Luke Littler gilt auch auf dem Weg ins Halbfinale der Darts WM erneut als klarer Topfavorit. Sportlich steht der 18-jährige Weltmeister und Weltranglistenerste vor seinem Duell mit Krzysztof Ratajski auf einem soliden Fundament. Doch diesmal wird der Vorlauf zu seiner nächsten Partie weniger vom Sportlichen bestimmt als von seinem Auftritt nach der vorherigen Runde.
Nach seinem Sieg zeigte sich Littler sichtlich genervt vom pfeifenden Publikum im Alexandra Palace und verteilte eine Spitze, die ihm heftige Kritik einbrachte. Der junge Engländer reagierte ungewohnt scharf – und überschritt aus Sicht vieler Beobachter eine Grenze.
Van der Voort kritisiert Littler scharf
Besonders deutlich äußerte sich Ex-Profi Vincent van der Voort im Podcast Darts Draait Door. Der Niederländer nahm kein Blatt vor den Mund und riet Littler dringend zu einer öffentlichen Klarstellung. „Er sollte eigentlich mit einem Statement rausgehen, dass es nicht so gemeint war. Kurz die Hosen runterlassen. Aber das wird er wahrscheinlich nicht machen“, sagte van der Voort. Seiner Meinung nach war Littlers Kommentar in Richtung der Fans nicht nur überflüssig, sondern vor allem unklug. „Das ist echt nicht clever von ihm. Das Beste, was er tun kann, ist zu sagen, dass es eine dumme Aussage im Eifer des Gefechts war.“
Konkret ging es um Littlers Reaktion nach der Partie, als er nahelegte, dass die buhenden Fans indirekt sein Preisgeld bezahlen würden. Für van der Voort birgt diese Aussage erhebliche Risiken. Er warnt davor, dass sich das Publikum langfristig gegen den jungen Superstar stellen könnte. Zwar erwartet er im Viertelfinale gegen Ratajski noch eine vergleichsweise moderate Atmosphäre, dennoch erkennt er eine gefährliche Entwicklung.
„Aber er muss wirklich aufpassen. Gegen zwei Dinge kannst du in deiner Karriere nicht gewinnen: die Presse und das Publikum. Irgendwann trifft es dich, das haben auch Gerwyn Price, Mervyn King und Paul Nicholson gezeigt. Solange es läuft, hast du keine Probleme. Doch wenn es einmal nicht läuft, passiert es eben. Price ist auch geknickt.“
Van der Voort betont, dass es für jeden Dartspieler schwierig sei, gegen ein feindseliges Publikum anzutreten. Wirklich problematisch werde es jedoch, wenn diese Situation zur Gewohnheit werde – besonders für einen Spieler wie Littler, dessen Karriere noch viele Jahre dauern soll.
„Zumal deine Karriere noch so lange dauern muss. Am Ende wird es zum Programm, Littler auszupfeifen. Letztlich verlierst du das, ja. Die Presse und das Publikum sind nicht dein Feind. Dein Feind steht auf der Bühne und den musst du schlagen. Das ist das Einzige.“
Damit bringt Van der Voort den Kern seiner Kritik auf den Punkt. Luke Littler verfügt über außergewöhnliche sportliche Qualitäten und wirkt auf der Bühne derzeit kaum angreifbar. Gerade deshalb sei es umso wichtiger, verantwortungsvoll mit seinem öffentlichen Auftreten umzugehen. Die Geschichte des Dartsports zeigt, dass selbst die größten Namen verwundbar werden, wenn die Stimmung kippt. „Darum ist es nicht klug, die Fans so zu behandeln. Das war nicht der glücklichste Moment seiner Karriere.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
"I'm not bothered, really not bothered. You guys pay for tickets that pay for my prize money so thank you. Thank you for my money, thanks for booing me!"
Luke Littler's post-match reaction!