„Hoffentlich haben wir ihn noch fünf oder zehn Jahre“: Glen Durrant nennt den Grund, warum Luke Littler keine 16 WM-Titel gewinnen wird
PDC
Glen Durrant räumte seine vor dem World Matchplay geäußerten Zweifel an Luke Littler aus, kurz bevor der Titelverteidiger am Dienstagabend in den Winter Gardens antrat. Am Ende des Abends erschien diese Entscheidung wie ein perfektes Timing.
Littler eröffnete seine Zweitrundenpartie gegen Nathan Aspinall mit einem 9-Darter und verfehlte im vierten Leg auf Doppel 15 nur knapp den nächsten perfekten Durchgang. Am Ende sicherte er sich den 11:8-Sieg mit einem Average von 113,68 und 14 Maxima. Nur Phil Taylor warf beim World Matchplay je höher: Sein Rekord von 114,99 stammt aus einem 10:6-Erstrundensieg gegen Barrie Bates im Jahr 2010.
Wiederauflage des letztjährigen Halbfinals
Littler avancierte zudem erst zum zweiten Spieler nach Taylor, dem bei diesem Turnier zwei 9-Darter gelangen. Sein vorheriges perfektes Leg warf er im Halbfinale 2025 gegen Josh Rock – ausgerechnet der Gegner, der nun im diesjährigen Viertelfinale auf ihn wartet.

Littler in Aktion gegen Aspinall
Durrant hatte ursprünglich vorhergesagt, dass Littler die Phil Taylor Trophy nicht verteidigen würde. Diese Einschätzung begann sich während des 10:6-Auftakterfolgs der Nummer eins der Welt gegen Niko Springer zu wandeln. "Ich sagte, er gewinnt das World Matchplay nicht, aber mir gefällt sein Draw", erklärte der ehemalige dreifache BDO-Weltmeister bei Online Darts.
Die ersten Legs gegen Springer bereiteten durchaus Sorge. Littlers Wurf wirkte ungewohnt hakelig, auch wenn ihn das offenkundige technische Unbehagen nicht daran hinderte, einen Average von 109,53 aufzulegen.
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"Sein Wurf in den ersten sieben, acht Legs des Auftaktspiels gefiel mir nicht", so Durrant. "Da schlich sich fast eine kleine Verzögerung in die Bewegung ein. Normalerweise fließt bei ihm alles zusammen. Dann schaue ich auf die Anzeige und sehe 109 im Schnitt. Ich glaube, die Zeiten, in denen ich an Littler zweifle, sind vorbei. Wenn es einer schafft, dann er."
Gegen Aspinall zog Littler das Niveau noch einmal an und produzierte den zweithöchsten Average in der 32-jährigen Turniergeschichte. Damit hält er seine Titelverteidigung klar auf Kurs.
Durrant hatte vor Menzies-Gefahr gewarnt
Luke Humphries war ursprünglich Durrants Titeltipp, doch seine Meinung kippte, als die Auslosung den Champion von 2024 ausgerechnet mit Cameron Menzies zusammenbrachte. "Du hast mich in Aylesbury interviewt, und dort sagte ich, dass ich viel von Luke Humphries halte", erinnerte sich Durrant. "Als die Auslosung aber feststand, sagte ich bei Sky bereits, dass sie mir nicht gefällt."
Besonders die Aussicht, dass Humphries erst auf Menzies und danach in Runde zwei auf Ross Smith trifft, beschäftigte Durrant. Seine Bedenken bestätigten sich, als der Schotte mit einem spektakulären 170-Finish einen 10:7-Sieg einfuhr.
An Menzies' Fähigkeiten zweifelte Durrant dagegen nie, schließlich standen sich beide während seiner eigenen BDO-Karriere regelmäßig gegenüber. "Ehrlich, Phil, ich halte Cameron Menzies für einen der zehn talentiertesten Spieler, gegen die ich je angetreten bin", sagte er. "Er verfügt über ein überragendes Talent, doch mental passte bislang nicht immer alles zusammen."
Gegen Humphries erlebte Durrant nun einen deutlich kontrollierteren Menzies. Verpasste Doppel, die früher sichtbare Reaktionen ausgelöst hätten, hakte der Schotte diesmal schnell ab und feierte damit den größten Sieg seiner PDC-Karriere. "Cameron Menzies hatte plötzlich die richtigen Leute um sich", erklärte Durrant. "Ob das nun die PDPA war, ein Psychologe, seine neue Partnerin oder seine Familie – er wirkte mental in einer guten Verfassung." Menzies trifft nun im Kampf um das Viertelfinale auf Smith, den Durrant schon vor dem Turnier als Außenseiter-Tipp benannt hatte.
Nijman und Anderson untermauern ihre Ansprüche
Auch Wessel Nijman beeindruckte Durrant mit seinem souveränen 10:5-Erfolg über Dave Chisnall. Kritiker hatten den Niederländer trotz seiner Erfolge auf ProTour und European Tour wegen ausbleibender großer TV-Läufe infrage gestellt, doch Durrant sieht in seiner Wurfbewegung ein Format, das für beide Bühnen taugt.
"Dieser Wurf ist einfach hervorragend", sagte er. "Manche behaupten, er funktioniert nur auf dem Floor und nicht auf der TV-Bühne. Ich denke dabei an den Grand Slam of Darts zurück, wo er überragend spielte und schlicht das nötige Matchglück vermisste."
Nijman reist meist mit seinen Eltern und hält seinen Kreis bewusst klein, statt ein großes Gefolge aufzubauen. In Kombination mit dem von Durrant als "effizient und effektiv" beschriebenen Wurf brachte ihn dieser unaufgeregte Ansatz zügig in Richtung Ranglistenspitze.
Sein Zweitrundengegner Gian van Veen hatte Nijman öffentlich zum Favoriten für das rein niederländische Duell erklärt. Diese Aussage überraschte Durrant bei einem Spieler, der 2026 stark in die Saison gestartet war. "Das fand ich interessant, weil es nahelegt, dass Van Veen mental vielleicht nicht ganz da ist, wo er für dieses Spiel sein müsste", so Durrant. Van Veens verletzungsbedingte Pause früher in der Saison bleibt ebenfalls ein Thema: "Sobald sich Selbstzweifel ins Spiel schleichen, lassen sie sich oft nur schwer wieder abstellen."
Gary Anderson reiste mit einer anderen Frage nach Blackpool. Der Schotte bestritt laut Durrant in dieser Saison nur 49 Wettbewerbsmatches, entkräftete diese Bedenken jedoch mit einem Average von 109,96 beim 10:2-Kantersieg gegen Ryan Joyce. "Er besitzt diesen Rolls-Royce-Wurf", schwärmte Durrant. "Sobald er die Triple 20 wieder regelmäßig traf, kehrte sichtbar auch das Selbstvertrauen zurück."
Gegen Jonny Clayton konnte Anderson diesen Average zwar nicht wiederholen, drehte aber ein 1:4 in einen 11:7-Sieg und erreichte damit sein erstes World Matchplay-Viertelfinale seit 2020. Dort wartet Dirk van Duijvenbode, der zuvor Michael van Gerwen mit 14:12 aus dem Turnier warf.
Durrants Bewunderung für Anderson reicht über eine einzelne Leistung hinaus. Während seiner eigenen Karriere stand er kurz davor, sich dem Management-Stall des Schotten anzuschließen, und hält dessen Wurfbewegung womöglich für unerreicht. "Ein Teil meiner heutigen Arbeit besteht darin, Wurfstile zu analysieren, und ich weiß nicht, ob es je einen besseren Wurf als den von Gary Anderson gegeben hat", sagte er.

