Noa-Lynn van Leuven hat offen über die schwerste Phase ihrer Karriere gesprochen. Nachdem die World Darts Federation (WDF) trans Frauen von der Teilnahme an der Frauenkonkurrenz ausgeschlossen hatte, stellte sich die Niederländerin ernsthaft die Frage, ob ihre Zukunft im Dartsport überhaupt noch eine Perspektive hat.
Die Entscheidung der WDF bedeutete für die 29-Jährige einen tiefen Einschnitt. Sie durfte plötzlich nicht mehr dort spielen, wo sie sich in den vergangenen Jahren ihren Namen erarbeitet hatte. Doch anstatt den Kopf hängen zu lassen, spricht „The Duchess“ heute von einem Umbruch, der sie stärker gemacht habe – sportlich wie persönlich.
„Zum Glück ist jetzt Klarheit da“
Schon Monate vor der offiziellen Bekanntgabe wusste van Leuven, dass die neue Regel kommen würde. Beim WDF Europe Cup in der Slowakei wurde im Sommer 2024 darüber abgestimmt. „Ich wusste seit Juli, dass diese Entscheidung fallen wird“, erzählte sie im Gespräch mit
Oche180. „Aber keiner konnte mir sagen, wann sie gilt oder was sie konkret für mich bedeutet. Ich wusste nicht einmal, ob ich beim nächsten Turnier noch bei den Frauen antreten darf.“
Van Leuven unterlag bei der vergangenen Darts-WM in der ersten Runde mit 3:0 in Sätzen gegen Peter Wright.
Diese Ungewissheit brachte sie an ihre Grenzen. „Ich habe wirklich überlegt, ob das alles noch Sinn ergibt – ob ich nur noch PDC spiele oder vielleicht ganz andere Dinge ausprobiere“, so van Leuven. In dieser Übergangszeit steckte sie in einer Zwickmühle: Bei der WDF durfte sie noch in der Frauenkategorie antreten, aber nicht in der offenen Klasse. „Ich hatte das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen. Als die Entscheidung endlich fiel, war ich zwar enttäuscht, aber auch erleichtert. Wenigstens war es endlich klar.“
Mittlerweile nutzt sie die neue Situation als Antrieb. In ihrer Heimat spielt sie regelmäßig in offenen Turnieren – also gegen Männer und Frauen zugleich – und hat Gefallen an dieser Herausforderung gefunden. „Es motiviert mich, mein Spiel weiter zu verbessern. Es fühlt sich zwar immer noch komisch an, dass ich bei der WDF nicht starten darf, bei der PDC aber schon. Aber ich habe wieder Spaß am Wettkampf.“
In zwei Wochen steht sie für die Niederlande beim 4 Nations Cup am Oche, außerdem plant sie, künftig auch in der offenen Kategorie der WDF anzutreten. „Ich will es jetzt richtig versuchen. Neue Wege, neue Motivation – das ist mein Ziel.“
WM-Erfahrung und Neustart nach schwierigen Monaten
Bei der vergangenen Darts-WM im Dezember trat van Leuven im Alexandra Palace gegen keinen Geringeren als Peter Wright an. Sie verlor klar mit 0:3, konnte dem Spiel aber viel Positives abgewinnen. „Ich habe das Match echt genossen. Peter war total freundlich – auf der Bühne und daneben. Das Publikum war super. Ich habe zwar nicht mein bestes Niveau gezeigt, aber das Jahr davor war auch mental sehr anstrengend.“
Tatsächlich legte van Leuven vor der WM eine Pause ein. Sie kämpfte mit persönlicher Belastung, öffentlicher Kritik und Anfeindungen im Netz. Darts habe sie trotzdem nie losgelassen. „Ich liebe das Spiel zu sehr. Egal, wie schwer es wird – ich komme immer wieder zurück.“
Ihre Verbindung zum Sport reicht weit zurück. Schon als Jugendliche war sie aktiv, bevor sie während ihrer Transition einige Jahre pausierte. „Jetzt kann ich einfach nicht mehr ohne Darts“, sagt sie und lacht. Der Weg zurück auf die Bühne war nicht leicht, doch ihr Ehrgeiz bleibt ungebrochen.
In der
PDC Women’s Series feierte van Leuven bereits sechs Turniersiege. Für 2026 hat sie sich Großes vorgenommen: „Letztes Jahr habe ich nur wenige Turniere gespielt, fast nur die Women’s Series. Dieses Jahr will ich wieder mehr spielen und mir Schritt für Schritt eine Tour Card erarbeiten.“
Rivalität mit Beau Greaves
Wenn derzeit über Frauendarts gesprochen wird, fällt ein Name besonders oft: Beau Greaves. Die junge Engländerin ist seit 113 Matches ungeschlagen und dominiert die Women’s Series fast nach Belieben. Auch van Leuven spürt diesen Einfluss. „Sie ist ehrlich gesagt ein bisschen nervig, so gut wie sie im Moment spielt“, scherzt sie. „Aber ich liebe es, gegen Beau anzutreten. Sie bringt das Beste in mir hervor. Mal gewinnt sie 4:0, mal wird’s richtig eng – solche Matches holen mich absolut raus aus meiner Komfortzone.“
Noa-Lynn van Leuven steht für mehr als sportlichen Erfolg. Ihr Weg zeigt, was Stärke und Leidenschaft bedeuten, wenn äußere Umstände Grenzen ziehen wollen. Sie hat sich entschieden, diese Grenzen neu zu definieren – Pfeil für Pfeil.