Das Jahr 2026 entwickelt sich zu einem der spannendsten Umbruchjahre in der Geschichte der PDC. Der Grund liegt weniger im sportlichen Generationswechsel, der sich ohnehin seit einiger Zeit abzeichnet, sondern vor allem in der deutlichen Erhöhung des Preisgeldes. Was auf den ersten Blick wie ein Vorteil für alle Profis wirkt, den Konkurrenzkampf jedoch erheblich verschärft – insbesondere für etablierte Namen mit großen Summen in der
Weltrangliste.
Die
PDC Order of Merit bleibt weiterhin strikt an das erspielte Preisgeld der vergangenen zwei Kalenderjahre gekoppelt. Erfolge aus dem Jahr 2024 fallen 2026 ersatzlos aus der Wertung. Für Spieler, die in diesem Zeitraum große Majors gewonnen oder tiefe Runs hingelegt haben, entsteht dadurch ein massiver Verteidigungsdruck. Wer nicht regelmäßig nachlegt, verliert schnell an Boden. Gerade Profis mit mehr als der Hälfte ihres aktuellen Preisgeldes im Verteidigungsmodus bewegen sich dieses Jahr auf dünnem Eis.
Wenn Millionen zur Belastung werden
An der Spitze der Diskussion steht zwangsläufig
Michael van Gerwen. Der dreimalige Weltmeister prägte über Jahre das internationale Darts-Geschehen und galt lange als Fixpunkt der Top 4. Doch auch für den Niederländer bringt 2026 erhebliche Unsicherheiten mit sich. Van Gerwen muss £477.000 verteidigen, was rund 69 Prozent seines aktuellen Ranking-Guthabens von £691.000 entspricht.
In dieser Summe stecken unter anderem £200.000 aus der Weltmeisterschaft, £100.000 vom World Matchplay sowie zwei Titel von der European Tour. Solche Zahlen stehen normalerweise für absolute Dominanz. Doch der Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt:
Van Gerwen ist verwundbarer geworden. Die Konstanz früherer Jahre fehlt, die Konkurrenz nutzt jede Schwächephase gnadenlos aus. Ein Abrutschen aus den Top 4 ist längst kein Tabuthema mehr. Bei einem erneut durchwachsenen Jahr rückt sogar ein Platz am unteren Rand der Top 16 in den Bereich des Möglichen.
Zwar unterstrich Van Gerwen mit dem Sieg bei den Bahrain Darts Masters seine Klasse, doch dieses Turnier fließt nicht in die Weltrangliste ein. Für die Order of Merit zählen nur Resultate auf den großen Bühnen und der Pro Tour – und genau dort wird der Druck 2026 enorm.
Mike De Decker: Vom Major-Sieger in die Warteschleife
Auch
Mike De Decker steht vor einem kritischen Jahr. Der Belgier erlebte mit einem Major-Triumph den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere, konnte dieses Niveau jedoch nicht konservieren. Die Folge: Rang 19 in der Weltrangliste und der Verlust der gesetzten Positionen bei großen Turnieren.
De Decker muss in dieser Saison £267.000 verteidigen, was knapp 65 Prozent seines gesamten Preisgeldes entspricht. Besonders schwer wiegt das Abschneiden beim World Grand Prix, wo allein £120.000 aus der Wertung fallen. Hinzu kommen Ergebnisse vom Grand Slam of Darts, mehreren weiteren Majors sowie ein Pro-Tour-Titel.
Mike De Decker steht aktuell auf Platz 19 der Weltrangliste
Ohne gleichwertigen Ersatz droht ein deutlicher Absturz. Selbst ein Rutschen aus den Top 32 ist realistisch. Auch wenn diese Grenze seit der WM-Erweiterung auf 128 Teilnehmer an Bedeutung verloren hat, bleibt sie für viele Profis eine psychologisch wichtige Marke. Für De Decker gilt: Er muss liefern, um nicht den Anschluss zu verlieren.
