Mit einem souveränen 3:0-Erfolg über den Waliser Alex Williams hat
Jimmy van Schie seine Reise bei der WDF WM eindrucksvoll begonnen. Der 32-jährige Niederländer, der vor einem Jahr sein Debüt gab, präsentierte sich diesmal gelassen, fokussiert und in entscheidenden Momenten nervenstark. Trotz des klaren Sieges fand van Schie anschließend bemerkenswert selbstkritische Worte – nicht nur zu seinem eigenen Auftritt, sondern auch zum Spiel seines Gegners.
„Ich bin glücklich über den Sieg, aber es hätte besser sein können – von uns beiden“,
sagte van Schie nüchtern kurz nach der Partie. „Wir haben viele Chancen verpasst. Wir wollten beide schnell ins Ziel kommen, denke ich. Aber am Ende zählt: Ich habe gewonnen.“
Lehren aus einem Jahr Erfahrung
Die Unterschiede zu seinem ersten Auftritt auf der großen Bühne könnten kaum größer sein. 2024 stand van Schie erstmals auf der
Lakeside-Bühne – ein Erlebnis, das ihn zugleich begeisterte und überwältigte. Der Druck war spürbar, die Erwartungen hoch. Rückblickend erkennt er, wie sehr ihn diese Belastung prägte.
Jimmy van Schie hat im vergangenen Jahr eine beeindruckende Entwicklung hingelegt
„Ich habe letztes Jahr viel gelernt“, erklärt er. „Damals stand ich enorm unter Druck. Jetzt gehe ich von Spiel zu Spiel und denke nicht zu viel über das Drumherum nach.“ Der mentale Druck, die Lichter, das Publikum – all das habe ihn 2024 mehr beschäftigt als das eigentliche Spiel. „Viele haben etwas von mir erwartet, und das ist nicht leicht, wenn man zum ersten Mal auf so einer Bühne steht. Das macht etwas mit dir.“
Dieses Jahr jedoch wirkt Van Schie wie ausgewechselt. „Ich habe viel mehr Matches in den Beinen und deutlich mehr Erfahrung gesammelt“, sagt er. „Ich fühle mich jetzt viel wohler. Das erste Spiel ist immer eine kleine Suche, aber ich weiß, dass ich in meinen Rhythmus komme. In der nächsten Runde will ich stärker spielen.“
Gelassenheit trifft Selbstvertrauen
Abseits des Boards wirkt van Schie ebenfalls gereifter. Er spricht offen darüber, wie ihn das letzte Jahr veränderte – sportlich wie menschlich. „Ich habe gelernt, ein besserer Dartspieler zu werden, aber auch ein besserer Mensch“, sagt er. „Wenn ich früher verloren habe, hat mich das tagelang beschäftigt. Jetzt kann ich es viel schneller abhaken – das ist ein großer Fortschritt.“
Dieser Reifeprozess zeigte sich erstmals nach seinem packenden Duell gegen Jarno Bottenberg im Vorjahr, das trotz Niederlage zu den besten Spielen des Turniers zählte. Van Schie erinnert sich gut an die Emotionen danach. „Vielleicht war ich damals zu hart zu mir selbst“, gibt er zu. „Ich sage immer: Wenn mich jemand schlagen will, muss er besser sein. Jarno war das – punktetechnisch war ich nicht konstant genug, und er hat das clever genutzt. So ist Darts.“
Dieser nüchterne Realismus paart sich mit gesundem Ehrgeiz. An seinem eigenen Potenzial zweifelt Van Schie nicht. „Wenn ich mein A-Game spiele, wird es sehr schwierig, mich zu schlagen“, sagt er mit ruhiger Überzeugung. Kein Prahlen, sondern ein klares Statement eines Spielers, der weiß, was in ihm steckt.
Analyse: Ein reifer Van Schie ist gefährlich
Jimmy van Schie hat sich im Laufe der vergangenen zwölf Monate spürbar verändert. Technisch stark war er schon immer, doch seine mentale Stärke hebt ihn jetzt auf ein neues Level. Der Unterschied liegt im Kopf: Wo früher Nervosität seine Leistung bremste, regiert nun ein gefestigter, reflektierter Spieler, der den Moment kontrolliert.
Sein 3:0 gegen Alex Williams war kein fehlerloses Match, aber ein Signal. Van Schie bewies Stabilität in den wichtigen Phasen und zeigte den Willen, in jedem Satz die Kontrolle zu behalten. Es war ein Sieg, der weniger von Glanz, dafür umso mehr von Reife geprägt war – eine Qualität, die in langen Turnieren oft den Unterschied macht.
Van Schie selbst sieht den Auftritt als Basis, nicht als Gipfel. „Ich weiß, dass ich noch besser spielen kann“, betont er. „Aber ein Start wie dieser gibt Vertrauen.“
2025 steht ein anderer Jimmy van Schie auf der Bühne: einer, der gelernt hat, mit Erwartungen umzugehen, Fehler einzuordnen und Siege zu genießen, ohne abzuheben.