Anderson trifft im Viertelfinale auf Dirk van Duijvenbode
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Littlers Dominanz hat ein Verfallsdatum
Ein Sieg in Blackpool würde Littlers Jagd auf einen außergewöhnlichen Sweep der großen Saisontitel am Leben halten. Zudem rücken damit Players-Championship-Turniere zurück in seinen Kalender, da er sich für die Finals in Minehead qualifizieren möchte.
"Er will Rekorde brechen, und das hat er immer offen zugegeben", sagte Durrant. "Gewinnt er das World Matchplay, will er anschließend nach Hildesheim, nach Leicester und zu den verbleibenden Players-Championship-Events reisen."
Lange schien es unwahrscheinlich, dass ein Spieler den Sport noch einmal so dominiert wie einst Taylor. Littlers wachsende Titelsammlung entfacht diese Debatte neu, auch wenn Durrant keine Karriere über denselben Zeitraum erwartet.
"Ich sehe bei Luke keine 16 WM-Titel", so Durrant. "Hoffentlich haben wir ihn noch fünf oder zehn Jahre, aber er ist längst mehr als nur ein Dartspieler. Er ist eine Persönlichkeit, die im Vereinigten Königreich jeder kennt."
Durrant rechnet damit, dass Littler noch vier oder fünf weitere WM-Titel gewinnt, bevor Ruhm, Reichtum oder externe Angebote ihn schließlich in eine andere Richtung ziehen. Das wäre eine kürzere Dominanzphase als jene von Taylor, möglicherweise aber eine von beispielloser Intensität.
Josh Rock übernimmt nun die Aufgabe, dieses Momentum zu bremsen. Littler geht mit Match-Averages von 109,53 und 113,68 sowie dem ersten 9-Darter der Woche in Blackpool ins Viertelfinale.

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









