„Das war eine der besten Darts-Übertragungen, die ich je gesehen habe“ – Chris Mason lobt ITVs neue Darts-Ära in höchsten Tönen

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 13 Februar 2026 um 14:00
Wayne Mardle, Chris Mason, Pete Graves, ITV Sport
Bei all dem Trubel rund um die Darts-Berichterstattung des britischen TV-Senders ITV in diesem Winter hat kaum eine Stimme mehr Gewicht als die von Chris Mason. Nicht, weil Mason zu den neuen Gesichtern der frisch gestarteten Matchroom-Produktionsära zählt – sondern weil er einer der wenigen Protagonisten ist, der bereits vor der Kamera stand, als ITV selbst noch das Produktionszepter führte.
Mason zählt zu den wenigen Akteuren, die beide ITV-Darts-Phasen miterlebt haben. Er war bereits eine feste Größe in der früheren Ära mit Jacqui Oatley und dem langjährigen Experten Alan Warriner-Little. Heute gehört er zu den Konstanten eines neu formierten On-Air-Teams – gemeinsam mit Wayne Mardle, Mark Webster und Moderator Pete Graves.

Ein sichtbarer Wandel in der Produktionskultur

Gerade dieser Erfahrungsschatz macht Masons Einschätzung der neuen ITV-Ausrichtung besonders wertvoll. Im Gespräch mit Online Darts fand er klare Worte: „Für mich war das eine der besten Darts-Übertragungen, die ich je gesehen habe.“
Das frühere ITV-Darts-Team: Chris Mason gemeinsam mit Moderatorin Jacqui Oatley und Experte Alan Warriner-Little
Das frühere ITV-Darts-Team: Chris Mason gemeinsam mit Moderatorin Jacqui Oatley und Experte Alan Warriner-Little
Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf ein einzelnes Turnier, sondern auf einen umfassenden Wandel in der Produktionsphilosophie. Mit größerem Einfluss von Matchroom Sport im Hintergrund und einer modernisierten Herangehensweise an die Übertragung hat ITV seine Darts-Präsentation grundlegend neu aufgestellt.
Masons Lob gilt dabei ebenso den Abläufen hinter den Kulissen wie dem Auftritt vor der Kamera. Er sprach von einem Vorbereitungsniveau, das er bei ITV zuvor nicht erlebt habe. „Ich habe noch nie so viel für ein Event geprobt wie für dieses.“
Diese Detailverliebtheit zog sich aus seiner Sicht durch das gesamte Team. „Jeder Kameramann, jeder Tontechniker, jedes Talent, sogar die Caller – es blieb wirklich nichts dem Zufall überlassen.“
Besonders in Erinnerung blieb ihm eine klare Ansage aus der Produktionsleitung: „Der Produktionsleiter sagte im Grunde: ‚Es ist mir egal, ob ihr meint, ihr wisst, was ihr tut. Wir bauen hier keinen Fehler ein.‘“

Der Matchroom-Einfluss

Auch wenn Mason direkte Vergleiche mit früheren ITV-Setups bewusst vermied, benannte er klar, woher ein Teil dieser Entwicklung stammt. Vor allem die breite TV-Erfahrung von Matchroom habe spürbar Spuren hinterlassen.
„Wenn man sieht, was Matchroom in Saudi-Arabien bei der Box-Produktion macht, erkennt man, wie diese Erfahrung in den Dartsbereich eingeflossen ist.“
Diese Überschneidung eröffne neue Möglichkeiten für einen Sport, der oft zwischen Zugänglichkeit und Spektakel balanciert. „Jemand hat sich das ganz offensichtlich angeschaut und gedacht: ‚Damit können wir im Darts etwas machen‘ – und sie haben es komplett getroffen.“
Aus Masons Sicht entstand so eine Übertragung, die auch Zuschauer abholt, die inmitten einer Session einschalten – ohne dabei die Kenner zu verlieren. „Nicht jeder weiß alles über Darts. Manche kommen von der Arbeit nach Hause und landen plötzlich mitten in einem Match. Wir haben erklärt, was passiert war und warum es zählte.“

