Für viele Talente ist die
MODUS Super Series ein Sprungbrett ins große Geschäft. Doch hin und wieder betritt ein Spieler die Bühne, der diesen Schritt eigentlich schon gegangen ist. Als
Niko Springer in Portsmouth auflief, kam er nicht als unbekannter Herausforderer, sondern als Spieler mit einer PDC Tour Card und einem WM-Ticket in der Tasche.
„Natürlich habe ich mich für die WM qualifiziert und eine Tour Card, darüber bin ich enorm glücklich“,
sagt er mit einem Lächeln. „Ich kenne die Modus Super Series gut, schaue sie regelmäßig auf YouTube und freue mich, dass ich hier sein darf.“
Eine unerwartete Begegnung mit Darts
Dass Springer heute zu den vielversprechendsten Spielern Deutschlands zählt, war alles andere als selbstverständlich. Seine erste sportliche Liebe lag nämlich woanders. „Ehrlich gesagt habe ich immer Fußball gespielt“, erklärt er. „Das habe ich etwa zehn Jahre lang gemacht, bis ich mich verletzte.“
Der Mainzer spielte im Mittelfeld und sah sich damals nicht als künftigen Dartspieler. Doch seine Verletzung sorgte schließlich für eine unerwartete Wende. „Ich liebe einfach Sport und da fehlte etwas. Eigentlich kam Darts eher überraschend in mein Leben, als dass es wirklich geplant war.“
Die ersten Ergebnisse waren alles andere als beeindruckend, doch Springer merkte schnell, dass er einen enormen Antrieb hatte, besser zu werden. „Am Anfang spielte ich nicht so gut, aber ich wollte gut werden. Deshalb habe ich viel trainiert, viel geübt und mich stetig weiterentwickelt. Ich denke, darin habe ich gute Arbeit geleistet.“
Obwohl Darts mittlerweile eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt, verfolgt Springer den Fußball weiterhin aufmerksam. Nach seinem Lieblingsspieler gefragt, muss er nicht lange überlegen. „Im Moment bin ich Fan von Jonathan Burkardt“, sagt er über den Stürmer seines Bundesligaliebklubs Mainz 05, der mittlerweile in Frankfurt spielt. „Er kommt aus meiner Heimatstadt. Deshalb finde ich ihn großartig.“
Der Moment, in dem sich alles änderte
Wie bei vielen Topspielern gab es einen ganz bestimmten Moment, in dem Springer zu glauben begann, dass eine Profikarriere im Darts möglich war.
Dieser Moment kam bei seiner ersten Teilnahme an einem European Tour-Turnier. In Riesa erreichte er direkt das Achtelfinale, wo ein Duell mit Ex-Weltmeister Peter Wright wartete. „Ich glaube, das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass Darts vielleicht etwas werden könnte“, erzählt Springer.
Obwohl Wright am Ende die Oberhand behielt, hinterließ der Deutsche Eindruck. „Ich hatte Chancen in diesem Match. Peter bestrafte viele Fehler, aber ich spürte, dass ich Möglichkeiten hatte. Hätte Peter nicht sein A-Game gespielt, hätte ich gewinnen können.“
Noch wichtiger war das Vertrauen, das er aus dieser Partie zog. „Da wusste ich, dass ich mit den besten Spielern der Welt mithalten kann. Das hat mir enorm geholfen, weiter zu wachsen.“
Das Wachstum des Darts in Deutschland war in den vergangenen Jahren beeindruckend. Seit Gabriel Clemens 2023 das WM-Halbfinale erreichte, scheint die Sportart noch populärer zu werden.
Springer nimmt dieselbe Entwicklung wahr. „Es wächst weiter“, sagt er. „Wenn man Spieler wie Pascal Rupprecht, Paul Krohne oder Kai Gotthardt anschaut, sieht man, wie viel Talent unterwegs ist.“
Das verlorene Finale, das ihn stärker machte
Einer der wichtigsten Momente in Springers Entwicklung kam in der PDC Europe Super League. Bei seinem Debüt erreichte er direkt das Viertelfinale, erhielt dort aber eine harte Lektion von Martin Schindler. „Ich habe, glaube ich, 1:10 gegen Martin verloren“, erinnert er sich.