Rob Cross: Schwankende Technik, schwankende Perspektive
Rob Cross kennt solche Drucksituationen nur zu gut. Der Weltmeister von 2018 rangiert aktuell auf Platz 20 der Weltrangliste und verteidigt £212.000 von insgesamt £389.000 – mehr als die Hälfte seines Rankings.
Es gab zuletzt positive Ansätze. Bei der vergangenen Weltmeisterschaft bot Cross dem aufstrebenden Luke Littler einen intensiven Fight. Über die gesamte Saison hinweg fehlte jedoch die Stabilität. Besonders auffällig waren die Players Championships in Minehead, wo sein Spiel phasenweise komplett einbrach.
Bei Cross hängt vieles an der Technik. Gerät sein Wurf aus dem Rhythmus, fällt das Leistungsniveau rapide. Findet er dagegen Timing und Gefühl, gehört er weiterhin zur erweiterten Weltspitze. Der Blick auf 2026 zeigt klar: Nur mit harter Arbeit und technischer Sicherheit kann Cross den drohenden Absturz verhindern. Andernfalls gerät selbst die Zugehörigkeit zur sicheren Qualifikationszone ernsthaft in Gefahr.
Dimitri Van den Bergh: Wenn der Druck erdrückend wird
Kaum ein Name sorgt derzeit für mehr Diskussionen als
Dimitri Van den Bergh. Der Belgier ist auf Rang 25 abgerutscht und trägt eine Verteidigungslast von £260.000 – satte 78 Prozent seines gesamten Preisgeldes.
Diese Summe setzt sich aus hochkarätigen Ergebnissen zusammen: einem Sieg bei den UK Open, einem Halbfinale beim World Grand Prix, einem Viertelfinale beim World Matchplay sowie einem Players-Championship-Titel. Solche Resultate lassen sich nicht beliebig reproduzieren.
Dimitri Van den Bergh ist auf den 25. Platz der Weltrangliste abgerutscht
Sportlich blieb Van den Bergh im vergangenen Jahr vieles schuldig. Auch mental wirkte er zunehmend blockiert. Während er früher noch mit fehlender Motivation argumentierte, reiste er zuletzt gut vorbereitet zur WM – ohne zählbares Resultat. Der ständige Blick auf die Rangliste und die näher rückenden Verfolger hinterlassen Spuren. Ein Szenario, in dem Van den Bergh in Richtung Top 64 abrutscht oder sogar um seine Tour Card kämpfen muss, ist nicht länger unrealistisch.
Weitere Wackelkandidaten: Edhouse und Lukeman
Neben den prominenten Namen geraten auch Ritchie Edhouse und Martin Lukeman zunehmend unter Druck. Edhouse verteidigt £251.000, was rund 77 Prozent seines Rankings entspricht. Demgegenüber stehen lediglich £72.000 an neu erspieltem Preisgeld im vergangenen Jahr. Ohne klare Leistungssteigerung droht ein Absturz in den Bereich der Plätze 50 bis 60.
Martin Lukeman befindet sich in einer ähnlichen Lage. Sein überraschender Finaleinzug beim Grand Slam of Darts 2024 spülte viel Geld in die Rangliste, erzeugt nun aber ein strukturelles Problem. Rund 67 Prozent seines Rankings (£152.000) fallen 2026 weg. Gelingt keine Wiederholung dieses Erfolgs, verliert auch er schnell an Substanz.
Das erhöhte Preisgeld wirkt kurzfristig wie ein Puffer, langfristig jedoch wie ein Verstärker für Ungleichgewichte. Für Spieler mit hohen Altlasten in der Rangliste wird 2026 zu einem Jahr der Bewährung. Jedes Major, jedes Pro-Tour-Wochenende gewinnt zusätzliche Bedeutung. Am Ende der Saison dürfte die Order of Merit ein völlig neues Gesicht zeigen – mit neuen Gewinnern, aber auch mit bekannten Namen, die deutlich an Boden verloren haben.