„Am wichtigsten war seine Gesundheit“ – Gian van Veen reagiert auf die dramatischen Szenen um Cameron Menzies

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 23 Juli 2026 um 00:35
Gian van Veen (4)
Gian van Veen hat sich in einem hochklassigen niederländischen Duell gegen Wessel Nijman durchgesetzt und zum zweiten Mal das Viertelfinale des World Matchplay erreicht. Der 24-Jährige triumphierte nach Verlängerung mit 14:12 – und rettete sich zuvor mit einem spektakulären 148er-Checkout überhaupt erst in die entscheidende Phase der Partie.
Erschwert wurden die Bedingungen zusätzlich dadurch, dass das Match kurzfristig um eine Stunde vorgezogen wurde, nachdem Cameron Menzies während seines Spiels gegen Ross Smith gesundheitliche Probleme bekommen hatte. Für van Veen stand jedoch außer Frage, dass die Gesundheit des Schotten deutlich wichtiger war als seine eigene Vorbereitung.

„Eines meiner besten Spiele seit der Weltmeisterschaft“

„Ich bin überglücklich“, sagte van Veen nach dem Sieg gegenüber den Medien, darunter Dartsnews.de. „Ich wusste, dass es heute schwer werden würde. Wessel hat während des Spiels richtig stark aufgespielt. In den ersten fünf Legs hat er mich wahrscheinlich noch ein bisschen davonkommen lassen, danach war es ein komplett ausgeglichenes Match. Ich bin einfach unglaublich froh, gewonnen zu haben.“
Gian van Veen ballt die Faust.
Gian van Veen bejubelt seinen dramatischen Sieg gegen Wessel Nijman, mit dem er zum zweiten Mal das Viertelfinale des World Matchplay erreicht.
Auf die Frage, ob dies seine beste Leistung seit der Weltmeisterschaft gewesen sei, fiel van Veens Antwort eindeutig aus.
„Über dieses lange Format auf jeden Fall. Vielleicht war mein Match gegen Jonny Clayton in New York noch etwas besser. Aber über diese Distanz war das definitiv eines meiner besten Spiele seit der Weltmeisterschaft.“
Vor allem mit seinem Timing zeigte sich der Niederländer zufrieden. „Mein Scoring war gut genug, mein Finishing war richtig stark – besonders in den entscheidenden Druckmomenten. Ich glaube, genau das hat mir am Ende den Sieg gebracht.“

Das 148er-Checkout als Wendepunkt

Den Schlüsselmoment des Abends sah van Veen in seinem spektakulären 148er-Finish beim Stand von 12:11 für Nijman.
„Das war ein riesiger Moment“, sagte er. „Wessel hatte 64 Rest zum Matchgewinn. Mein erster Dart saß zunächst nicht perfekt, aber als er im Triple steckte, wusste ich: Jetzt nur noch den Flight treffen und sauber durchziehen. Doppel-14 gehört außerdem zu meinen Lieblingsdoppeln, gerade unter Druck.“
Seine Reaktion nach dem Checkout sprach Bände.
„Man hat an meiner Emotion gesehen, wie wichtig dieser Moment war. Wenn ich die 148 nicht checke, nimmt Wessel wahrscheinlich die 64 raus – und ich würde jetzt nicht hier sitzen.“

Menzies' Gesundheit hatte Vorrang

Kurz vor seinem Match erhielt van Veen die Nachricht, dass seine Partie vorgezogen werde. Grund waren die gesundheitlichen Probleme von Cameron Menzies.
„Natürlich war das nicht ideal“, erklärte van Veen. „Bei Majors bin ich wegen der Medien und der Fans, die Autogramme möchten, ohnehin immer früh vor Ort. Deshalb war ich bereits da.“
Entscheidend sei jedoch etwas anderes gewesen.
„Was mit Cammy passiert ist, war natürlich nicht ideal für meine Vorbereitung. Aber am wichtigsten war seine Gesundheit. Als ich wusste, dass es ihm gut geht und er zurück in seine Unterkunft gefahren ist, konnte ich mich auf mein eigenes Spiel konzentrieren. Es war nicht ideal, aber für Wessel waren die Bedingungen genau dieselben.“
Auch die kurzfristige Verlegung selbst nahm er pragmatisch.
„Ich glaube nicht, dass so etwas schon einmal passiert ist. Als ich den Anruf bekam, dass ich in 50 Minuten spiele, war ich natürlich nicht begeistert. Aber es ging nicht um mich, sondern um Cammy. Sobald ich wusste, dass es ihm gut geht, habe ich die Situation akzeptiert und mich auf mein Match konzentriert.“

