Luke Littler hat sich auf überzeugende Weise für das Halbfinale der
Darts WM 2026 qualifiziert. Der 18-jährige amtierende Weltmeister ließ im Viertelfinale
Krzysztof Ratajski keine Chance und feierte einen klaren 5:0-Sieg.
Bemerkenswerterweise war Littler anschließend alles andere als begeistert von seinem eigenen Spiel. „Es fühlte sich eigentlich überhaupt nicht gut an“, gab er ehrlich zu. „Aber das Wichtigste ist, dass ich weiter bin.“
Dass Littler erneut so dominant auftrat, darf durchaus überraschen. Der Engländer verriet nämlich, dass er in den Tagen vor dem Match kaum trainieren konnte. „Ich habe fast zweieinhalb bis drei Tage nicht trainiert“, sagte er. „Wir haben in dem Haus, in dem wir wohnen, kein Dartboard, also konnte ich eigentlich nicht trainieren. Das ist meine eigene Schuld, vielleicht ein bisschen faul.“
Auf der Suche nach Gefühl, aber messerscharf in den entscheidenden Momenten
Diese mangelhafte Vorbereitung sorgte dafür, dass Littler während des Spiels nach seinem idealen Wurf suchte. „Ich habe meinen Wurf ein bisschen angepasst, hier und da“, erklärte er. „Ich fühlte mich einfach nicht ganz wohl.“ Auf der Anzeigetafel war davon jedoch wenig zu sehen. Mit einem Average um die 100, einer Flut an 180ern und ein paar spektakulären Finishes setzte er Ratajski von Beginn an unter Druck.
Der absolute Höhepunkt kam im Auftaktsatz, in dem Littler ein sensationelles 170-Finish checkte. „Der war herrlich“, lächelte er. „Er hat mir sofort Vertrauen gegeben.“
Kurz schien sogar ein Neundarter in der Luft zu liegen, doch auch diesmal blieb das perfekte Leg aus. „Das ist vielleicht ein kleines bisschen frustrierend“, räumte Littler ein. „Es war das erste Mal bei diesem Turnier, dass ich ‚back-to-back‘ eine Chance hatte. Aber gut, morgen ist ein neuer Tag und mit einem längeren Format gibt es genug Möglichkeiten.“
Keine echte Prüfung, aber erneut Halbfinale
Obwohl das Ergebnis etwas anderes vermuten lässt, fand Littler selbst, dass er bei dieser WM noch nicht wirklich ans Limit gehen musste. „Die härteste Prüfung war gegen Rob Cross“, sagte er. „Als er von einem 1:3-Rückstand zurückkam, musste ich wirklich scharf sein. Heute Abend wurde ich nicht so gepusht, obwohl ich sagen muss, dass Krzysztof ein gutes Turnier gespielt hat.“
Es ist inzwischen das dritte Mal in Folge, dass Littler das WM-Halbfinale erreicht. In drei Teilnahmen hat er bislang nur ein Match auf der Bühne des Alexandra Palace verloren: das Finale 2024 gegen Luke Humphries. „Das spukt mir manchmal noch im Kopf herum“, gab er zu. „Wenn die Doppel-Zwei damals gefallen wäre, hätte es ganz anders laufen können. Aber ich bin zurückgekommen, habe im Jahr danach gewonnen und jetzt stehe ich wieder hier.“
Angstfaktor und Aura der Unbesiegbarkeit
Littlers Dominanz weckt Vergleiche mit Ikonen der Vergangenheit. Wie einst Phil Taylor scheinen einige Gegner mental schon geschlagen, bevor das Match richtig begonnen hat. „Wenn das in ihren Köpfen ist, dann ist das so“, reagierte Littler nüchtern. „Aber ich gehe immer davon aus, dass jeder sein bestes Spiel gegen mich abliefert. Das muss er auch, sonst gewinnt er nicht.“
Laut Littler ist es gerade diese ständige Bedrohung, die ihn wachsam hält. „Jeder tritt besser auf als in der vorherigen Runde. Das weiß ich. Also muss ich immer bereit sein.“
Luke Littler trifft im Halbfinale auf Ryan Searle
Nächster Halt: Ryan Searle
Im Halbfinale wartet
Ryan Searle, der bisher nur zwei Sätze bei diesem Turnier verloren hat. Die beiden trafen in diesem Jahr bereits beim World Matchplay aufeinander, ein Match, das Littler überzeugend gewann. Dennoch erwartet er nun eine andere Partie. „Ryan spielt fantastisch. Er hat erst zwei Sätze verloren und er wird mich definitiv testen. Aber ehrlich? Ich hoffe natürlich, dass es wieder eine einseitige Partie wird“, lachte er.
Ein wichtiges Ziel für Littler wird sein, erneut stark zu starten. „Ich will immer 1:0 in Führung gehen. Hoffentlich wird das morgen der erste Satz, den Ryan verliert.“
Publikum, Buhrufe und mentale Reife
Nach seinem brisanten Duell mit Rob Cross, in dem Littler mit Buhrufen aus dem Publikum konfrontiert war, galt im Vorfeld die Aufmerksamkeit auch der Stimmung im Alexandra Palace. Littler selbst machte sich wenig Sorgen. „Es ist ein neues Jahr, ein neuer Tag. Als ich die Bühne betrat, war das Publikum fantastisch. Ich habe kurz in Richtung der Tribünen geklatscht, um zu zeigen, dass ich sie auf meiner Seite haben wollte.“
Nach Littlers Einschätzung hat er mental große Schritte gemacht. „Das Match gegen Cross hat mir wirklich geholfen. Ich weiß jetzt, wie ich mit solchen Situationen umgehen muss. Ob es Buhrufe gibt oder nicht, ich kann damit umgehen.“
Littler ist sich bewusst, dass er inzwischen mehr ist als nur ein Topspieler. Als Weltmeister und Nummer eins der Welt fühlt er eine gewisse Verantwortung. „Ich will eine Persönlichkeit sein“, sagte er. „Große Finishes checken, Dinge anders machen, die Leute unterhalten. Man sieht, dass Darts weltweit größer wird. Das liegt nicht nur an mir, aber ich habe daran sicher einen Anteil.“
Dass andere Spieler sagen, sie verdienten durch den „Littler-Effekt“ mehr, ordnet er ein. „Das bin nicht nur ich. Es ist die ganze Tour, mit verschiedenen Siegern und mehr Konkurrenz. Aber ich bin stolz, ein Teil davon zu sein.“
Rekorde, Zukunft und Hunger auf mehr
Mit inzwischen 47 geworfenen 180ern rückt auch der Rekord von Michael Smith (83 im Jahr 2022) vorsichtig in Sichtweite. „Alles ist möglich“, sagte Littler. „Mit zwei längeren Matches kann es schnell gehen. Wir werden sehen.“
Auch mit Blick auf die Zukunft ist er zuversichtlich. „Es kommen immer neue Herausforderer. Spieler wie Josh Rock, Ratajski, jeder kann einen Schritt machen. Aber solange ich weiter liefere und arbeite, werde ich sehen, wer sich durchsetzt.“