Anstatt sich entmutigen zu lassen, nutzte Springer diese Niederlage als Motivation. Ein Jahr später stand er sogar im Finale des Turniers gegen Florian Hempel. Lange Zeit schien er auf dem Weg zum Sieg. „Ich führte mit 6:2.“ Doch die Partie kippte komplett und er verlor schließlich mit 8:10. „Es wurde ein hartes Match. Natürlich war das schwierig, aber ich habe unglaublich viel daraus gelernt.“
Für Springer war die Niederlage am Ende vielleicht sogar wertvoller als ein Sieg. „Ich denke, es wäre vielleicht zu schnell gegangen, wenn ich sofort gewonnen hätte. Verlieren gibt dir Erfahrung. Man lernt, mit Dingen umzugehen, die man nicht erleben will.“
Daher blickt er ohne Reue auf diesen schmerzhaften Abend zurück. „Ich glaube, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Natürlich will ich nicht verlieren, aber es hat mir geholfen.“
Der Siefersheimer stellte seine Dartskarriere lange hinten an. Zunächst konzentrierte er sich auf seine Ausbildung und wollte diese erfolgreich abschließen. Anschließend reduzierte er seine Arbeitszeit auf 40 Prozent, ehe er zu Beginn dieses Jahres den Schritt zum Vollzeitprofi wagte.
Eine Traumsaison 2024
Dass Springer seine Tour Card erobern konnte, kam nicht aus dem Nichts. Seine Saison 2024 war nämlich ausgesprochen beeindruckend. Mit drei Titeln auf der
Development Tour und vier Siegen auf der PDC Europe Next Gen Tour zählte er zu den erfolgreichsten Spielern des Jahres.
Laut Springer waren gerade diese vielen Turniere entscheidend. „Diese Turniere waren unglaublich wichtig für mich.“ Der Deutsche beschreibt sich als Spieler, der viel Matchpraxis braucht. „Ich bin jemand, der viel spielen muss, um in Form zu bleiben.“
Das bedeutete oft lange Wochen fernab von zu Hause. „Ich war viel unterwegs, aber das hat mir geholfen, Erfahrung zu sammeln und gegen starke Gegner zu spielen.“
Auffällig ist, wie entspannt Springer klingt, wenn es um seine Zukunft geht. Trotz der Erwartungen, die inzwischen auf seinen Schultern lasten, scheint er kaum Druck zu verspüren. „Ich denke, dass ich die richtigen Dinge getan habe“, sagt er. Für ihn bleibt der Spaß der wichtigste Faktor. „Es macht unglaublich viel Spaß. Kein Druck. Das ist das Wichtigste.“
Inspiriert von Jelle Klaasen
Wenn das Gespräch auf seine Darts-Idole kommt, erwartet man vielleicht einen deutschen Namen wie Max Hopp. Doch Springer überrascht mit einer anderen Wahl. „Jelle Klaasen.“
Nach Springers Angaben entstand seine Bewunderung für den Niederländer vor Jahren während der Darts WM. „Das erste Mal, dass ich Darts im Fernsehen gesehen habe, spielte
Jelle Klaasen bei der WM.“ ‚The Cobra‘ beeindruckte den Deutschen damals. „Er spielte so gut. Ich war sofort Fan.“
Seitdem faszinieren ihn dessen Material und Stil. „Ich habe nicht versucht, ihn zu kopieren, aber ich habe seine Darts und Flights genommen.“ Und das erwies sich als Volltreffer. „Sie haben sehr gut für mich funktioniert. Ich spiele inzwischen seit Jahren damit.“
Jelle Klaasen spielte sogar einst in der Premier League of Darts
Sogar seine Suche nach dem perfekten Material wurde von Klaasen beeinflusst. „Ich habe immer gesagt, dass ich einen Barrel brauche, der seinem ähnelt, weil das einfach gut zu mir passt.“
Auf der Pro Tour ist es gut möglich, dass Springer bald tatsächlich seinem Idol gegenübersteht. Ein Gedanke, der ihn sofort begeistert. „Ich habe noch nie gegen ihn gespielt.“
Ihm ist bewusst, dass eine solche Begegnung etwas ganz Besonderes werden könnte. „Vielleicht bin ich dann sehr nervös“, lacht er. „Aber ich freue mich wirklich darauf.“