Erfahrung half – aber entschied das Match nicht

Ob seine größere Erfahrung auf der TV-Bühne letztlich den Ausschlag gab, wollte van Veen nicht behaupten.
„Vielleicht“, sagte er. „Aber ich kann nicht für Wessel sprechen. Er spielt dieses Jahr auf der Pro Tour, der European Tour und auch bei den Majors phänomenal. Heute hat er ebenfalls ein starkes Match gespielt und vielleicht auch etwas Pech gehabt.“
Für sich selbst spürte er allerdings einen Vorteil.
„Ich habe mich auf der Bühne unglaublich wohlgefühlt. Selbst im Tie-Break blieb ich ruhig, obwohl ich wusste, dass ich ständig kurz vor dem Aus stand. Wahrscheinlich hat mir meine Erfahrung in diesen Momenten geholfen. Aber ich würde nie sagen, dass Wessel wegen mangelnder Erfahrung verloren hat.“

„Ich musste die Emotionen rauslassen“

Nach dem 148er-Checkout ließ van Veen seinen Gefühlen freien Lauf – etwas, das man von ihm sonst nur selten sieht.
„Vor allem nach der 148 musste ich die Emotionen einfach rauslassen“, erklärte er. „Das sieht man bei mir nicht oft. Aber man spielt eben auch nicht jede Woche das World Matchplay oder die Weltmeisterschaft.“
Trotz des Jubels blieb er fokussiert. „Direkt danach habe ich mir gesagt: Beruhige dich. Es steht nur wieder unentschieden. Du hast das Match noch nicht gewonnen.“

Tie-Break ohne Angst

Dass Nijman das Match zwischenzeitlich gedreht hatte, brachte van Veen nicht aus der Ruhe. „Natürlich war das schwierig. Ich hatte geführt und plötzlich lag Wessel vorne. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich jedes eigene Anwurfleg gewinnen musste.“
Gerade in dieser Phase zahlte sich seine Erfahrung aus. „Ich habe hier schon einmal einen Tie-Break gegen Rob Cross gespielt und bei Weltmeisterschaften viele enge Matches erlebt. Deshalb habe ich mich trotz der schwierigen Situation wohlgefühlt. Vor allem mein Finishing hat mich heute durch das Match gebracht. Wenn ich die 148 nicht treffe, verliere ich das Match. Rückblickend war das wahrscheinlich einer der größten Darts meiner gesamten Karriere.“

Lob für Nijman – und Hoffnung auf den World Cup

Van Veen sieht zwischen sich und seinem Landsmann durchaus Parallelen, betonte jedoch auch die unterschiedlichen Stärken.
„Auf dem Floor und vielleicht auch auf der European Tour ist Wessel aktuell sogar besser als ich. Er hat viele Players-Championship-Turniere gewonnen, ich nur eines. Er hat zwei European-Tour-Titel, ich keinen.“
Bei den Majors sieht er sich dagegen im Vorteil.
„Dort zählt es am meisten. Wessel hat bislang noch kein Major-Viertelfinale erreicht. Ich stehe jetzt wieder im Viertelfinale, habe ein WM-Finale gespielt und die European Championship gewonnen. Bei den Majors liege ich vorne, ansonsten eher Wessel. Insgesamt sind unsere Wege aber ziemlich ähnlich. Und wenn er so weitermacht wie in den vergangenen zwölf Monaten, wird er dort auch ankommen.“
Auch ein gemeinsamer Auftritt für die Niederlande beim World Cup of Darts reizt ihn.
„Wenn Wessel so weiterspielt, absolut. Ich kenne ihn, seit wir zwölf oder dreizehn Jahre alt sind. Wir verstehen uns richtig gut. Er ist vielleicht nicht mein engster Freund, aber wir haben ein sehr gutes Verhältnis.“
Mit einem Lächeln ergänzte er:
„Wenn wir nächstes Jahr gemeinsam für die Niederlande beim World Cup spielen, würde ich mich freuen. Er ist ein Topspieler und ich glaube, dass wir eine richtig gute Chance auf den Titel hätten – vorausgesetzt, die beiden Lukes tauchen nicht auf.“
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