ende ein differenziertes Fazit. Die hochklassige und dramatische Finals Night habe der langen Saison einen würdigen Abschluss verliehen.
„Dieses Finale hat so viel wettgemacht“, resümierte er. „Nur die sechzehn Wochen davor dauerten in diesem Format zu lang.“