Eine neue Mischung aus Stimmen

Ein zentraler Diskussionspunkt der Neuausrichtung war die veränderte Teamzusammensetzung vor der Kamera. Mason räumte offen ein, dass auch er anfangs nicht sicher gewesen sei, ob die unterschiedlichen Stile harmonieren würden.
„Ich war mir nicht sicher, wie all die Stile zusammenpassen. Wayne hat seinen Stil, ich meinen. Webby seinen. Mark Wilson ist ein echter Broadcaster, sehr strukturiert. Und dann ist da Dan, der einfach ein Genie ist.“
Die Balance entstand für ihn letztlich durch klar definierte Rollen – nicht durch erzwungene Einheitlichkeit. „Mark brachte Ruhe und Struktur. Er ließ die Dinge nicht zu weit abdriften.“
Die Zusammenarbeit mit Mardle fühlte sich für Mason besonders natürlich an – gewachsen aus Jahrzehnten gemeinsamer Erfahrung. „Wayne und ich kennen uns seit über 30 Jahren. So, wie wir in der Kommentierung reden, reden wir auch im Presseraum beim Darts-Schauen.“
Überrascht habe ihn weniger, dass das Konzept funktionierte – sondern vielmehr das Ausmaß der positiven Resonanz. „War ich überrascht, dass es funktionierte? Nein. War ich überrascht über die Menge an Zuspruch? Ja.“
Auffällig sei vor allem das Feedback aus der TV-Branche selbst gewesen. „Ich habe noch nie so viel positives Feedback von Leuten aus der TV-Industrie bekommen, die sagten, wie sehr sie sich in die Übertragung eingebunden fühlten.“
Mardle (l.) und Webster (r.) ergänzen Mason in der neuen ITV-Berichterstattung
Mardle (l.) und Webster (r.) ergänzen Mason in der neuen ITV-Berichterstattung

Nachwirkungen, Gegenwind und Zurückhaltung

Diese Begeisterung kam jedoch nicht ohne Reibung. Die neue ITV-Besetzung sorgte bei jenen, die nicht übernommen wurden, für sichtbaren Frust. Warriner-Little äußerte öffentlich seine Enttäuschung über den Umgang mit den Veränderungen. Auch einige Zuschauer fragten sich, ob ITV seine gewachsene Identität zugunsten eines stärker Matchroom-geprägten Stils aufgebe.
Mason ging nicht auf einzelne Beschwerden ein, räumte jedoch ein, dass manche Elemente der Präsentation heftige Reaktionen ausgelöst hätten – insbesondere Grafiken und On-Screen-Design. „Die Spielstand-Grafik wurde zum Streitpunkt, was mich erstaunte.“
Dabei mahnte er zu mehr Perspektive: „Die Leute vergessen, dass es sehbehinderte Fans gibt. Darts ist eine der wenigen Sportarten, die sie leicht verfolgen können. Die Empörung über die Grafiken, über den MC – das war einfach unnötig. Seid freundlich.“
Sein Tonfall spiegelt seine besondere Rolle in dieser Debatte wider. Mason kennt das frühere ITV-Team aus nächster Nähe und ist nun Teil der neuen Struktur. Er unterstützt die eingeschlagene Richtung, ohne die Vergangenheit abzuwerten.

Das Winmau World Masters als Statement-Event

Wenn es ein Turnier gab, das den Wandel greifbar machte, dann war es das Winmau World Masters – zugleich sportliches Highlight und Schaufenster für die überarbeitete Übertragung.
Mason lobte nicht nur die Produktionsqualität, sondern auch das eingesetzte Material. Besonders hob er das neue Board von Winmau hervor. „Dieses Board ist nicht für aggressive Spitzen ausgelegt. Es stecken Tausende Stunden Forschung und Entwicklung drin.“
Die Auswirkungen seien messbar. „Schaut euch die Averages an, seit es verwendet wird.“
Für Mason fiel das Fazit eindeutig aus: „Der Beweis liegt auf der Hand. Das Turnier war unglaublich.“

Ein Urteil mit Gewicht

In einer Phase des Umbruchs hat ITV Darts zwangsläufig Diskussionen darüber ausgelöst, was gewonnen und was verloren wurde. Masons Perspektive löst diese Spannung nicht auf – liefert aber Einordnung.
Er kennt die Abläufe des alten Setups, hat dort Beziehungen aufgebaut und unterstützt nun einen Ansatz, der Proben, Klarheit und moderne Produktion in den Mittelpunkt stellt. Genau diese Mischung aus Kontinuität und Wandel verleiht seinem Urteil besondere Glaubwürdigkeit.
Wenn Mason sagt, es sei eines der besten Darts-Programme gewesen, die er je gesehen habe, spricht nicht die Euphorie eines Neulings. Es ist die fundierte Einschätzung eines Mannes, der beide Seiten von ITV Darts kennt – und überzeugt ist, dass der Sport auf dem Bildschirm einen bedeutenden Schritt nach vorn gemacht hat.
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