„Die größte Bühne der Welt – und ich darf sie mit meinem Idol teilen“ – Gian van Veen vor dem Darts WM-Halbfinale gegen Gary Anderson
PDCGian van Veen erlebt im Alexandra Palace die Wochen seines Lebens. Der 23-jährige Niederländer zog mit einem beeindruckenden 5:1 gegen Luke Humphries ins Halbfinale der Darts WM 2026 ein und schrieb damit Geschichte. Nicht nur wegen der Art und Weise seines Sieges, sondern auch wegen der Bedeutung des Resultats: Van Veen ist die neue niederländische Nummer eins und steht inzwischen auf Platz drei der Weltrangliste.
Nach seinem Viertelfinale war die Erleichterung riesig. „Ich fühle mich wirklich großartig“, sagte ein sichtlich emotionaler Van Veen. „Diese Leistung war für mich persönlich etwas ganz Besonderes. Zu zeigen, was ich in diesem Format, auf dieser Bühne und in einem Match mit so enormem Druck kann, fühlt sich fantastisch an.“
Statement gegen die Weltspitze
Die Auslosung hatte im Vorfeld hohe Erwartungen geweckt. Viele Dartsfans und Kenner freuten sich seit Wochen auf das Duell zwischen Van Veen und Humphries. Und der Niederländer enttäuschte nicht. Mit aggressiver Scoring-Power, starken Finishes und vor allem mentaler Ruhe setzte er den Weltmeister von 2024 permanent unter Druck. „Es war ein Spiel, auf das alle gewartet haben, ich selbst auch“, blickte Van Veen zurück. „Und dann ausgerechnet in so einer Partie zu zeigen, was man kann und ihn so unter Druck zu setzen, das gibt ein großartiges Gefühl.“
Obwohl sein Average statistisch nicht sein höchster überhaupt war, bewertet Van Veen diese Partie als die beste seiner Karriere. „Wenn man das Timing, die Gelegenheit, den Gegner – die Nummer zwei der Welt – betrachtet und dann 5:1 gewinnt, während er ebenfalls gut spielt, dann ist das mein bisher bestes Match.“
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Neue niederländische Nummer eins
Der Sieg hatte große Auswirkungen auf die Weltrangliste. Durch das erhöhte Preisgeld bei der WM kletterte Van Veen auf Platz drei und wurde neue niederländische Nummer eins, die erste seit 2012. Ein Meilenstein, von dem er selbst nie zu träumen gewagt hatte.
„Es ist ein unglaubliches Gefühl. Als Kind hätte ich davon wirklich nie zu träumen gewagt“, sagte er. „Als Niederländer hast du immer zu Raymond van Barneveld und später Michael van Gerwen aufgeschaut. Die standen immer ganz oben. Dass ich jetzt an ihnen vorbeigezogen bin, ist etwas ganz Besonderes.“
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Auffällig ist, dass es nie ein explizites Ziel war, Van Gerwen zu entthronen. „Nein, eigentlich nicht. Mein Ziel war immer, Zweiter zu werden. Michael war so gut, dass ich nie dachte, dass ich ihn einholen würde. Und dass es jetzt doch passiert, macht es extra speziell.“
Am meisten beeindruckte vielleicht die Gelassenheit, die Van Veen ausstrahlte. Während frühere WM-Teilnahmen von Druck und Nervosität begleitet waren, wirkte er diesmal befreit. „Der ganze Druck lag auf meinem ersten Spiel“, erklärte er. „Ich hatte hier noch nie ein Match gewonnen, obwohl ich Europameister war und in der Rangliste weit vorne stand. Dieser erste Sieg war so eine Erleichterung. Danach fühlte ich mich wohl, selbst heute Abend hatte ich keine Nerven.“
Diese Ruhe half ihm auch, als er merkte, dass Humphries zu wackeln begann. „Ich sah, wie sich seine Körpersprache im Laufe des Spiels veränderte. Am Anfang war er sehr positiv, aber als ich zu scoren begann und er ein paar Doppelfelder verpasste, wurde er negativer. In dem Moment sagte ich mir: weiter Druck machen, weiter Gas geben. Denn sobald du nur ein wenig nachlässt, kommt er knallhart zurück.“
Gian van Veen trifft im Halbfinale auf Gary Anderson
Respekt für Humphries
Trotz der Rivalität sprach Van Veen mit großem Respekt über Humphries. „Er ist ein fantastischer Botschafter für den Sport. Auch in der Niederlage ist er groß. Er sagte nach dem Match, dass ich diesen Sieg verdient habe und dass er sich auf mich in der Premier League Darts nächstes Jahr freut. Das sagt viel über ihn aus.“
Laut Van Veen spielte auch die direkte Bilanz eine Rolle. „Ich hatte ihn die letzten vier Male geschlagen. Das sorgt natürlich für zusätzlichen Druck bei ihm. Aber selbst wenn Luke negativ wirkt, kann er immer noch 105 im Average spielen. Deshalb musste ich wachsam bleiben.“
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Im Halbfinale wartet ein Aufeinandertreffen, das sich für Van Veen beinahe unwirklich anfühlt: Gary Anderson. „Er war mein Lieblingsspieler, als ich aufwuchs“, sagte Van Veen. „Meine erste WM, die ich gesehen habe, war 2011, als er das Finale gegen Adrian Lewis erreichte. Dass ich nun, fünfzehn Jahre später, gegen ihn in einem WM-Halbfinale spielen darf… das ist wirklich verrückt.“
Der Niederländer freut sich vor allem auf den Moment. „Ich werde es einfach genießen. Es ist die größte Bühne, die es gibt, und dass ich sie mit meinem Idol teilen darf, macht es extra speziell.“
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Elite-Status? Noch nicht überzeugt
Obwohl Van Veen inzwischen die Nummer drei der Welt ist, bleibt er bemerkenswert bescheiden in der Einschätzung seines Status. „Ich habe immer gesagt: Zur Elite gehörst du erst, wenn du Weltmeister oder Weltranglistenerster bist“, so Van Veen. „Aber okay, jetzt Nummer drei, Halbfinale, Humphries wieder geschlagen… vielleicht gehöre ich jetzt doch dazu.“
Dennoch will er mehr. „Die wirkliche Elite zeigt dieses Niveau Woche für Woche. Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann, wenn ich so spiele, aber ich muss es konstant abrufen. Das ist der nächste Schritt.“
Mit noch zwei ausstehenden Matches beginnt das Träumen vorsichtig. „Ich habe es mir noch nicht wirklich visualisiert, aber vielleicht heute Abend im Bett“, lachte er. „Wenn du im Halbfinale stehst, fängst du automatisch an nachzudenken. Aber es wird enorm schwierig: erst Gary Anderson, danach möglicherweise Luke Littler oder Ryan Searle. Doch wenn ich so spiele wie heute, habe ich eine Chance.“
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











