„In diesen sieben Jahren habe ich viel gelernt. Und jetzt zahlt sich das endlich aus“ – Jeffrey Sparidaans überlebt Thriller in der ersten Runde in Lakeside

WDF
Sonntag, 30 November 2025 um 10:30
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Nach einem dramatischen Ringen, in dem er eine 2:0-Satzführung fast noch verspielte, hat Jeffrey Sparidaans endlich seinen ersten Sieg auf der legendären Lakeside-Bühne gefeiert. Was auf dem Papier wie ein klarer Erfolg gegen den Belgier Brian Raman aussah, wurde zu einem Nervenkrieg, den der Niederländer nur mit eiserner Konzentration und einem letzten, entscheidenden Doppel für sich entschied. Danach stand er da, sichtlich erleichtert, und sagte: „Ich weiß nicht, was passiert ist. Nach dem 2:0 fühlte ich mich entspannt – vielleicht zu entspannt. Aber sobald ich meine Chancen nicht nutzte, tat er es. Dann fängt man an zu denken … und dann kommt die Anspannung.“
Sparidaans startete stark, mit Power-Scoring und Sicherheit auf den Außenring, und wirkte zunächst souverän. Doch im Darts reicht eine kleine Schwächephase aus, um das ganze Spiel zu kippen. Ein paar verfehlte Doppel hier, ein starkes Leg von Raman dort – und plötzlich war die Kontrolle weg. „Er hat ein paar hohe Finishs gecheckt, die mich wirklich nervös gemacht haben“, gab Sparidaans zu. „Ich weiß, dass er das kann, er ist ein guter Spieler. Aber ich habe in wichtigen Momenten gefehlt, besonders bei der Doppel-12. Das war vielleicht das Entscheidende. Wenn ich die rausnehme, ist es vorbei.“

Ein mentaler Kampf 

Im entscheidenden Leg des letzten Satzes lastete mehr Druck auf Sparidaans als in jedem anderen Leg des Abends. Die Spannung war greifbar, das Publikum hielt den Atem an. Doch gerade im Moment der größten Anspannung fand er die nötige Ruhe. „Endlich das Doppel“, sagte er erleichtert. „Du denkst an alles: die 2:0-Führung, das Comeback, das letzte Leg … und dann triffst du es. Das ist ein tolles Gefühl.“
Jeffrey Sparidaans feiert ersten Lakeside-Sieg seiner Karriere
Jeffrey Sparidaans feiert ersten Lakeside-Sieg seiner Karriere
Der Sieg bedeutete mehr als nur einen Platz in der nächsten Runde. Es war sein erster Erfolg überhaupt auf der Lakeside-Bühne – und das nach einer Abwesenheit von nicht weniger als sieben Jahren. „Ja, endlich“, sagt er und lächelt. „Vor sieben Jahren war ich auch hier. Ich habe gegen Dennis Nilsson gespielt, und er hat großartig gespielt. Ich habe 0:3 in Sätzen verloren. Da wusste ich: Ich muss besser werden.“
Seither hat er sich Stück für Stück verbessert. Die Erfahrungen, die Niederlagen, die vielen Stunden auf lokalen Turnieren, die Reisen durch Europa – all das hat ihn geprägt. „In diesen sieben Jahren habe ich viel gelernt. Habe viel gespielt, viel erlebt. Und jetzt zahlt sich das endlich aus.“ Damit hat er bewiesen, dass Ausdauer in einem Sport, der manchmal gnadenlos hart ist, am Ende belohnt wird.

Dutch Open Champion – aber kein einfaches Jahr

Seine Rückkehr nach Lakeside folgt auf ein Jahr, in dem er auf dem Papier einen großen Titel gewonnen hat: die Dutch Open. Doch im Gegensatz zu dem, was viele Fans denken, war es keine konstante Hochsaison für ihn. „Nach den Dutch Open habe ich eigentlich gar nicht mehr so viele große Turniere gespielt“, erklärt er. „Ich habe viele lokale Turniere in den Niederlanden gespielt, kleine Turniere.“
Hinzu kam kurz vor Lakeside ein schwerer Schlag: „Ich war erst vor zwei Wochen in Malta bei der WDF. Ich habe zehn Matchdarts für die Runde der letzten 16 verpasst“, sagt er mit einer Mischung aus Frustration und Selbstironie. „Ich war SO wütend. Wirklich wütend. Das war ein Schlag.“ Diese Enttäuschung wurde aber zum Treibstoff für eine große Wende. „Ich habe meine Denkweise komplett geändert. Ich begann zwei Wochen lang hart für Lakeside zu trainieren. Und das ist das Ergebnis.“
Im Gespräch kommt auch Jimmy van Schie zur Sprache, einer der Favoriten für den WDF-Titel in diesem Jahr und Landsmann Sparidaans. „Er ist ein guter Spieler. Aber vor allem ein großartiger Mensch“, sagt er mit sichtlichem Respekt. „Wir haben denselben Manager, reisen viel zusammen. Ich hoffe, er gewinnt heute Abend.“
Er betont, dass Van Schie in absoluter Topform ist. „Er hat die World Masters und eine Menge WDF-Turniere gewonnen. Er ist wirklich einer der Favoriten. Aber dieses Turnier zu gewinnen? Das bleibt schwer vorherzusagen.“ Angesichts der vielen niederländischen Talente, die auf dem Vormarsch sind, ist klar, dass die Niederländer wieder einmal eine Welle von Dartern hervorbringen, die die internationalen Bühnen färben.

Nächste Runde: François Schweyen wartet

Mit den Nerven aus dem Auftaktkampf noch im Kopf blickt Sparidaans nun auf seine nächste Herausforderung: François Schweyen, ebenfalls ein Belgier. „Ich werde es ruhig angehen lassen. Erst ausruhen, dann auf die nächste Runde schauen“, sagt er weise. Keine großen Ankündigungen, keine Vorhersagen, keine Prahlerei – nur Nüchternheit und Konzentration.
Aber die Frage bleibt: Kann er sich nach diesem mentalen Kampf zu einem echten Kandidaten für den Weltmeistertitel entwickeln? „Wir werden sehen. Ich freue mich schon auf den nächsten Kampf“, so Sparidaans abschließend.
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